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Brille? Nächstes Jahr.

Ab Januar bezahlt die Krankenkasse nichts mehr für Brillengläser. Wer eine neue Brille braucht, sollte sich also beeilen. Allerdings: Augenärzte und Optiker im Landkreis Bautzen werden zurzeit von den Kunden nahezu überrannt. Lange Wartezeiten sind die Folge.

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Von Christian Eißnerund Annett Kschieschan

Matthias Branahl, Unternehmenssprecher von Fielmann in Hamburg, kann seinen Stolz kaum verbergen: „Wir haben in den ersten beiden Novemberwochen in Deutschland hundert Prozent mehr Brillen verkauft als im gleichen Zeitraum 2002.“ Der Brillenabsatz der größten deutschen Optiker-Kette hat sich also schlicht verdoppelt. Und wer dieser Tage beim Optiker oder gar beim Augenarzt war, den wundert das überhaupt nicht. Brillen gehen weg, als würde die Produktion morgen eingestellt.

Der Grund dafür ist einfach: Die Zuzahlung der Krankenkassen für Brillengläser fällt ab nächstem Jahr weg. Weil sie gern noch in den Genuss dieser Unterstützung kommen wollen, lassen sich viele Brillenträger jetzt noch neue Gläser verschreiben. Und – den Optiker freut‘s – kaufen meist gleich ein aktuelles Gestell dazu.

„Bei uns stürmen die Kunden seit September täglich das Geschäft. 500 sind es im Schnitt pro Tag. Wir haben sieben Leute zusätzlich beschäftigen müssen, um der enormen Nachfrage gerecht werden zu können“, sagt Korinna Jäckel, die Leiterin der Bautzener Fielmann-Filiale. Mittlerweile hätten auch die Hersteller der Brillengläser Engpässe beim Liefern. „Das Problem ist, dass viele Leute gar nicht wissen, wie stark sie von der neuen Regelung betroffen wären. Die Spanne einer möglichen Zuzahlung reicht zum Beispiel von acht bis um die 180 Euro“, so Korinna Jäckel.

„Sicher haben die Leute Fragen, sind unsicher, aber zum Teil wissen wir ja auch noch nicht genau, wie das alles nächstes Jahre geregelt sein wird“, sagt Cornelia Kappler, Mitarbeiter bei Krane-Optik in Bautzen. Auch hier kommen die Kunden zurzeit in Massen zum Sehtest bzw. zum Brillenkauf. Die Mitarbeiterin bei Apollo-Optik in Bautzen hat kaum Zeit, am Telefon auf die SZ-Fragen zu antworten. „Klar ist bei uns viel los, die Läden sind voll...“.

Diesen Run auf die Nasenfahrräder bekommen genauso die Augenärzte im Landkreis Bautzen zu spüren. Fragt man nach einem Termin zur Augenkontrolle im Dezember, erntet man schon nicht einmal mehr ein müdes Lächeln. „Wir vergeben Termine im Januar, da sind wir im Vergleich noch gut dran“, sagt Dr. Hanswolf Dietze, Augenarzt in Bischofswerda. Bis vor ein paar Wochen wurden hier vormittags Patienten ohne Vorbestellung behandelt. „Wir wurden der Masse nicht mehr Herr, vergeben jetzt Nummern, bei 40 ist Schluss, sonst schaffen wir es nicht“, sagt der Arzt. Wohl dem also, der sich rechtzeitig gekümmert hat. Auf ein Wort