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Bürger reden über Rechts

Die Initiative „Radeberg gegen das Vergessen“ holte grausige Fakten aus der Historie ins Hier und Heute.

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Von Bernd Goldammer

Werden Nazis stärker, oder sind deren Störaktionen im Radeberger Land nur spektakulär angelegt, um diesen Eindruck zu erwecken? Der Radeberger Buchautor Herbert Böhm hat Radebergs Geschichte im Hitlerreich studiert und stellte Mittwoch – bei einer Gesprächsrunde der Bürgerinitiative „Radeberg gegen das Vergessen“ – im Humboldt-Gymnasium die Frage, warum sich trotz allen Wissens immer wieder braunes Gedankengut zeigt.

Ist alles vergessen? Die deutlich erlebbare Antwort lautet: Nein! Drei Schüler hatten Radebergs Geschichte im sogenannten Dritten Reich untersucht und ihre Ergebnisse am Mittwoch präsentiert. Auch Radeberg wurde durch eine nationalsozialistische Hölle besudelt. Ihr Name: „Arbeitserziehungslager Sachsenwerk“. Hier wurden 422 Menschenleben ausgelöscht! Den Schülern ging es darum, zu verdeutlichen, welch perverses Unrecht in den Radeberger Baracken des Lagers geschah und zu welcher Barbarei Menschen fähig sind, wenn braune Ideologen die Macht haben, ihr Gesellschaftsmodell umzusetzen. Die Botschaft ins Hier und Heute: wehret den Anfängen.

Dem Gesagten folgte eine angeregte Diskussion. Hier zeigte sich deutlich: Es reicht nicht, antifaschistisch zu denken. Nur wenn sich breite gesellschaftliche Bündnisse gegen braune Unmenschlichkeit entwickeln, entsteht relevante Kraft. Offene Dialoge sind notwendig. Im Ringen um gesellschaftliche Gemeinsamkeiten gegen „Braun“ kann es nur eine „reine Lehre“ geben: die der Toleranz! Das ist das Ergebnis dieses Abends in Radeberg.