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Buddeln nach einer Plastik

Stadtrat Dietrich Thiele will den Adler wiederfinden, der bis 1960 ein Soldaten-Denkmal an der Zittauer Bauschule schmückte.

Von Robert Reuther

Wenn Stadtrat Dietrich Thiele an der ehemaligen Bauschule in Zittau vorbeiläuft, dann ist er jedes Mal bedrückt. Dort steht der Rest eines 1921 errichteten Denkmals, das an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Königlich-Sächsischen Infanterie-Regiments 102 erinnert. „Es tut mir einfach weh, wenn ich sehe, wie verwahrlost es mittlerweile dort ist.“ Geht es nach Thiele, dann ändert sich das schnellstmöglich. Er will das Denkmal wiederherrichten lassen. Das ist allerdings nicht so einfach. Denn es fehlt ein entscheidender Bestandteil: Ein großer Adler aus Granit. Der thronte auf dem Sockel.

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Im Frühjahr 1960 wurde er entfernt, weil er nicht in das Bild des Sozialismus gepasst habe. Nach Informationen von Dietrich Thiele wurde der 120 Zentimeter hohe, 90 Zentimeter breite und 600 Kilogramm schwere Steinvogel auf das Gelände des alten Holzhofes an der Görlitzer Straße gebracht und dort verbuddelt. In der vergangenen Woche rückte dort für eineinhalb Stunden ein Bagger an und durchgrub das Erdreich auf der Suche nach dem verschollenen Adler. „Ich bin frohen Mutes, dass wir den Blickfang des Denkmals wiederfinden“, sagt Dietrich Thiele. Eine Sorge hat er dennoch: Die Frage der Finanzierung. Das sei auch der Grund gewesen, warum am Montag nur so kurz gegraben worden ist. Zwar habe Thiele eine Genehmigung von Bürgermeisterin Ursula Guder erhalten, allerdings komme Oberbürgermeister Arnd Voigt erst heute aus dem Urlaub zurück. „Die hundertprozentige Zustimmung stand also noch aus. Es gibt derzeit noch einige Sachen zu klären.“

Billig ist das Unternehmen nicht. Für die Miete eines Baggers muss man pro Tag mit rund 160Euro rechnen. Hinzu kommen Transport- und Reinigungskosten, sodass letztlich fast 300Euro Miete zu zahlen sind. Ohnehin ist die Sache mit einem Tag nicht erledigt. Ob der Adler am Ende also gefunden wird, ist fraglich. „Sicher kann man natürlich nicht sein, aber ich habe große Hoffnung“, sagt Dietrich Thiele. Ihm gehe es vor allem darum, dass die Stadt noch schöner und liebenswerter werde. Dazu gehören auch solche kleinen Denkmäler. „Außerdem denke ich, dass man an die gefallenen Soldaten aus Zittau erinnern sollte.“