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Die Bücher in der Haltestelle

Die Nentmannsdorfer haben eine Luxus-Haltestelle. Aus der machen zwei Frauen jetzt noch mehr.

Alle Hände voll: Romy Schrön (l.), ihre Enkelin Lea und Rica Handrick fangen schon mal an, die Haltestelle einzuräumen.
Alle Hände voll: Romy Schrön (l.), ihre Enkelin Lea und Rica Handrick fangen schon mal an, die Haltestelle einzuräumen. © Egbert Kamprath

Eine Haltestelle, vier Seiten gemauert, mit Tür, Fenstern und zwei Bänken: Das hat nicht jeder. Nentmannsdorf hat so eine Luxus-Haltestelle. Schon seit Langem. Irgendwann wurde sie innerhalb der 48 -Stunden-Aktion des Jugendrings innen bunt angemalt. Nun wird sie sogar zur Bibliothek und beschert Romy Schrön eine neue Aufgabe. 

Die Idee dazu kamen ihr und Rica Handrick bei einer der jährlichen Radtouren der beiden Familien. In Deutschland und Österreich sahen sie viele Haltestellen und Telefonhäuschen,  die zu Bücherstationen gemacht wurden. Wieder zu Hause in Nentmannsdorf hatten Rica Handrick und Romy Schrön zwei Haltestellen zur Auswahl. Beide haben, wie das so ist, ihre Vor- und Nachteile. Die Entscheidung fiel schließlich auf die am Buswendeplatz. Ein Vorteil: Hier können die Leute auch von anderswo herkommen und gut parken. "Montags fahren die Senioren mit dem Bus zum Sport nach Gersdorf, da können sie auf dem Rückweg auch mal reinschauen", sagt Romy Schrön.

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Zerfleddert und nicht ganz jugendfrei

Bei Romy Schrön zu Hause stapeln sich seit Wochen die Bücher. 18 große Kisten hat sie inzwischen nach Genres sortiert. Einige Bücher musste sie wegwerfen. Weil sie wie "Fix und Foxi" zerrissen oder unansehnlich waren oder weil sie nicht ganz jugendfrei waren. "Da die Haltestelle rund um die Uhr offen für jeden ist, haben solche Bücher hier nichts zu suchen." Dafür gibt es ganz viele Krimis, Abenteuergeschichten, Ratschlagbücher und Reiseliteratur. Die "schönen alten Kinderbücher" haben es Romy Schrön besonders angetan. Deren Titel hat sie sofort parat: "Das Bärchen", "Das Schulgespenst" und "Pitt und Patt" zum Beispiel.  

Die Einladung zum Bücher bringen und zur Eröffnung der Buchhaltestelle am Sonntag.
Die Einladung zum Bücher bringen und zur Eröffnung der Buchhaltestelle am Sonntag. © Egbert Kamprath

Fürs erste werden am Sonntag zur Eröffnung die zwei Regale in der Haltestelle gefüllt. Die hat Capron Neustadt zur Verfügung gestellt, zwei weitere für unter den Fenstern sollen noch folgen. Erik Seidel, der Vater eines Kindes aus dem Kindergarten, den Rica Handrick leitet, hat die unbemalten Wände geweißt. Am Sonntag wird zur Eröffnung über dem Häuschen noch ein Schild "Buchhaltestelle" angebracht. Romy Schrön und Rico Handrick richten sie in Gedanken schon weiter ein. Ein Tischchen für Kinder mit Stühlen und ein Tisch für Erwachsene sollen sie komplettieren. "Es muss doch ein bisschen schön sein", sagen die beiden Frauen.

Nachschub erwünscht

Natürlich sind Rica Handrick und Romy Schrön auch Leseratten.  Rica Handrick hat gerade die Biographie von Michelle Obama gelesen, die nun auch in Umlauf kommt. Romy Schrön liest derzeit "Ich werde dich finden, mein Sohn".  Ihre Enkelin Lea hat auch schon zwei Bücher für sich gefunden. Es sind zwei aus der Zauberkätzchen-Reihe. "Oma, kann ich die ausleihen?" Oma schüttelt mit dem Kopf. Erst nach der Eröffnung. 

Wo gibt es noch besondere Orte zum Büchertauschen?

  • Pirna-Posta: Öffentlicher Bücherschrank, Niederposta 4.
  • Reinhardtsdorf-Schöna: Bücherkiste in der ehemaligen Bushaltestelle am Ehrenmal. 
  • Krippen: Mini-Bücherei in der Telefonzelle am Bächelweg.
  • Stolpen: Bücherschrank auf dem Stolpener Markt.
  • Liebstadt: Zwei Holzbuden vor der Schlossbrücke, in denen es neben Büchern auch Geschirr, Spielzeug und Ähnliches gibt. (Auswahl)

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Wer künftig in Nentmannsdorf ein Buch mitnimmt, muss nicht unbedingt eins ins Regal stellen. Aber es wäre wünschenswert, damit die Haltestelle nicht irgendwann leer ist. Doch die Gefahr besteht vorerst nicht wirklich. Romy Schrön hat zu Hause schon die Weihnachtsbücher aussortiert, die kommen dann in der Adventszeit in die Regale.

Wer der Haltestelle Bücher schenken will, soll sie nicht ins Häuschen legen, sondern zu Romy Schrön bringen. Sie will ein Auge drauf haben. "Ich werde hinterher sein", sagt sie. Mindestens alle drei Tage wird sie gucken gehen, ob alles in Ordnung und sauber ist. 

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