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Bücher aus Görlitz in aller Welt

Auffällig Vieles aus dem Verlag von Gunter Oettel findet sich in internationalen Bibliotheken.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

Erst war der Verleger Gunter Oettel nur überrascht. Doch dann fing er an, gezielt zu recherchieren, zu stöbern und sich in die Onlinekataloge bedeutender internationaler Bibliotheken zu vertiefen, und freute sich sehr. „Es ging mir runter wie Öl“, sagt er. Denn eine ganze Reihe der historischen und kunstwissenschaftlichen Bücher, die er verlegt hat, lassen sich zum Beispiel in den Bibliotheken der Havard-Universität in Cambridge oder der Sorbonne in Paris finden. Genauso in der Kongressbibliothek in Washington D. C. und der British Library in London, den beiden größten Forschungsbibliotheken der Welt. Besonders stolz kann Gunter Oettel aber darauf sein, dass man in der Bibliothek des New Yorker Metropolitan-Museums fast 20 Titel seines Verlages findet. Darunter das Buch des Gemälderestaurators Christoph Stölzel „Gemäldegalerie Dresden“, das Gunter Oettel besonders viel bedeutet. Denn es widmet sich unter anderem der historischen Restaurierung der „Sixtinischen Madonna“ von Raffael, des „Zinsgroschens“ von Tizian und des Doppelbildnisses „Rembrandt und Saskia im Gleichnis vom verlorenen Sohn“ von Rembrandt. „Daran kommt man nicht vorbei, wenn man sich für die Alten Meister interessiert“, sagt Gunter Oettel. Dass dieses Interesse bis nach Amerika reicht, findet der Verleger großartig und sagt: „Es wäre schön, wenn die deutschen Bibliotheken auch so zuschlagen würden.“

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Wie es dazu kommt, dass Oettels Bücher in diesen Bibliotheken zu finden sind, erklärt er sich mit dem offensichtlich großen Interesse Amerikas am Europäischen Buchmarkt und natürlich auch der Finanzkraft etwa von Bibliotheken privater Universitäten. In Deutschland gibt es Verlage wie den Wiesbadener Harrassowitz-Verlag, die eng mit internationalen Bibliotheken zusammenarbeiten und auch die Bücher anderer Verlage ins Ausland vertreiben. Für Gunter Oettel ist Harrassowitz ein wichtiger Partner.

Aber auch die regionalen Verlage Lusatia und Domowina, der Görlitzer Senfkornverlag von Alfred Theisen oder Detlef Krells Neisse-Verlag, der vor einigen Jahren von Görlitz nach Dresden gezogen ist, sind in der Havard-Bibliothek, der British Library und der Kongressbibliothek vertreten. „Das ist natürlich toll“, sagt Alfred Theisen. Er verfolge zwar nicht, in welchen Bibliotheken seine Bücher landen, aber zu hören, dass auch anderswo Interesse an der Region besteht, sei höchst erfreulich.

Und es geht noch weiter. Macht man sich einmal die Mühe, in diesen bedeutenden Bibliotheken nach Publikationen über Görlitz ganz allgemein zu suchen, wird man nicht nur ein bisschen fündig. Ein Havard-Student etwa kann sich in seiner Bibliothek umfassend über Görlitz informieren. Fast 500 sowohl aktuelle als auch ältere Veröffentlichungen gibt es dort: zur Görlitzer Geschichte, seinen Museen, Denkmälern, Kirchen, Friedhöfen, Persönlichkeiten, Betrieben und Vereinen. Noch mehr Görlitzbücher finden sich in der British Library in London. In der Washingtoner Kongressbibliothek sind es zwar „nur“ rund 300, in der Menge vergleichbar mit dem Bestand der Görlitzliteratur der Berliner Humboldt-Universität. Doch erstaunlich ist, was da in den Regalen steht: etwa ein Werk über die Geschichte der Görlitzer Arbeiterbewegung, der Protokollband eines Johannes-Wüsten-Symposiums von 1976 oder die Statuten des Hühnerologischen Vereins von 1854.

Karin Stichel von der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften (OLB) erklärt diese relativ großen Bestände genau wie Gunter Oettel damit, dass es in den USA ein großes Interesse am „alten“ Europa und eine Menge „Germanophiler“ gebe. Dass speziell Görlitz so gut vertreten ist, habe durchaus mit Kontakten zur OLB zu tun. Das Bild der historischen Bibliothek sei weltweit bekannt, sodass sie von buchinteressierten Europabesuchern genau wie die historische Bibliothek in Weimar oft gezielt aufgesucht werde. Vor Jahren sei mal ein amerikanischer Konsul in Görlitz gewesen, dem die OLB bereitwillig Doubletten mancher Veröffentlichungen überlassen habe. Diese Bücher finden sich jetzt in der Kongressbibliothek in Washington wieder. „Genauso finden mit Bibliotheksvereinen anderer Länder solche Austausche statt“, sagt Karin Stichel.

Doch auch wenn man weltweit Görlitzliteratur findet und immer wieder neue Publikationen aus Görlitz in wichtigen Bibliotheken landen: Wirtschaftlich wirken sich die Verkäufe ins Ausland für Verleger wie Gunter Oettel nicht gravierend aus. Das Porto ist teuer, und massenweise werden die Bücher auch nicht bestellt. „Aber helfen kann das Interesse aus dem Ausland trotzdem“, sagt er, „wenn zum Beispiel Fördergeldgeber sehen, dass die von ihnen unterstützten Publikationen auch international Anklang finden.“