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Brücke zahlt Corona-Bonus

Die Pandemie verlangt den Mitarbeitern der Wohnstätten viel ab. Der Kampf gegen das Virus beginnt jeden Tag aufs Neue.

Danke, sagt Eric Riedrich (links) symbolisch für alle Mitarbeiter der Brücke Wohnstätten gGmbH. Die Geschäftsführer Lars Werner (rechts) und Sebastian Lässig sowie Heimleiterin Karin Preißler verkündeten die Botschaft, dass alle Mitarbeiter einen
Danke, sagt Eric Riedrich (links) symbolisch für alle Mitarbeiter der Brücke Wohnstätten gGmbH. Die Geschäftsführer Lars Werner (rechts) und Sebastian Lässig sowie Heimleiterin Karin Preißler verkündeten die Botschaft, dass alle Mitarbeiter einen © Lutz Weidler

Hochweitzschen. Eric Riedrich bedankt sich mit einem Ellenbogenstupser und einem freundlichen Lächeln hinter der Maske bei Geschäftsführer Lars Werner. Riedrich hat wie alle Mitarbeiter der „Brücke“ Wohnstätten gGmbH einen Corona-Durchhalte-Bonus erhalten.

Er arbeitet in der Außenwohngruppe, deren Bewohner zur Arbeit in die Werkstätten fahren, erzählt Eric Riedrich. „Während der Schließung mussten wir für sie eine Tagesstruktur schaffen. Das war nicht immer einfach“, so Riedrich. Auch die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sei jeden Tag aufs Neue ein Kampf. „Dass diese Anstrengungen nun von der Geschäftsleitung belohnt werden, ist eine schöne Anerkennung“, so Riedrich.

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„Die Corona-Pandemie verlangt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nun seit reichlich vier Monaten viel ab. So erschweren die eigenen, uns selbst auferlegten strengen Schutzmaßnahmen die tägliche Arbeit“, begründeten die Geschäftsführer Lars Werner und Sebastian Lässig die Sonderzahlung. Dabei gehe es nicht nur um die hohen Hygienestandards, sondern auch um die allgegenwärtige Sorge vor der Einschleppung des Virus in die Wohnbereiche.

Die etwa 100 Bewohner in den Wohnstätten für Menschen mit Behinderung werden von 80 Mitarbeitern betreut. Für Heimleiterin Karin Preißler ist es schon im Normalfall nicht einfach, den Dienstplan zu erstellen. Die Bewohner leben in verschiedenen Häusern, zu jedem Haus gehört ein Stamm von Mitarbeitern. „Im Notfall haben die Betreuer auch in anderen Häusern ausgeholfen. Diese Aushilfe haben wir aufgrund der Corona-Krise geblockt“, sagt Karin Preißler.

Strenge Besuchsregelung

Dennoch ist es für Lars Werner ein „Kunststück, dass sich niemand angesteckt hat“. Zwar sei es im Bereich des Pflegeheims „Zum Falkennest“ zu einem Corona-Fall gekommen (Sächsische.de berichtete), doch in den Wohngruppen sei dies bisher nicht der Fall gewesen. „Es ist eine große Leistung, dass die Mitarbeiter so diszipliniert sind“, so Werner.

Es sei früh darauf gesetzt worden, die Mitarbeiter mit Mund-Nasen-Schutz auszustatten. „Teilweise haben die Mitarbeiter selbst welche genäht“, sagt Karin Preißler. Als dann die Geschäfte wieder öffneten, mussten auch für die Bewohner Mund-Nasen-Bedeckungen genäht werden.

Schwierig war besonders die Zeit, als keine Besuche erlaubt waren. „Immer wieder haben wir die Angehörigen beruhigen müssen, dass es den Bewohnern gut geht“, sagt Preißler. Jetzt sei es wieder möglich, Besucher zu empfangen. Jedoch koste es zuweilen mühsame Überzeugungsarbeit für die Besuchsregeln.

 „Es ist nicht einfach, das Bedürfnis der Angehörigen nach flexiblen Besuchsmöglichkeiten oder gemeinsamem Urlaub und das Schutzinteresse aller Bewohner und Betreuer vernünftig gegeneinander abzuwägen und vertretbare Lösungen zu finden“, sagt Lars Werner. Kehren die Bewohner aus einem Urlaub zurück, müssen sie einen negativen Corona-Test vorlegen.

Ausdruck der Wertschätzung

Als Ausdruck der Wertschätzung und Dankbarkeit für ihre herausragende Arbeit und quasi als Motivator für die Zukunft hat sich die Geschäftsleitung entschlossen, allen Mitarbeitenden im Bereich der Behindertenhilfe einen „Corona-Durchhalte-Bonus“ auszuzahlen. 

Dabei handelt es sich nicht um die von Bund und Ländern finanzierte und medial breit verkündete staatliche Corona-Prämie. Diese bleibt den Pflegenden in Einrichtungen der Behindertenhilfe verwehrt. Die Geschäftsleitung der Brücke Wohnstätten gGmbH bewertet diesen Zustand als zutiefst ungerecht. 

„Die verrichteten Tätigkeiten sind mit denen der klassischen Altenpflege vergleichbar. So unterstützen sie unsere Bewohner in jeder Lebenslage und leisten unter anderem körpernahe Pflege“, erklärt Lars Werner. Damit sind sie mindestens in gleicher Weise herausgefordert. 

Denn neben der unmittelbaren Pflege und Unterstützung begleiten sie vor allem Menschen, die zur Risikogruppe gehören und weder die Bedrohungen durch das Corona-Virus noch die geforderten Hygieneregeln alleine bewältigen können.

Die Enttäuschung der Mitarbeiter über diese Schlechterstellung können die Geschäftsführer sehr gut nachvollziehen. „Nicht zuletzt wollen wir hier als verantwortungsvoller Arbeitgeber gegensteuern und ein wenig Linderung verschaffen“, so Werner.

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Der freiwillig und aus eigenen Mitteln gezahlte Corona-Durchhalte-Bonus soll auch einen Schwung in die Zukunft bringen. Bei aller Freude über das Erreichte dürfe man angesichts erfolgter Lockerungen keinesfalls annehmen, die Gefahr sei vorüber. „Wir müssen Sorge tragen, dass die Schutzmaßnahmen weiterhin so konsequent wie bisher umgesetzt werden. Der Corona-Durchhalte-Bonus soll dafür Rückenwind geben“, sagt Lars Werner.

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