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Budissas Talentesucher

Berndt Stanzel hat viele Kinder für den Bautzener Fußball begeistert. Davon profitiert nicht nur sein eigener Verein.

Von Stefan Schramm

Leichter Nieselregen kann Berndt Stanzel nichts anhaben. Mit seiner blauen Budissa-Trainingsjacke stand der sportliche 64-Jährige bei jedem Wetter auf dem Fußballplatz, um Kinder im Vor- und Grundschulalter für Sport zu begeistern. Doch künftig wird er dort seltener anzutreffen sein. Nach rund 20 Jahren neigt sich seine Zeit als Fußball-Nachwuchstrainer bei der FSV Budissa Bautzen dem Ende entgegen.

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Auch wenn seine Leidenschaft für den Fußball noch älter ist, hat seine Karriere als Junioren-Coach schon 1993 begonnen. Sein Sohn Falk, heute 34 Jahre alt und Landesklasse-Spieler beim SV Großpostwitz-Kirschau, war damals in der C-Jugend-Elf der Bautzener aktiv. „Dem damaligen Trainer Frank Holubec habe ich meine Hilfe angeboten“, erinnert sich Stanzel, der dann als Übungsleiter assistierte. Als Holubec beruflich bedingt eine Trainerschulung verpasste, sprang sein Co Berndt Stanzel ein.

„Die Weiterbildung fand ich richtig toll. Das war für mich die Initialzündung“, sagt er rückblickend über den Lehrgang im alten Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion, wo ihn Videos und praktische Vorführungen fasziniert hatten. Daraufhin packte ihn das Fußballtrainer-Fieber. Stanzel machte bald danach den Trainerschein. Und 1995 übernahm er als Cheftrainer die damalige F-Jugend-Mannschaft von Budissa Bautzen, bestehend aus siebenjährigen Steppkes. Getreu dem Grundsatz „Was Hänschen nicht lernt ...“ führte er sie an den Sport heran, ließ viel mit dem Ball trainieren, machte Staffelwettkämpfe, gepaart mit vielen Spielformen. „Nur langweilig darf es für die Kinder nicht sein“, weiß Stanzel.

Auch ihm sollte so schnell nicht mehr langweilig werden. Denn 1997 wurde er Koordinator des DFB-Projekts „Schule und Verein“ bei Budissa. Und nicht nur ehrenamtlich, sondern fest angestellt. Damit war er hauptberuflich für die Zusammenarbeit des Vereins mit den Grundschulen in der Stadt verantwortlich, für die er Fußball-Arbeitsgemeinschaften organisierte. Zuvor hatte er seit 1987 als Leiter des Jugendclubs an der Max-Planck-Straße gearbeitet, wo er 1992 die Freizeitfußballtruppe FFC Gesundbrunnen mitgründete, in der er sonntags spielte. Und auch in seinem neuen Job drehte sich alles um den Nachwuchs.

Im Jahr 1998 hatte der damalige Budissa-Präsident und jetzige Kreissportbund-Vorstand Dietmar Stange die Idee, das Angebot auch auf die Kindergärten auszuweiten. Berndt Stanzels typischer Tagesplan sah fortan für morgens ein Training in einer der etwa zehn beteiligten Kitas vor. Gegen Mittag ging es mit einer Fußball-AG in einer Bautzener Grundschule weiter. Und nachmittags setzte er das Engagement im Budissa-Nachwuchszentrum am Humboldthain fort, wo er meist für drei Mannschaften im G- und F-Jugend-Bereich die Verantwortung trug. Ein durchaus straffes Programm. „Mich hat das nicht gestört“, sagt Stanzels Frau Iris. Während seiner Bautzener Zeit hospitierte er drei Jahre lang nebenbei an mehreren Tagen pro Woche in seiner alten Heimatstadt Dresden bei Dynamo, trainierte auch da eine Nachwuchsmannschaft. „Dort habe ich viel gelernt“, berichtet Berndt Stanzel.

Ziel des Projekts „Schule und Verein“ ist eine sportliche Grundausbildung für die Gesunderhaltung der Kinder, aber auch so viele Talente wie möglich zu Budissa zu lotsen. „Pro Saison waren es 16, 17 Spieler“, schätzt Berndt Stanzel. Zu seinen Schützlingen gehörten Franz Pfanne von Drittligist Dynamo Dresden, Marc Böttger aus Bautzens Regionalliga-Elf und viele weitere Akteure, die heute bei teils höherklassigen Vereinen aus der Region aktiv sind.

Aber er spielte auch mit Fußballbegeisterten aus der Bautzener Förderschule für geistig Behinderte, die sich nicht einem Verein anschließen konnten. „Sie waren sehr dankbar dafür“, denkt Stanzel gern an diese Zeit zurück. Am schönsten sei für ihn gewesen, die Fortschritte zu sehen. „Aus absoluten Anfängern entstehen innerhalb von nur zwei Jahren so richtige Fußballexperten“, hat er vielfach beobachtet.

Seinen Job als Talentesucher bei Budissa hat er Nachfolgern übergeben. Nun ist er Rentner und lässt seine Laufbahn als E2-Jugend-Trainer ausklingen. In seinem Garten steht ein kleines Fußballtor für seinen zweijährigen Enkel Camillo, über den sich Berndt Stanzel freut: „Der ist ein kleiner Wirbelwind und schießt schon gut drauf.“ Kein Wunder – bei dem Lehrmeister.

Wer die gemeinsame Spendenaktion von Budissa und der SZ für den Nachwuchs des Vereins unterstützen will, überweist einen Betrag seiner Wahl unter Angabe des Kennwortes „Regio-Kids“ auf eines der folgenden Konten: Kreissparkasse Bautzen,

IBAN: DE46 8555 0000 1000 084236, BIC: SOLADES1BAT

oder Volksbank Bautzen,

IBAN: DE25 8559 0000 0301 086300, BIC: GENODEF1BZV