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Büdchen-Betreiber im Aufwind

Kamenz kann stolz auf das Serviceangebot am Bahnhof sein. Das sucht seinesgleichen in der Region.

© Matthias Schumann

Von Ina Förster

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Kamenz. Oh, hier gibt es einen Laden? Mensch, da ist im letzten Jahr ja richtig was passiert hier!“ Solche Sätze hört Alexander Maschke öfters. Und ein bisschen ärgert ihn das Ganze dann trotz gut gemeinten Lobes sogar. Denn eigentlich hat das Kamenzer Büdchen im Bahnhof schon seit sieben Jahren geöffnet. Und eigentlich steht das draußen groß dran. Der 35-Jährige betreibt es gemeinsam mit seinem Lebenspartner Mario Lorenz. Seit Februar 2011 verkauft er hier von der Bockwurst über Kaffee, Süßigkeiten bis hin zur Zeitung alles, was ein Zug- oder Busreisender so braucht. Seit Anfang 2013 läuft außerdem der komplette Fahrschein-Service mit über die Bühne. Der VVO gab damals nämlich seine Mobilitätszentrale auf. Der Laden floriert. Und die beiden Geschäftsmänner sind guter Dinge.

Dennoch wissen immer noch nicht alle, dass es das Büdchen gibt. „Ich denke, die Stadt kann stolz auf unser Angebot sein“, meinen beide unisono. Ihre Bemühungen der letzten Jahre haben Früchte getragen. Kaum eine andere Stadt in der Nähe kann auf Ähnliches verweisen. Weder Radeberg, wo es nur einen kleinen Imbiss gibt. Noch Pulsnitz, wo es ganz zappenduster ist. Geschweige denn Königsbrück. „Wir haben klein angefangen, aber mittlerweile brauchen wir uns nicht vor den großen Serviceanbietern verstecken“, sagt Alexander Maschke.

Alles, was zum Beispiel eine Großstadt wie Dresden zu bieten hat, findet man hier auch. An einem liebevoll gestalteten Ticketschalter wird der Bahn- oder Busreisende bestens beraten. Etwa 20 Mal passiert das am Tag. Bis zu 100 Kunden kommen insgesamt. Kurz vor „um“ ist immer besonders viel los. Da platzt das Büdchen manchmal aus den Nähten. Mal sind es mehr, mal weniger, die in alle Welt verreisen wollen und Hilfe benötigen

. „Die Mobilität mit der Bahn hat allgemein zugenommen. Die Strecke nach Dresden ist besser ausgebaut. Der Fahrplan kommt den Kunden entgegen“, weiß Alexander Maschke. Und viele fahren mit der Bahn auf Arbeit, in die Schule oder zur Ausbildung. Manch einer, der die Tarifzone bis Gersdorf umgehen wollte, und morgens ab dem dortigen P & R-Platz fuhr, ist mittlerweile zurückgekehrt. „Wenn man am Gersdorfer Bahnhof steht und es gibt Änderungen im Zugverkehr, steht man meistens nicht nur sprichwörtlich im Regen. Man bekommt vor Ort keine aktuellen Infos. Wem das passiert, der orientiert sich wieder nach Kamenz um“, weiß Maschke.

Dass man seit Dezember an den Wochenenden nachts länger zwischen Dresden und Kamenz pendeln kann, freut hingegen viele. Besucher der Landeshauptstadt können Sonnabend und Sonntag bis 0.02 Uhr in Dresden bleiben. Dann fährt der letzte Zug gen Lessingstadt ab. Das ist ein Fortschritt. Und Hutbergbühnen- und Theaterbesucher kommen besser ab Kamenz weg: Freitag und Sonnabend verkehrt die letzte Bahn ab 22.55 Uhr. Dass die Städtebahn mittlerweile am Wochenende im Stundentakt Reisende befördert, ist ein Zugewinn. Und die Wünsche gehen weiter: Ein Halbstundentakt sollte drin sein, tönte es kürzlich.

Größerer Parkplatz kommt
„Vieles, was da versprochen wird, ist vielleicht nicht umsetzbar. Jedenfalls nicht so schnell. Aber dass es vorangeht mit unserer Bahnlinie, ist offensichtlich“, so Alexander Maschke. Vor allem ein größerer Parkplatz würde einiges entschärfen. „Ich bin mir sicher, dass noch viel mehr Menschen auf die Bahn umsteigen.“ Und der neue P & R-Platz soll kommen. Mit einhundert neuen Stellplätzen für die Reisenden. Nur wo er gebaut wird, ist noch nicht ganz klar.

Oft haben die Büdchen-Besitzer auch schon ihre Meinung zu Problemen im Nahverkehr öffentlich kundgetan. Oder gleich beim VVO angerufen, wenn ihnen Verbindungen unsinnig erschienen. Manchmal hat das sogar etwas gebracht. „Schön wäre es, wenn noch etwas mehr Respekt von den Kunden selbst käme“, wünschen sich beide. Manchmal müsse man da etwas schlucken. Von ihnen wird schließlich auch Kundenfreundlichkeit verlangt. „Alle beklagen die Servicewüste Deutschland. Aber andersherum ist es ebenfalls oft recht unschön!“