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Bricht Atlas bald zusammen?

Löcher im Dach zerstören ein markantes Zittauer Gebäude. Die Stadt kann zunächst nur zuschauen.

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© SZ Thomas Eichler

Von Mario Heinke

Zittau. Der Verfall ist nicht mehr zu übersehen. Atlas, der Titan aus der griechischen Mythologie stemmt unübersehbar den runden Erker in der Heinrich-Mann-Straße 3a. Er wird das markante Haus an der Ecke zur Dresdner Straße wohl nicht retten können, denn das leer stehende Gebäude ist seit dem Winter nach oben offen. Nach SZ-Informationen haben die Eigentümer das alte Dach abgenommen, vermutlich um es zu erneuern. Dazu ist es allerdings nicht gekommen. Letztendlich ist das Dach nur mit Folien bedeckt worden, die nach kurzer Zeit gerissen sind. So kann seit Monaten Regenwasser ungehindert eindringen und im Innern sein Zerstörungswerk anrichten.

Es ist nur ein Frage der Zeit, wann die erste Geschossdecke sich auflöst und einstürzt. Dennoch passiert seit Monaten nichts. Das denkmalgeschützte Haus befindet sich in Privatbesitz.

„Der Eigentümer wurde mittels Verfügung aufgefordert den Missstand zu beseitigen und das Gebäude ordnungsgemäß zu sichern“, erklärt Stadtsprecher Kai Grebasch auf Anfrage der SZ und ergänzt: „Über die Art der Sicherungsmaßnahmen entscheidet der Eigentümer selbst.“ Wann die Frist zur Sicherung abläuft konnte Grebasch nicht sagen. Der Fall zeigt, in welchem Dilemma die Stadt steckt. Sie kann lediglich mir behördlichen Androhungen Druck aufbauen und muss zuschauen, wie das kulturelle Erbe der Stadt in sich zusammenbricht. Ein Schicksal, das in den vergangenen Jahren viele denkmalgeschützte Häuser ereilte. Ist der Besitzer finanziell nicht in der Lage das Haus zu sichern, schreitet die Stadt erst ein, wenn eine Gefährdung des öffentlichen Raums eintritt. Das bedeutet, erst wenn lose oder herunterstürzende Teile Passanten oder den Verkehr gefährden, wird die Stadt tätig und sichert das Gebäude. Die entstehenden Kosten legt die Verwaltung im Nachgang auf den Eigentümer um. In der Vergangenheit ist sie jedoch nicht selten auf den Kosten sitzen geblieben, weil bei den Eigentümern nichts zu holen gewesen ist.