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Wer jetzt fürs Schulessen sorgt

Der bisherige Betreiber der Küche im Görlitzer Berufsschulzentrum hat aufgehört. Die neuen Pächter kennen sich mit Schüleressen schon lange aus.

Judith Geißler und ihren Mann kennt man von der Rathauskantine. Jetzt führen sie auch die BSZ-Küche.
Judith Geißler und ihren Mann kennt man von der Rathauskantine. Jetzt führen sie auch die BSZ-Küche. © Nikolai Schmidt

Judith und André Geißler haben die härtesten Kritiker zu Hause: Ihre Kinder besuchen Kitas oder Schulen, für die das Ehepaar Geißler kocht. Deshalb wissen die beiden immer, was geschmeckt hat – und welches Mittagessen in der Schule oder im Kindergarten eher nicht so beliebt war.

Seit zehn Jahren betreiben Geißlers in Görlitz die Rathauskantine an der Brüderstraße. Dort kochen sie nicht nur für Gäste vor Ort, sondern auch für mehrere Kindergärten in der Stadt. Nun haben sie außerdem die Küche im Beruflichen Schulzentrum in der Südstadt übernommen. Die führte bislang Günther Opiela – den man wiederum aus Rothenburg kennt.

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Bisheriger Betreiber hörte in Corona-Zeit auf

Über 30 Jahre hatte Opiela dort für viele soziale Einrichtungen, Betriebe, Schulen, Kitas in der Region gekocht. Vor zwei Jahren zog er mit seinem Unternehmen nach Görlitz um, in die BSZ-Küche, wo er für das Mittagessen der Berufsschüler und die Verpflegung anderer Einrichtungen sorgte. In der Corona-Zeit, hatte er kürzlich der SZ erzählt, waren aber die Schulspeisungen fast gegen Null gegangen. Auch wenn es nun wieder anläuft – Günther Opiela hat sich entschieden, die BSZ-Küche abzugeben. Schon, als er sie übernommen hatte, war er eigentlich bereits im Ruhestandsalter.

Die großen Kessel, die Kombidampfer, die Kippbratpfannen – die Einrichtung der BSZ-Küche haben Judith und André Geißler von ihm übernommen. Zum Teil auch seine Mitarbeiter. Sie und Geißlers kochen nun für die Mensa im Berufsschulzentrum, beide Görlitzer Gymnasien, die Melanchthon-Schule, die Dietrich-Heise-Schule und die Grundschule Weinhübel. „Es sind um die tausend Portionen pro Tag“, sagt André Geißler.

Drei Küchen bedeuten frühen Arbeitsstart

Am Tagesablauf hat sich dadurch nicht viel geändert: Spätestens fünf Uhr beginnt der Arbeitstag. „Wir haben ja auch bisher schon für Kindereinrichtungen gekocht“, sagt Geißler. Die Kitas, die sie bislang versorgt haben, werden sie auch weiter beliefern und die Rathauskantine weiterführen. Ebenso die Küche in der Kita Spatzennest, die Geißlers seit etwa fünf Jahren betreiben. Das Konzept aus Rathauskantine und Spatzennest haben sie nun mit in die BSZ-Küche genommen.

„Bei uns wird alles frisch gekocht“, so André Geißler. Die Kartoffeln kommen aus Markersdorf, die Eier aus Lodenau, Mehl aus Rennersdorf, Fleisch aus Dürrröhrsdorf. „Soweit machbar, stammen die Zutaten aus der Region“. Mit einer Ausnahme: Pommes. „Bei manchen Gerichten hat man eine ganz bestimmte Geschmackserwartung“, erzählt André Geißler, „und die ist bei Pommes sehr ausgeprägt.“ Diesen Geschmack aus regionalen Kartoffeln hinzubekommen – ist bislang nicht geglückt. „Wir haben es wirklich probiert. Unsere Kinder mussten öfter den Verkoster spielen“, erzählt Judith Geißler.

Früher führten Geißlers ein Altstadtrestaurant

Sie kennt das BSZ von früher, hat hier ihre Ausbildung zur Kaufmännischen Assistentin gemacht. Später arbeitete sie im Görlitzer Fass auf dem Marienplatz. „Dort habe ich auch meinen Mann kennengelernt.“ André Geißler kommt beruflich aus dem Tourismus, ging direkt nach dem Studium aber in die Gastronomie. „Es war damals ein fließender Übergang“, erzählt er. Mehrere Jahre führte das Paar das Restaurant Jacobis Färbe an der Neißstraße.

Bis im Amtsblatt ein Pächter für die Rathauskantine gesucht wurde. „Wir dachten, das wäre ein gutes zweites Standbein“, erzählt André Geißler. Das dann zum Hauptstandbein wurde. Jakobis Färbe hatten zunächst andere Betreiber übernommen, dann zog das Barbecue in die Räume.

Durch Zufall hörten Geißlers, dass Günther Opiela im BSZ aufhören will. Ganz ungelegen kam ihnen das nicht. Der Platz in der Küche an der Brüderstraße war etwas eng geworden. Dennoch, ausgerechnet in Corona-Zeiten eine Schulküche übernehmen? Wie schwer es damit während des Lockdowns war, wissen sie aus eigener Erfahrung. Auch sie hatten lange Pause. „Andererseits, vielleicht ist es genau richtig, in einer solchen Krisenzeit den Schritt zu wagen“, sagt André Geißler. „Und ich muss auch sagen: Eine solche Möglichkeit kommt so schnell sicher nicht wieder.“

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