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Reicht das Wasser im Osterzgebirge?

Die Wasserspeicher haben sich sichtbar geleert. Was das fürs kommende Jahr bedeutet.

Von Anja Ehrhartsmann
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Die Talsperre Lehnmühle hat wenig Wasser. Aus der Luft ist die Brücke der ehemaligen Ortschaft Steinbrückmühle wieder sichtbar.
Die Talsperre Lehnmühle hat wenig Wasser. Aus der Luft ist die Brücke der ehemaligen Ortschaft Steinbrückmühle wieder sichtbar. © Egbert Kamprath

Zumindest gefühlt hat es 2019 mehr geregnet als im Vorjahr. Ob das Jahr aber wirklich mehr Niederschlag brachte, wie es ums Grundwasser steht und wie die Talsperren gefüllt waren, zeigt eine Übersicht von Sächsische.de. 

Die Trinkwassertalsperren Klingenberg und Lehnmühle werden von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) im Verbund betrieben und versorgen unter anderem die Städte Freital, Dippoldiswalde, Teile von Dresden und die Gemeinde Klingenberg. Das Staubecken in Klingenberg ist derzeit mit 10,708 Millionen Kubikmeter Wasser gefüllt. Gemessen am Stauziel, das die LTV für die Trinkwasserversorgung vorsieht, sind das etwa 75 Prozent. Die Talsperre Lehnmühle hält 5,256 Millionen Kubikmeter vor und ist damit deutlich leerer. Nur 35 Prozent des Stauziels werden hier erreicht. Im Wasserspeicher in Altenberg sind derzeit 888.000 Kubikmeter Wasser, das Stauziel ist nahezu erfüllt. "Die derzeitigen Füllstände der Trinkwassertalsperren liegen grundsätzlich im Normalbereich", sagt Katrin Schöne von der LTV. 

Die Grundwasserstände sind dagegen seit 2018 auf niedrigem Niveau und im Vergleich zum Vorjahr weiter gefallen, so Karin Bernhardt vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. "Derzeit befinden sich die Grundwasserstände im Durchschnitt circa 60 Zentimeter unter den für Dezember typischen Werten." Zum Ende des Berechnungszeitraums am 31. Oktober – im Fachjargon als Abflussjahr bezeichnet – seien sinkende Grundwasserstände typisch, da die Pflanzen viel Wasser aufsaugen. Im Vergleich zum Stand Ende Oktober 2018 seien die Grundwasserstände innerhalb von zwölf Monaten um weitere zehn Zentimeter gefallen. 

Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes fallen in Sachsen im langjährigen Mittel etwa 693 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr. 2018 wurden 480 Liter pro Quadratmeter gemessen, was 69 Prozent des Mittelwertes entspricht. 2019 fiel das Defizit nicht ganz so groß aus. Es werden 557 Liter Niederschlag pro Quadratmeter verzeichnet (Stand 18.12.19), was einem Minus von 20 Prozent entspricht.

Obwohl es mehr Niederschläge gab als 2018,  hat sich nennenswert kein neues Grundwasser gebildet, denn wegen der Hitze ist viel Wasser verdunstet, erklärt Karin Bernhardt.

Der Niederschlag wird in Liter pro Quadratmeter angegeben.
Der Niederschlag wird in Liter pro Quadratmeter angegeben. © Diagramm: Datenquelle DWD, Darstellung LTV

Wie waren die Trinkwasserspeicher über das Jahr gefüllt?

Die monatelang anhaltende Trockenperiode 2018 mit wenig bis sehr wenig Niederschlag wurde im Dezember 2018 beendet. Der Winter 2019 brachte laut LTV viel Niederschlag, teils als Schnee. "Vor allem in den Gebirgsregionen, in denen die Trinkwassertalsperren liegen, bildete sich eine Schneedecke aus", so Katrin Schöne. Die großen Wasservorräte in der Schneedecke schmolzen im Februar und März, die teilweise weit abgesenkten Stauräume der Wasserspeicher füllten sich wieder. An allen Trinkwassertalsperren war im März beziehungsweise April das Stauziel wieder erreicht. 

Ab April war es dann überdurchschnittlich warm und von April bis August trocken bis sehr trocken, vergleichbar mit November und Dezember (Stand 18.12.19). Die Zuflüsse zu den Trinkwassertalsperren seien ab Mai deutlich zurückgegangen, so Katrin Schöne. "In den Monaten Juli bis September waren ähnlich geringe Zuflüsse zu beobachten wie in der Trockenperiode 2018." In der Folge sanken die Talsperrenpegel stetig, aber nicht so deutlich wie im Jahr 2018. Die Füllstände der Talsperren liegen derzeit auf dem Jahresminimum. Bei anhaltender Trockenheit werden die Staubecken sich noch weiter leeren. 

Das Rohwasser habe laut LTV das ganze Jahr über ohne Einschränkungen an die Wasserwerke zur Trinkwasseraufbereitung abgegeben werden können.

Das Minimum der Füllstände in den Trinkwasser-Talsperren im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in
der Trockenperiode 2018 und im Jahr 2019 zum Vergleich.
Das Minimum der Füllstände in den Trinkwasser-Talsperren im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in der Trockenperiode 2018 und im Jahr 2019 zum Vergleich. © Tabelle: LTV

"Die Lage war etwas besser als 2018", sagt Kartin Schöne. "Grund war, dass es in den Einzugsgebieten der Trinkwassertalsperren etwas mehr Niederschläge gab und dadurch auch die Zuflüsse in den Talsperren etwas höher waren. Deshalb ist im Moment noch deutlich mehr Wasser in den Trinkwassertalsperren als im vergangenen Jahr zum gleichen Zeitpunkt." Nicht ganz normal seien 2019 allerdings die fehlenden Niederschläge im vierten Quartal. "Aus fachlicher Sicht kann man von einer ausgeprägten Trockenheit sprechen."

Das Diagramm vergleicht die Füllstände des Talsperrensystems Lehnmühle-Klingenberg, bezogen auf das Stauziel
für die Jahre 2018 und 2019.
Das Diagramm vergleicht die Füllstände des Talsperrensystems Lehnmühle-Klingenberg, bezogen auf das Stauziel für die Jahre 2018 und 2019. © Diagramm: LTV

Das Talsperrensystem Lehnmühle/Klingenberg kann über ein weit verzweigtes Netz mit anderen Talsperren verbunden werden. Wie sich die Füllstände der Trinkwassertalsperren entwickeln, ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Dazu gehören unter anderem Niederschläge, Zuflüsse, Verdunstung, Temperatur und der Verbrauch der Trinkwasserkunden. Verlässliche Wetterprognosen liegen der LTV jeweils für etwa zwei bis vier Wochen vor, danach nimmt die Zuverlässigkeit der Prognosen deutlich ab. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es deshalb nicht möglich, fundierte Aussagen für das Jahr 2020 zu machen", erklärt Katrin Schöne. Ausgehend vom derzeitigen Stand seien für das erste Quartal aber keine Einschränkungen zu erwarten, was die Bereitstellung des Rohwassers betrifft. Jedoch könne dies heute für den weiteren Jahresverlauf 2020 nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Sicher ist aber, wird 2020 wieder so trocken, fallen die Grundwasserstände weiter. Aussagen zum künftigen hydrologischen Großgeschehen zu machen, sei allerdings sehr schwierig, so Karin Bernhardt.

"Aus wasserwirtschaftlicher Sicht wäre es günstig, wenn – ähnlich wie im vergangenen Jahr – in den kommenden drei bis vier Monaten die Summe des Monatsniederschlages jeweils möglichst 150 bis 200 Prozent des langjährigen Mittelwertes betragen würde", sagt Katrin Schöne. "Das würde dazu führen, dass die Talsperren wieder gut gefüllt wären."

Auch im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie wäre nasses, regnerisches Wetter gerne gesehen. Das hätte zur Folge, dass sich neues Grundwasser bildet.

Vergangenen Winter lag an der Talsperre Lehnmühle Schnee. Die anschließende Schmelze hat die Wasserspeicher im Osterzgebirge im Frühjahr wieder gefüllt.
Vergangenen Winter lag an der Talsperre Lehnmühle Schnee. Die anschließende Schmelze hat die Wasserspeicher im Osterzgebirge im Frühjahr wieder gefüllt. © Archivfoto: Frank Baldauf