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Bürger demonstrieren für schnellen Flutschutz

Mit der Aktion an der B 169 in Röderau appellieren die Betroffenen an die Behörden. Einige blasen ihnen sogar regelrecht den Marsch.

Von Eric Weser

Nick Neumann ist mutig. Der 16-Jährige steht nur einen knappen Fuß breit neben der Fahrbahn der B 169 am Abzweig Bobersen und erträgt den Lärm unzähliger Laster und Autos, die an ihm vorbeidonnern. Fest umgriffen hat der Schüler ein Plakat. Es fordert in großen Lettern „wirksamen Hochwasserschutz“.

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Nick Neumann ist einer von rund 150 Demonstranten, die am Freitagnachmittag dem Aufruf der drei Bürgerinitiativen Hochwasser Nünchritz 2013, Lebenswerte Elbaue Zeithain und Hochwasserschutz für die Ortslage Röderau gefolgt sind. Gemeinsam werben die Mitglieder für einen Flutschutz. Der soll verhindern helfen, dass es wieder zu solch katastrophalen Hochwasserschäden kommt wie vor einem Jahr, als die Elbe über die Ufer getreten war.

Unter den Demonstranten ist auch Udo Schmidt. Der Chef der Nünchritzer Bürgerinitiative stellt klar, worum es ihm und seinen Mitstreitern bei der Aktion geht: „Wir fordern von den Behörden eine schnelle, unbürokratische Umsetzung des Hochwasserschutzes.“

Abfluss ermöglichen

Mit Deichbau allein sei es dabei aber nicht getan. Auch sämtliche Abflusshindernisse, egal ob vor oder hinten dem Deich gehören aus Sicht der Bürgerinitiativen beseitigt – Elbwiesen-Schlamm, Bäume oder Straßen wie die B169 am Abzweig Moritz. Die Wahl auf diese Stelle als Protestort sei daher nicht zufällig gefallen, sagt Udo Schmidt.

Wie es am Abzweig Moritz vor ziemlich exakt einem Jahr aussah, daran erinnert sich Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel, der sich auch unter die Demonstranten gemischt hat, beim Blick auf sein Smartphone. Auf dem Bild ragen nur die Ampel und die umliegenden Erdwälle aus dem Wasser – Straße und Wiesen sind überflutet.

Auch aus dem Landtag war politische Unterstützung vor Ort. Der CDU-Abgeordnete Sebastian Fischer sprach sich am Rande des Protests für vereinfachte Planungsverfahren aus. Die könnten aus seiner Sicht den erhofften schnellen Flutschutz bringen. „Wir wollen in Deutschland alles immer genau prüfen, bevor es losgeht. Warum nicht losgehen und sich parallel um die Details kümmern?“, fragt Fischer.

Bei den Demonstranten dürfte Fischer damit einen Nerv treffen. Auch in ihren Augen geht bei der Planung zu viel Zeit ins Land. „Hochwasserschutz! Jetzt!“, lautet der Appell auf einem der Plakate, die die Teilnehmer hochhalten.

Viele Betroffene würden den Behörden am liebsten den sprichwörtlichen Marsch blasen, damit es endlich losgeht mit dem langersehnten Hochwasserschutz für die Region. Einen echten Marsch lieferten indes zum Ende der Demo die Spielleute aus Nünchritz und verliehen so den Forderungen musikalisch Nach- und Ausdruck.

Nach rund einstündigem Protest im prallen Sonnenschein und vor hunderten teils verdutzten Autofahrern zogen die Demonstranten wieder ab. Mit der Resonanz zeigte sich Mit-Initiator Udo Schmidt zufrieden. „Wir hatten mit weniger Teilnehmern gerechnet.“

Nun hoffen die Bürgerinitiativen, dass die Landestalsperrenverwaltung bis zum Ende des Monats ihre Planungen bei der Landesdirektion einreicht, damit die Oberbehörde endlich das Planfeststellungsverfahren einleiten kann.