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Herrnhuts hängende Baustelle

Fußboden, Heizung, Orgel werden im Kirchensaal erneuert - und Dinge, die man heute kaum dem Namen nach kennt. Dafür gibt's Geld und extravagante Methoden.

Richtfest Schwesternempore Herrnhuter Kirchensaal.
Richtfest Schwesternempore Herrnhuter Kirchensaal. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Eine abenteuerliche Konstruktion ist nötig, um das Gerüst für die Bauarbeiten im Herrnhuter Kirchensaal voranzutreiben: "Das Gerüst steht nicht auf dem Fußboden, es hängt an einer auf dem Dachboden errichteten Stahlkonstruktion", erklärt Angelika Doliv, Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer des Herrnhuter Kirchensaals. Nun, da in den vergangenen Monaten buchstäblich der Boden für die umfassende Sanierung gelegt ist, geht es um den Neubau von zwei Dingen, die nach dem großen Stadt- und Kirchenbrand zum Kriegsende nicht mehr gebaut worden waren und damit jahrzehntelang fehlten: die Schwesternempore und die Lamperie. Aber was genau ist das eigentlich?

Schwesternempore und Lamperie gehörten zum historischen Aussehen des Herrnhuter Kirchensaals unbedingt dazu. Und weil in Herrnhut das Original steht, nach dem sich über Jahrhunderte so viele Kirchen der Brüdergemeine in Bau und Einrichtung orientiert haben, ist es unumgänglich, bei einer Sanierung diesen Ursprungszustand wieder herzustellen. Mit der Lamperie ist eine typische umlaufende Holzverkleidung an den Wänden gemeint, erklärt Frau Doliv. Die Schwesternempore lag früher gegenüber der Orgelempore und wurde beim Wiederaufbau einfach weggelassen.

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Besondere Funktionen hatte diese Schwesternempore früher wohl nicht. "Wichtig war den Herrnhuter jedoch schon immer eine gewisse Symmetrie. Sie sollte auf die Gleichberechtigung von Brüdern und Schwestern in der Gemeinde hindeuten", sagt Angelika Doliv. Deshalb entstand die Schwesternempore als Pendant zur Brüderempore, auf der die Orgel untergebracht ist. Eingerichtet wird sie samt der beiden Logen im Stil des Herrnhuter Barock. Aber wozu das Ganze - sind die Logen mehr als nur Zierde? "Ja, in einer Loge werden wir wahrscheinlich Technik unterbringen, in der anderen können wir uns vorstellen, einen Raum der Besinnung einzurichten", skizziert Frau Doliv. Vorteilhaft sollten sich die historischen Einbauten zudem auf die Akustik im Saal auswirken - erst recht, wenn die runderneuerte und erweiterte Orgel wieder an ihrem Platz ist.

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Mit Lamperie und Empore werden dann auch Wände und Fenster bearbeitet. Geld für die Sanierung wird nach wie vor zum Großteil aus Spenden und auch Fördergeldern finanziert. Da war es ein schöner Zufall, dass just wenige Tage nach dem  bestätigten Bund und Land im Rahmen des Denkmalpflegeprogramms "National wertvolle Denkmale" eine Förderung von zusammen 360.000 Euro für die weiteren Arbeiten. Sie sollen für viele historische Details - von Türen über die acht Kronleuchter bis zu Säulen unter der Empore - verwendet werden, erklärt Gemeinde-Vorsteherin Andrea Kretschmar. Sie freut sich zudem nicht nur über die bereits dritte Zusagen von Bund und Land aus diesem Denkmalprogramm, sondern auch über Gelder, die von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien sowie weiterer Spender jetzt zugesagt worden sind: Diese Mittel werden vor allem in die Erneuerung der Schwesternempore fließen.

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