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Bücher statt Gameboys

Um die Lesefähigkeit von Kindern zu verbessern, hat das sächsische Sozialministerium ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. Gestern sind in Dresden die ersten Vorlesepaten geschult worden.

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Von Claudia Schade

„Mich hat unglücklich gemacht, dass die Kinder mehr mit Gameboys herumrennen, als Bücher zu lesen“, sagt eine Hortnerin. Eine Mutter möchte ihr hyperaktives Kind ans Lesen heranführen. Andere sind im Erziehungsurlaub, in Rente oder arbeitslos und suchen eine sinnvolle Beschäftigung. Was die insgesamt 24 Seminarteilnehmer verbindet, ist der Wunsch, Kindern vorzulesen. Wie sie das Lesen so gestalten können, dass die Zuhörer an ihren Lippen hängen, zeigten ihnen gestern zwei Referentinnen von der Stiftung Lesen.

Dabei wurde klar, dass Vorlesen mehr ist, als sich nur ein Buch und ein Kind zu schnappen und loszulegen. Von der Lesedauer über die Wahl des Ortes bis hin zur Auswahl des Buches und Inszenierung der Lesung bekamen die zukünftigen Vorlesepaten gestern ein Handwerkszeug vermittelt, mit dem sie Kinder für sich einnehmen können.

Und das ist bitter nötig. „Studien haben ergeben, dass 25 Prozent der Kindergartenkinder unter Sprachentwicklungsstörungen leiden“, sagt Referentin Sarah Ricker-s. „Zehn bis 15 Prozent der Lehrstellensuchenden finden keinen Platz oder müssen ihre Ausbildung abbrechen. Grund dafür sind sprachliche Mängel.“

Durch Vorlesen Wissen erweitern

Um die Lesefähigkeit von Kindern zu verbessern, hat das sächsische Sozialministerium in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen unter dem Titel „Leselust im Freistaat Sachsen“ ein bundesweit einmaliges Projekt gestartet. „Ist das erfolgreich, wird es auf andere Bundesländer übertragen“, sagt Referentin Susanne Jaedtke.

Schließlich sei Lesen nicht nur wichtig für die Sprachentwicklung, ergänzt Rickers. „Durch das Vorlesen erweitern Kinder ihr Wissen, schulen Phantasie, Konzentration und Urteilsfähigkeit und lernen, genau zu beobachten.“ Um das zu befördern, verschickt die Stiftung zurzeit Bücherkisten an alle Dresdner Grundschulen sowie an ausgewählte Kindergärten.

Nach dem Seminar wollen die Teilnehmer ihre Lesefreude auch ehrenamtlich anbieten. Ingeburg Brasack möchte einmal wöchentlich im Kindergarten „Blümchen“ vorlesen. „Kinder sollen entdecken, dass Vorlesen etwas ganz anderes ist.“ Sonhild Menzel, Lektorin für Kinder- und Jugendbücher in der Bibliothek im World Trade Center, freut sich unterdessen über die große Teilnehmerzahl in ihren Räumen. „In Dresden haben Vorlesepatenschaften noch nicht eine so große Tradition“, sagt sie. Sonhild Menzel hofft: „Wenn Kinder als Dreijährige lernen, dass Vorlesen etwas Schönes ist, dann werden sie auch leichter lesen lernen.“

Informationen 06131/288 90 20