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Bruchsteinmauer darf geöffnet werden

Der Gemeinderat hat seine Entscheidung vom November korrigiert. Der Grund dafür war ein altes Foto.

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Von Sven Görner

Die Würfel sind gefallen. Noch einmal. Und diesmal endgültig. Die Radebeuler Wohnbau GmbH kann ihre Pläne wie vorgesehen umsetzen. Möglich ist das, weil der Moritzburger Gemeinderat einen im Vorjahr gefassten Beschluss zu einer Mauer revidiert hat.

Vor drei Monaten hatten die Moritzburger Gemeinderäte schon einmal über die Einwände gegen den Entwurf des Bebauungsplans „Am Kirchweg“ beraten. Damals stimmten die Bürgervertreter mehrheitlich den Bedenken einer Moritzburgerin zu. Diese hatte beanstandet, dass für den geplanten Bau von fünf Häusern auf dem einstigen Industrieareal eine vier Meter breite Bresche in die alte Bruchsteinmauer geschlagen werden soll. Als Grundstückseinfahrt.

Diese alten Einfriedungen, so die Argumentation, prägten früher das gesamte Ortsbild der alten Siedlung Eisenberg. An vielen Stellen sind sie inzwischen verschwunden. An anderen Orten im Dorf nur noch als Fragmente vorhanden. Daher sollte die lange Mauer an der Schließerstraße komplett erhalten bleiben.

Als Alternative hatten die Gemeinderäte vorgeschlagen, für das betroffene Grundstück hinter der Mauer eine Zufahrt parallel zur Schließerstraße zu schaffen. Aus Sicht des Investors hätte das allerdings dazu geführt, dass die betroffenen Grundstücke nicht mehr vermarktungsfähig gewesen wären. Und statt fünf nur vier Häuser an den Standort zu setzen, hätte zur Konsequenz gehabt, dass diese Grundstücke zu teuer geworden wären.

Eine scheinbar verfahrene Situation. Wenn im Dezember nicht plötzlich ein Foto aufgetaucht wäre. Darauf war zu sehen, dass die Mauer in den 1950er-Jahren schon einmal geöffnet war. Erst später wurde der Durchlass wieder geschlossen. Allerdings nicht mit Bruch-, sondern nur mit Ziegelsteinen. Für Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) war die alte Aufnahme Grund genug, im Januar einen Vor-Ort-Termin anzuberaumen. Für einige Mitglieder der CDU-Fraktion brachte diese Begehung keine neuen Erkenntnisse. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten die Räte nicht noch einmal über das Thema beraten. Doch es gab auch andere Meinungen. Und so setzte der Verwaltungschef den Bebauungsplan „Am Kirchweg“ in der jüngsten Sitzung noch einmal auf die Tagesordnung. Nachdem der Gemeinderat zunächst seinen alten Abwägungsbeschluss aufgehoben hatte, stimmten schließlich zwölf Abgeordnete für die Maueröffnung und fünf dagegen.

Der Ziegelsteinabschnitt soll noch einmal neu mit Bruchsteinen verschlossen werden, dafür darf der Investor ein Stück daneben die neue Einfahrt schaffen. Wie Jörg Hänisch sagt, wolle die Radebeuler Wohnbau GmbH die Gemeinde zudem bei der Befestigung des Kirchweges unterstützen. Denn dieser, und nicht wie in der Diskussion von einigen Räten angenommen die Schließerstraße, ist der offizielle Weg zur Grundschule.

Neben dem neuen Abwägungsbeschluss zur Mauer stimmte der Gemeinderat nun auch dem städtebaulichen Vertrag mit dem Investor und dem Bebauungsplan selbst zu.