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Brüder-Paar auf dem Sprung

Mit Schwimmen hat es für die zwei Pirnaer Leistungssportler begonnen. Richard ist dabei geblieben. Sebastian wechselte zur Sport-Akrobatik. Hartnäckig sind beide.

© Norbert Millauer

Von Ronny Zimmermann

Knapp drei Wochen dauert es noch, dann beginnt die Weltmeisterschaft in der Sportakrobatik. Saltos, Hebefiguren und Standwaage – Sebastian Grohmann arbeitet seit Monaten auf den perfekten Auftritt hin. Denn der Pirnaer wird bei den Junioren-Wettkämpfen in Paris für Deutschland starten. Er hat den Sprung in die Nationalmannschaft gepackt. Zusammen mit seinen drei Teamkollegen vom Dresdner SC, wo er seit drei Jahren trainiert, will der 16-Jährige für eine Überraschung sorgen: „Unser großes Ziel ist es, in das Finale der besten sechs Nationen einzuziehen. Das wäre klasse.“

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Aber die Konkurrenz ist stark. Briten, Russen und Chinesen – damit das deutsche Jungen-Quartett in der Weltspitze mithalten kann, schwitzen sie fast jeden Tag in der Sporthalle. Sie trainieren bis zur Perfektion, alles muss synchron sein. Sebastian kommt auf sechs Trainingseinheiten pro Woche, Sonnabend und Sonntag kommen meist Wettkämpfe oder Auftritte hinzu. Nur der Mittwochnachmittag ist frei.

Der gehört dann meist den Schulaufgaben. „Ich muss freie Minuten gut nutzen, um den Stoff zu pauken und zu lernen“, sagt Sebastian. Er besucht die Sportoberschule in Dresden. Hausaufgaben werden meist über einen längeren Zeitraum aufgegeben, Tests stets angekündigt. „Die Lehrer helfen uns sehr, Sport und Unterricht in Einklang zu bringen. Sonst wäre das wohl auch gar nicht machbar“, sagt der Zehntklässler.

Dass Sebastian überhaupt zur Sportakrobatik fand, ist Zufall. Eigentlich galt er als talentierter Schwimmer. Als er 13 Jahre alt war, packte er aber die vom Verband vorgegebenen Zeiten nicht mehr, um zum engsten Förderkreis zu gehören. Seiner Sportkarriere drohte der Knick. „Ich wollte aber unbedingt mit dem Leistungssport weitermachen“, erinnert sich der junge Athlet. „Meine Cheftrainerin nahm mich dann zur Akrobatik mit, weil mir Turnen in der Schule schon immer viel Spaß gemacht hat.“

Sein großer Ehrgeiz half ihm, in kürzester Zeit die Bewegungen und Figuren zu erlernen. Sein Trick: „Ich musste einfach den Kopf ausschalten, mich trauen und springen.“ Statt im Wasser übte er fortan auf Schaumstoffmatten. Täglich dehnt er Muskeln und Sehnen, mittlerweile beherrscht er Flickflack und Rückwärtssalto. Die Sportakrobatik fasziniert ihn: „Es ist dieser Adrenalin-Kick. Beim Schwimmen war ich nur nervös, aber jetzt spielt alles zusammen: Kopf, Beweglichkeit und das Team.“ Wenn eine Sache nicht funktioniert, rückt der Sieg in weite Ferne.

Geschwister halten fest zusammen

Und dann ist da noch das Vorurteil, Akrobatik sei eher etwas für Mädchen. Völliger Quatsch, meint Sebastian, und er muss es schließlich wissen: „Nach einem Auftritt von uns gehen die Kinnladen bei den Zuschauern ganz schön herunter. Der Respekt ist riesig.“ Sehr kraftvoll sieht es aus, wenn die jungen Männer Kraft, Tanz und Turnen verschmelzen.

Einer seiner größten Fans ist sein Bruder. Richard ist drei Jahre jünger und versucht, keinen Wettkampf von Sebastian zu verpassen. „An meinem Bruder gefällt mir, wie viel Biss er für seinen Sport hat und dass er sich auf den Punkt konzentrieren kann“, sagt er. Derweil ist Richard selbst ein großes Sporttalent. Wie einst sein Bruder, hat er sich für das Schwimmen entschieden, besucht zudem das Sportgymnasium und hat schon einige Vereinsrekorde aufgestellt. „Am liebsten schwimme ich im Schmetterlings-Stil“, erzählt er stolz.

Sein Plan ist ähnlich durchstrukturiert: Meist trainiert er fünfmal pro Woche. Zu einer Einheit gehören eine Stunde Athletik und zwei Stunden im Wasser. „Ich bin nicht der Größte, also muss ich eine höhere Frequenz als andere schwimmen und an der Wende sehr flink sein.“ Ende Juni hat Richard sich für einen internationalen Wettkampf in Österreich qualifiziert.

Die größte Herausforderung steht ihm aber erst noch bevor. Am Ende des Schuljahres stehen die Leistungstests an. Um eine halbe Sekunde muss er sich noch verbessern, dann bleibt er definitiv in der Talentförderung des Sportgymnasiums drin. Es ist ein Kampf gegen die Uhr. Aber es ist auch ein Kampf um das, was er liebt und was ihm so viel Spaß bereitet. Sein großer Bruder, Sportakrobat Sebastian, hält fest zu ihm: „Richard ist mental so stark. Er schwimmt seine beste Zeit immer dann, wenn es darauf ankommt.“

Sebastian Grohmann und sein Team bei einem Wettkampf: http://bit.ly/UgJFZF (You-Tube-Video)