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Brite will Ruine zu Studentenhaus umbauen

James Fern hat eine klare Vision: In der Brandruine des ehemaligen Zollhauses an der Herwigsdorfer Straße soll künftig wieder das pralle Leben zu Hause sein. Setzt er seine Pläne um, werden dutzende Studenten in dem für sie sanierten Haus lernen und leben.

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Von Thomas Mielke

James Fern hat eine klare Vision: In der Brandruine des ehemaligen Zollhauses an der Herwigsdorfer Straße soll künftig wieder das pralle Leben zu Hause sein. Setzt er seine Pläne um, werden dutzende Studenten in dem für sie sanierten Haus lernen und leben. Im ehemaligen Stall hinter dem Haus könnten sie abends in einer Bar ein Bierchen trinken. Außerdem soll eine Art Mensa oder Restaurant einziehen, das die Studiosi auf Wunsch mit Halbpension versorgt. Auf dem Gelände werden nach Ferns Vorstellungen Sportstätten wie Tennisplätze und Pools entstehen, auf und in denen sich die Nachwuchsakademiker entspannen oder stählen können. „Es soll nicht nur ein Platz zum Schlafen, sondern zum Leben werden“, sagt der Brite.

Bis zu fünf Millionen Euro kostet die Umsetzung dieser Vision. Geld, dass Fern nicht hat. „Für mich allein ist das eine Nummer zu groß“, gibt er zu. Deshalb sucht er Investoren in seiner Heimat und den USA. Deutsche seien für so ein Projekt vor allem in Ostdeutschland nicht zu begeistern, sagt er. Zudem will Fern Geld verdienen, in dem er das Dach komplett mit Solarziegeln belegen lässt. Das sehe besser aus als eine eingelassene Solaranlage, sagt der 26-Jährige, der erneuerbare Energie als seine Passion angibt.

Gekauft hat Fern, der von sich sagt, ein unehelicher Nachfahre des 1742 geborenen preußischen Generalfeldmarschalls Gebhard Leberecht von Blücher zu sein, das ehemalige Zollamt bei einer Auktion. Bezahlt hat er die Brandruine und drei weitere Häuser in Zittau eigenen Angaben zufolge vor allem mit Gewinnen aus seinem letzten Projekt: In Kanada baute er eine Windfarm auf und verkaufte anschließend seine Anteile.

Bisher hat er sich an verschiedenen Dingen ausprobiert, ist wie seine Assistentin Juliana Probst sagt, ein „Selfmademen“ (frei übersetzt ein „Mann, der es selbst geschafft hat“). Er hat Firmen gegründet, Projekte mit erneuerbaren Energien wie die Windfarm umgesetzt, mit Immobilien gehandelt. Das Studium hat er wegen der Pflege seiner kranken Mutter abgebrochen. Fern ist mit einer Kanadierin verlobt und erwartet sein zweites Kind.

Bei einer Rundreise mit ihr durch Europa ist der Brite auf Zittau aufmerksam geworden. Von Dresden aus fuhr er nach Polen und hielt auf dem Rückweg auf einen Kaffee in der Stadt an. Wenig später las er in Berlin von der Auktion, in der das ehemalige Zollhaus in Zittau angeboten wurde. Fern war fasziniert von der Geschichte des Sechs-Städte-Bundes, von den Möglichkeiten eines Dreiländerecks mitten in Europa, der Hochschulstadt und suchte nach dem Ende des Windfarmprojekts gerade eine neue Herausforderung.

Seit wenigen Tagen lebt Fern in Zittau-Nord. Er spricht mit verschiedenen Leuten, erledigt die Bürokratie, holt Genehmigungen ein und sucht Investoren. Frühestens im kommenden Jahr kann die Umsetzung seiner Vision starten.

Fern sagt, dass es ein Hopp- oder Topp-Projekt wird. Klappt es nicht, muss er wieder von vorn anfangen. Klappt es aber, hat er noch viel größere Pläne mit Zittau.