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Bronzetafeln im Zittauer Pollerwald

Konrad Riedel zeigt einen grafischen Entwurf, der den Zittauer Stadtbrand von 1757 symbolisch darstellt.

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© Matthias Weber

Von Mario Heinke

Schrift- und Grafikermalermeister Konrad Riedel zeigt einen grafischen Entwurf, der den Zittauer Stadtbrand von 1757 symbolisch darstellt. Zehn weitere Entwürfe aus der Zittauer Stadtgeschichte hat er in den vergangenen Wochen erarbeitet. Die Grafiken dienen als Vorlage für Bronzeplatten, die zwischen den Pflastersteinen auf dem Markt eingelassen werden sollen. So soll künftig die reiche Geschichte der Stadt erleb- und begehbar werden.

Riedels Aufgabe besteht darin, neben der Jahreszahl ein leicht erkennbares Symbol für jedes historische Ereignis zu entwickeln. Bei der Umsetzung verzichtete er auf Texte, damit auch ausländische Besucher den Inhalt schnell erfassen können. Gemeinsam haben die Städtischen Museen Zittau und die Tourist-Information die elf wichtigsten historischen Daten der Stadtgeschichte – von der ersten urkundlichen Erwähnung Zittaus (Sittavia) im Jahre 1238 bis zur Osterweiterung der Europäischen Union im Jahre 2004 – herausgesucht. Die historischen Daten werden so den Stadtführern künftig zu Füßen liegen wie ein Spickzettel.

„Sollte die EU scheitern, können wir die Platte ja noch auswechseln“ frotzelte ein Mitarbeiter der Stadt bei der wöchentlichen Bauberatung. Die amtierende Stadtsprecherin Gloria Heymann verweist darauf, dass bereits bei der Planung neben denkmalpflegerischen Belangen auch das Schaffen von Erlebbarem eine wichtige Rolle spielte, um die Aufenthaltsqualität auf dem Markt steigern. Der Markt als „gute Stube“ der Stadt solle Besuchern und Touristen auch etwas bieten, nur so könne die Verweildauer erhöht werden.

Die Bronzegussplatten in der Größe von 80 mal 60 Zentimetern gießt die Kunstgießerei Bildguss Gebrüder Ihle in Dresden. Die zehn Millimeter starken Platten werden danach auf Betonplatten befestigt. Diebstahl soll so von vornherein ausgeschlossen werden. Ende September werden die Platten als neue Attraktion auf der Fläche vor dem Rathaus eingesetzt. In unmittelbarer Nähe der Bronzeplatten will die Stadt weitere Bänke aufstellen.

Bis dahin bleibt noch etwas Zeit. Die Bauarbeiten im dritten Bauabschnitt gehen inzwischen wieder planmäßig voran. Die Fahrbahn auf der Südseite des Marktes ist jetzt bereits erkennbar, wenn man genau hinschaut. Eine nur drei Zentimeter hohe Bordsteinkante wird die in einer Richtung befahrbare Straße über die Südseite des Marktes vom Gehweg trennen. Die Fahrbahn ist etwas breiter als ein Pflasterfeld. In der Mitte des benachbarten Feldes sind die Fundamente für die Poller erkennbar. Ein ganzer Pollerwald soll die künftige Fußgängerzone auf der Nordseite und die Fahrbahn auf der Südseite trennen.

Sollte es jedoch zu einem Bürgerentscheid kommen und die Zittauer würden sich mehrheitlich für einen autofreien Markt entscheiden, können die Poller wieder abgebaut werden. Ob dann auch die Bordsteinkante wieder auf das Niveau der Straße angepasst wird, ist unklar. Das Planungsbüro kann sich nur an der derzeitigen Beschlusslage orientieren. Der Stadtratsbeschluss sieht eine Befahrbarkeit der Südseite und einige Parkplätze vor.

Die Archäologen sind inzwischen beim Packen und beenden zum Monatsende ihre Arbeiten. Aus dem letzten freigelegten Grabungsfeld in ein Meter Tiefe hat die Baufirma Osteg mittelalterliches Pflaster geborgen. Das historische Pflaster wurde in ein zwei Quadratmeter großes Feld direkt an der Rathausfassade einbetoniert. So entstand ein dekoratives „Schaufenster ins Mittelalter“. Beim geplanten Baustelleninfotag am 28. August werden die Archäologen einige Exponate ausstellen, die in den vergangenen Monaten auf dem Markt geborgen worden sind. Der Gehweg vor dem Rathaus wird Anfang der Woche fertiggestellt und freigegeben, verspricht Gloria Heymann.