merken
PLUS

Brennender Kinderwagen sorgt für Aufregung in Neugersdorfer Mietshaus

Acht Familien sind Dienstagabend evakuiert worden. Die Polizei sucht jetzt den Brandstifter.

© Christian Essler

Von Romy Kühr

Eine aufregende Nacht liegt hinter acht Familien, die am Karl-Marx-Platz in Neugersdorf wohnen. Urplötzlich mussten sie am späten Dienstagabend ihre Wohnungen in dem Mehrfamilienhaus verlassen. Der Grund: ein brennender Kinderwagen im Hausflur des Mietshauses. Die Polizeidirektion Görlitz geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass der Kinderwagen absichtlich angezündet worden ist. Vermutlich sind auch abgestellte Fahrräder mit angebrannt worden.

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Gegen 22 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Die Ortswehren aus Ebersbach und Neugersdorf waren mit etwa 40 Kameraden und mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort. „Bei größeren Vorfällen, wie zum Beispiel eben Wohnhausbränden, rücken wir immer gemeinsam aus“, erklärt Andreas Gampe, der Stadtwehrleiter von Ebersbach-Neugersdorf.

Ein Mieter hatte beim Eintreffen der Feuerwehren im Treppenhaus schon gute Vorarbeit geleistet und mit einem Feuerlöscher den Brand bekämpft, berichten Polizei und Wehrleiter. Die Flammen konnten demnach zwar schnell gelöscht werden. Die Bewohner des Hauses mussten aber evakuiert werden, weil starker Rauch durch das ganze Gebäude zog. Der Qualm breitete sich rasend schnell aus und zog in fast alle Wohnungen, berichten Augenzeugen. In dem Haus am Karl-Marx-Platz wohnen besonders viele kleine Kinder, etwa 20 Mädchen und Jungen mussten mitten in der Nacht mit ihren Eltern vorübergehend die Wohnungen verlassen.

Einige kamen bei Verwandten unter, berichtet Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos). Sie war in der Nacht selbst mit vor Ort, um sich um die Familien zu kümmern. Zwei Familien mit insgesamt sechs Kindern besorgte sie kurzfristig eine Notunterkunft für die Brandnacht. „Wir besitzen als Stadt selbst keine Notunterkünfte“, sagt sie. „Wir haben aber Möglichkeiten, in solchen Notfällen freie Wohnungen zu vermitteln.“ In diesem Fall hat sie die Familien in Ferienwohnungen untergebracht, die der Stadtwerke Oberland GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadt, gehören. „Wir haben den Leuten auch angeboten, dass sie länger bleiben können, wenn es notwendig ist“, sagt die Bürgermeisterin. Mittlerweile konnten aber alle Mieter in ihre eigenen Wohnungen zurückkehren. Bis der Schaden der Schreckensnacht gänzlich beseitigt ist, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Wie hoch die Schäden sind, kann die Polizei momentan noch nicht beziffern. Auch die Versicherung müsse prüfen, welche Schäden beglichen werden können und wann renoviert werden kann, erklärt Frau Hergenröder das Prozedere, das jetzt bevorsteht.

Die Mieter in Neugersdorf hatten Glück im Unglück, denn das Feuer wurde schnell bemerkt. Andernfalls kann der starke Rauch auch tödlich sein, so die Polizei. Fälle, in denen Hausbewohner durch giftigen Rauch getötet wurden, weil sie einen Brand im Schlaf nicht bemerkten, hat es auch in der Region schon gegeben. Vor knapp zwei Jahren starb zum Beispiel ein Rentner in Friedersdorf auf diese tragische Weise. Auch ihn hatte der Rauch nachts überrascht. Deshalb empfehlen Feuerwehren und Polizei immer wieder, Rauchmelder in Wohnhäusern zu installieren.

Im Neugersdorfer Fall ermittelt jetzt die Kriminalpolizei, um den mutmaßlichen Brandstifter zu finden.