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Corona: Gestrandet auf Kuba

Silke und Martin Bühler aus Oberseifersdorf tourten durch Amerika. Das Ende ihres Traumurlaubs und die Rückreise werden sie wohl nie vergessen.

Von Jan Lange
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Das Coronavirus hat ihre Reisepläne durcheinander gebracht. Nun sind Silke und Martin Bühler wieder in Deutschland zurück und freiwillig in Quarantäne gegangen.
Das Coronavirus hat ihre Reisepläne durcheinander gebracht. Nun sind Silke und Martin Bühler wieder in Deutschland zurück und freiwillig in Quarantäne gegangen. ©  Rafael Sampedro

Das Visum abgelaufen, der Weiterflug gestrichen, im Hotel eingesperrt – so hatten sich Silke und Martin Bühler aus Oberseifersdorf ihre lange geplante Reise durch Amerika nicht vorgestellt. Die ist nun auch noch vorzeitig zu Ende - wegen der Corona-Pandemie.

Fünf Monate wollten sie unterwegs sein, zwei davon in Kuba und drei in Ecuador. "Alles selber organisiert", erzählt Silke Bühler. Am 29. Januar ging es los nach Kuba - zu diesem Zeitpunkt war von einer weltweiten Corona-Krise noch keine Rede. Anfangs haben sie auch nichts über das Virus gehört, da es dort, wo sie sich aufhielten, kaum Internet gab.

Schließlich berichteten auch die kubanischen Nachrichten vom Coronavirus. Auf der Karibikinsel selbst gab es fast keine Corona-Infizierten. Bei den ersten Fällen handelte es sich um Ausländer. Deshalb entschied Kubas Regierung auch, dass alle Ausländer in Havanna untergebracht werden. "Wir wollten unsere letzte Woche in Kuba sowieso in Havanna verbringen", erzählt Silke Bühler.

In einer kleinen Pension untergekommen

Während der Großteil der Ausländer in ein paar staatlichen Hotels untergebracht wurde, hatten die Bühlers Glück in einer kleinen Pension Unterschlupf zu finden. Eine Familie, die sie zuvor kennengelernt hatten, vermittelte ihnen diese Unterkunft. "Es war ein Zimmer zum Hinterhof. Zum Frühstücken mussten wir allerdings über die Straße zur Hauptcasa", berichtet die 48-jährige Oberseifersdorferin.

Das war anfangs kein Problem, sie konnten sich am ersten Tag noch frei bewegen. Doch dann verhängte Kubas Regierung ein Ausgehverbot für alle Ausländer. "Eine ältere Frau hat uns fotografiert, wie wir von unserer Casa in die Hauptcasa gehen. Um keinen Ärger zu bekommen, mussten wir in die Hauptcasa umziehen", erzählen die Bühlers. "Man fühlte sich wie eingesperrt, nur mit dem Blick in den Hinterhof", fügen sie hinzu.

Kuba auf Platz 21 bei Rückholaktion

So wie ihnen ging es auch den mehr als 20 Touristen, die in der Pension untergebracht waren. Zu ihnen gehörten beispielsweise einige Franzosen, die bereits nach zwei Tagen heimgeflogen wurden. Auch Silke und Martin Bühler warten darauf, nach Deutschland zurückgeholt zu werden.

Eine Weiterfahrt nach Ecuador war nicht möglich, weil dort die Grenzen geschlossen und alle Flüge gestrichen wurden. Also blieb ihnen nur die Rückkehr nach Deutschland. "Kuba stand auf der Liste der Länder, aus denen deutsche Touristen zurückgeholt werden, auf Platz 21", erfuhren die Bühlers. Da hieß es abwarten oder auf eigene Faust zurückfliegen.

Letzteres war nicht so einfach, denn Direktflüge von Kuba nach Deutschland gab es nicht mehr. Sie hätten unter anderem über Moskau oder Helsinki fliegen können. Zum Teil wurden für diese Tickets aber horrende Preise verlangt. "Ein Flug über Kanada kostete zum Beispiel 8.000 Euro", sagt Silke Bühler.

So warteten, ob sie von deutschen Botschaft eine Nachricht bekommen, dass sie für einen Rückholflug vorgesehen sind. Täglich riefen sie in der Botschaft an, erreichten auch immer jemanden, der zudem sehr freundlich war, aber wirklich helfen konnten ihnen die Mitarbeiter nicht. "Sie erklärten uns, dass wir alle rauskommen, aber wann und wie wusste am Telefon auch niemand", erzählt die Oberseifersdorferin.

Das sei im Laufe der Zeit frustrierend gewesen. Vor allem auch, weil sie wussten an welchen Tagen welche Flüge zurück in die Heimat gingen. Nur erhielten sie eben keine Benachrichtigung von der Botschaft, dass sie für einen der Rückholflüge eingeplant waren. Zuerst wurden alle Pauschalurlauber zurückgeholt, da die Bühlers Individualtouristen waren, standen sie sozusagen hinten an.

Visum war abgelaufen

Nach acht Tagen in der Pension hatten sie genug und entschieden sich am Montag voriger Woche, zum Flughafen zu fahren - ohne festes Ticket in einem von der deutschen Regierung gecharterten Flug. Sie hofften darauf, vielleicht so ein Ticket zu bekommen. Denn andere Reisende berichteten zuvor, dass bei ihren Rückflügen nicht alle Plätze besetzt waren. Die Botschaft hatte zwar versichert, dass alle Deutschen bis Ende voriger Woche zurückgeholt werden, doch so lange wollten die Bühlers nicht mehr warten. Auch, weil ihr Visum nun abgelaufen und ihnen das kubanische Geld ausgegangen war.

"Der Taxifahrer brachte uns aber nicht bis zum Flughafen, um selber keinen Ärger zu bekommen", sagt Silke Bühler. Denn alle privaten Taxifahrer hatten ihre Lizenz verloren. Er lud sie vorher aus - mit den Worten, dass es nur noch ein paar Meter bis zum Ziel seien. Letztlich waren es über zwei Kilometer, die sie in der Mittagshitze gelaufen waren.

Am Terminal hatten sie tatsächlich Glück. Weil ein anderer Passagier, der für den Flug am Montag vorgesehen war, nicht erschien, übernahmen sie dessen Sitzplätze. Die Rückholaktion ist für die Bühlers aber nicht kostenfrei. "Wir kriegen dafür noch die Rechnung", sagt Martin Bühler. Das habe man ihnen angekündigt.

Nun sind sie froh, wieder zuhause zu sein. Nach ihrer Rückkehr riefen sie gleich beim Gesundheitsamt an. Da Kuba nicht zu den Risikoländern gehört, sollte bei ihnen kein Corona-Test gemacht werden. Man empfahl ihnen aber, vorsorglich in Quarantäne zu gehen. Das haben sie nun getan. Damit kommen sie einer Entscheidung zuvor, nach der Bürger, die sich mehrere Tage im Ausland aufgehalten haben, grundsätzlich für zwei Wochen in Quarantäne gehen sollen. Diese Regelung soll ab Karfreitag gelten.

Für den gestrichenen Flug nach Ecuador bekamen sie einen Gutschein, der bis Ende 2021 gültig ist. Auch einen Inlandsflug in Ecuador und den Heimflug waren schon gebucht. Ob ihnen die beiden Flüge erstattet werden, müssen sie noch klären.

Die Reise nach Ecuador soll für die Beiden kein Traum bleiben, die Bühlers würden sie gern später nachholen.

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