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Blechbrücken-Abriss startet 2021

Stück für Stück soll die marode Fußgängerbrücke am Riesaer Bahnhof verschwinden. Zeitweise wird dafür die Zugstrecke auch gesperrt werden.

Die Fußgängerbrücke über die Gleise am Riesaer Bahnhof soll abgerissen werden. Die ersten Vorbereitungen dafür laufen schon.
Die Fußgängerbrücke über die Gleise am Riesaer Bahnhof soll abgerissen werden. Die ersten Vorbereitungen dafür laufen schon. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Seit Jahrzehnten prägt sie das Bild am Riesaer Bahnhof. Nun soll die Fußgängerbrücke über die Gleise, die in Riesa oft nur "Blechbrücke" genannt wird, verschwinden. Der Stadtrat hat in seiner Juli-Sitzung den nächsten Schritt dafür getan.

Konkret wurde Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) dazu ermächtigt, eine sogenannte Kreuzungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn abzuschließen. Die regelt Bauvorhaben an den Stellen, an denen sich Gleise und Straßen kreuzen. Mit dem Beschluss nimmt nun auch ein straff getakteter Zeitplan für den Abriss des maroden Bauwerks Gestalt an - wenn auch nicht in allen Details, wie Stadtsprecher Uwe Päsler erklärt. Der Plan regle "Art und Umfang der Maßnahme sowie die Verteilung der Kosten zwischen den Vertragsparteien". 

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Zwei Wochen kein Zugverkehr durch Riesa

Trotzdem soll noch im Sommer die Ausschreibung starten. Aus Sicht der Stadtverwaltung könnte dann frühestens ab Mitte Januar 2021 der Bau vorbereitet werden. Das muss bis März passiert sein - aus Gründen des Naturschutzes. Denn im Vorfeld der Bauarbeiten müssen beispielsweise Hecken verschnitten werden - und das darf nur außerhalb der Brutsaison erfolgen. Unterteilt ist das Bauvorhaben in insgesamt sechs Phasen. Stück für Stück soll die Brücke abgebrochen beziehungsweise ausgehoben werden, beginnend aus Richtung des Stahlwerksgeländes. 

Während es anfangs noch ohne schwerwiegende Eingriffe in den Zugverkehr geht, wird es ab Dezember 2021 langsam ernst, wenn sich der Kran der Brückenmitte nähert. Für diesen Zeitraum hat die Stadt bereits erste Sperrpausen bei der Bahn angemeldet. "Aber erst auf untergeordneten Gleisen", erklärt Uwe Päsler. Der komplette Zugverkehr wird erst im Januar durch den Abriss gestoppt: vom 17. Januar bis 30. Januar 2022, so die Planung. 

Kosten liegen bei mehr als vier Millionen Euro

Die Planer rechnen für das gesamte Vorhaben mit Kosten in Höhe von mehr als vier Millionen Euro. Insgesamt wäre der Abriss der Fußgängerbrücke damit teurer als seinerzeit der Neubau der Brücke an der Grenzstraße/Langen Straße. Allerdings muss die Stadt die Kosten nicht alleine tragen; die Hälfte übernimmt die Deutsche Bahn. 

Der schon im Jahr 2015 beschlossene Abriss hatte bereits im Vorfeld für Nachfragen aus vielen Richtungen gesorgt. Erst im Juni hatten sich beispielsweise Vertreter der Bürgerbewegung Riesa, den Grünen und des Bürgervereins Riesa 2018 dafür eingesetzt, die Brücke doch noch zu erhalten. Das Argument: Das 1968 errichtete  und etwa 170 Meter lange Bauwerk sei immer noch die kürzeste Verbindung vom Bahnhof nach Gröba. Die Stadt hatte dem allerdings eine klare Absage erteilt: Angesichts der Schäden sei ein Erhalt oder eine Sanierung der Blechbrücke unmöglich. Nicht umsonst muss das schon seit Jahren notgesicherte Bauwerk bis zu seinem Abbruch regelmäßig überprüft werden. 

Antrag auf Vertagung abgelehnt

Aus den Reihen der AfD wiederum wurde vor allem die lange Bauzeit kritisiert und die damit verbundenen Kosten. Fraktionschef Joachim Wittenbecher wollte wissen, ob denn auch Alternativen geprüft worden seien, etwa eine Sprengung oder das sogenannte Taktschiebeverfahren, bei dem die Brücke Stück für Stück waagerecht bewegt wird. 

Beides sei im Fall der Blechbrücke aber nicht umsetzbar und von der Deutschen Bahn sehr schnell verworfen worden, erklärte Joachim Nagel vom Stadtbauamt. Die Sprengung schon allein wegen der darunterliegenden Infrastruktur. Und das Taktschiebeverfahren sei lediglich bei Brücken mit Widerlagern möglich. Die Blechbrücke wird aber im Wesentlichen durch fünf Pfeiler gestützt. 

Ein Antrag der AfD, den Beschluss dennoch zu vertagen, wurde mehrheitlich abgelehnt. Es gebe schlichtweg keinen Bedarf mehr, das Thema noch weiter zu erläutern, so Oberbürgermeister Marco Müller. "Es ist alles ausdiskutiert und besprochen worden." Den eigentlichen Antrag nahmen schließlich 15 der 27 anwesenden Stadträte an. Lediglich die AfD stimmte geschlossen dagegen. 

Es wird nicht das letzte Mal in diesem Jahr sein, dass sich die Stadträte mit der Brücke befassen. Wenn die Ausschreibung nach Plan läuft, dann sollen sie den Bauauftrag in der letzten Sitzung des Jahres 2020 vergeben. Das wäre dann am 16. Dezember. Viel später geht es nach der aktuellen Zeitplanung auch nicht.

 Stadtsprecher Uwe Päsler verweist nochmals auf den Zeitdruck, die ersten Arbeiten schon vor der Brutsaison leisten zu müssen. "In der zeitlichen Rückrechnung zeigt sich, dass unter anderem aus diesem Grund die Vergabe noch im Jahr 2020 passieren muss. Der nächste Stadtrat ist Anfang Februar 2021, das wäre dann kaum noch zu stemmen."

Sollten dann auf der Baustelle selbst Verzögerungen eintreten, dann sei bereits ein gewisser Puffer eingeplant. Das ist auch nötig: "Die bereits angemeldeten Sperrpausen bei der Bahn werden im Bauvertrag verbindlich festgelegt", betont die Stadt. Sollten sich doch Verzögerungen abzeichnen, dann sei die Baufirma in der Pflicht, "geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit die vertraglich vereinbarten Termine eingehalten werden können". 

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