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„Bürger sollen nicht höher belastet werden“

Bei der Bürgermeisterwahl am 1. September ist nur noch interessant, wie viele Stimmen Anita Maaß (FDP) erhält.

Hat gut lachen: Die Lommatzscher Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) ist die einzige Kandidatin für die Wahl am 1. September. Ihrer dritten Amtszeit steht nichts im Wege. Seit 2005 ist die 43-Jährige Bürgermeisterin der Kleinstadt.
Hat gut lachen: Die Lommatzscher Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) ist die einzige Kandidatin für die Wahl am 1. September. Ihrer dritten Amtszeit steht nichts im Wege. Seit 2005 ist die 43-Jährige Bürgermeisterin der Kleinstadt. ©  Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Neben der Landtagswahl findet am 1. September in Lommatzsch auch eine Bürgermeisterwahl statt. Doch die Gewinnerin steht schon jetzt fest. Amtsinhaberin Dr. Anita Maaß (FDP) ist die einzige Kandidatin. Sie steht vor ihrer dritten Amtszeit.

Frau Maaß, Glückwunsch zu Ihrer dritten Amtszeit als Bürgermeisterin!

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Nun mal langsam. Glückwünsche sind jetzt keinesfalls angebracht. Bitte warten wir erst das Ergebnis der Auszählung am Wahlabend ab.

Ärgert es Sie, dass die Lommatzscher am 1. September keine Wahl haben, sich kein Mitbewerber, keine Mitbewerberin fanden?

Die Lommatzscher haben eine Wahl. Sie können wählen, ob sie zur Wahl gehen oder nicht. Sie können wählen, ob sie sich für mich entscheiden oder nicht. Und da es nur eine Bewerberin gibt, kann auch jede andere wählbare Person gewählt werden.

Mit welchem Ergebnis rechnen Sie?

Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung und möglichst viele Stimmen. Das wäre ein Vertrauensbeweis für die Arbeit der vergangenen 14 Jahre für mich, aber auch für die Verwaltung und den Stadtrat Es ist wichtig, zu wissen, ob und wie viel Vertrauen der Bürger ich habe. Deshalb sehe ich dem Wahlergebnis auch mit Demut entgegen.

Streben Sie nach 14 Jahren im Rathaus der Kleinstadt nicht nach Höherem? Gerüchteweise wollten Sie Landrätin werden, auch über ein Landtagsmandat wurde gemunkelt.

Wer sagt denn, dass Landrat etwas Höheres wäre? Nach dem Kommunalrecht sind die Rechte vergleichbar, nur sind Bürgermeister näher an den Menschen dran. Wenn ich ein Landtagsmandat angestrebt hätte, dann hätte ich mich aufstellen lassen. Ich bin nicht amtsmüde, möchte Bürgermeisterin bleiben, weil es hier noch viele Aufgaben gibt, die mich reizen.

Welche?

Da wäre zum Beispiel, die weitere Stadtentwicklung. Ruinöse Häuser verweisen meist auf schwierige Eigentumsverhältnisse oder sind herrenlos. Dafür wie auch für die Brachflächen am Dämpferbau müssen wir nach Lösungen suchen. Das Bürgerhaus Wachtnitz muss saniert werden. Im Rathaus haben wir Probleme mit den Datenleitungen, es fehlt der Brandschutz, die Barrierefreiheit, Putz und Fenster bröckeln.

Und für die Dörfer bleiben Breitband, Straßensanierungen und die Löschwasserversorgung die wichtigen Herausforderungen. Das Schöne ist, dass man als Bürgermeisterin sieht, was man tut. Ich kann bei Projekten von der Idee bis zur Umsetzung mitwirken.

Sie sind jetzt auf den Tag genauso lange im Amt wie Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Was verbindet Sie sonst noch mit ihr?

Auch wenn ich politisch in vielen Dingen nicht mit ihr übereinstimme, habe ich Hochachtung vor ihrem Arbeitspensum und ihrer Durchsetzungsstärke als Frau.

Was schätzen Sie nicht an ihr?

Dass sie bei bestimmten Themen wie der Energiewende oder beim Dieselproblem offenbar nicht vom Sachverstand, sondern von politischen Stimmungen geleitet wird.

Schaut man sich Ihre Wahlversprechen von vor sieben Jahren an, so haben sie nahezu alles erfüllt. Nur eine Lösung für das Stadtbad gab es bisher noch nicht. Wie ist der Stand? Gibt es eine realistische Chance, dass es wiedereröffnet wird?

Das Thema haben wir aufgeschoben. Wir haben keinen Zeitdruck und sind 2024 fast schuldenfrei. Kommt Zeit, kommt Rat. Ich persönlich bin der Meinung, dass wir uns ein solches Bad mit einem Zuschuss von 70 000 bis 80 000 Euro im Jahr nicht leisten können. Meine Vorstellung ist eine Freizeitanlage für mehrere Generationen.

Für das Schützenhaus versprachen Sie vor sieben Jahren Veranstaltungen wie Konzerte und Zuchtausstellungen. Warum hat sich die Stadt aus diesen Dingen zurückgezogen?

Es gibt durchaus viele verschiedene Veranstaltungen im Schützenhaus, die aber selten von der Stadt organisiert werden. Wir haben dafür kein Personal, zudem ist das finanzielle Risiko zu groß.

Seit es keine Zinsen mehr auf Sparguthaben gibt, legen viele ihr Geld in Immobilien an. Jedes noch so verfallene Haus, so scheint es, kann jetzt an den Mann oder die Frau gebracht werden. Eine Chance für die Dörfer, die viele schon verloren glaubten?

Natürlich ist das eine Chance für die Dörfer. Wer ein Haus mit Garten sucht, der ist in den dörflichen Ortsteilen gut aufgehoben. Wir dürfen aber nicht die Fehler westdeutscher Städte wiederholen. Sie haben häufig auf der grünen Wiese zu viele Neubaugebiete geschaffen, während die Stadtkerne verfielen. 

Wir werden in der Kernstadt in den nächsten zehn bis 15 Jahren einen Generationswechsel verbunden mit Eigentümerwechseln erleben. Die Innenstadt soll dabei für das Wohnen attraktiv bleiben. Ich möchte gern unsere alte, historische, individuelle Bausubstanz mit ihrem Charme erhalten.

Lommatzsch hat auf der einen Seite seine Verschuldung radikal abgebaut, auf der anderen Seite mit die höchsten Steuern im Landkreis. Die Steuereinnahmen sprudeln, auch bei den Kommunen. Sehen Sie Raum für Steuersenkungen?

Ja, wir haben sehr hohe Steuern, aber wir haben auch Schulden abgebaut und investiert. Über Steuersenkungen können wir reden, wenn die Schuldenfreiheit erreicht ist. Doch auch dann müssen wir genau abwägen: Leisten wir uns eine Luxusausgabe wie ein Freibad oder geben wir den Leuten über Steuersenkungen etwas zurück?

Es wird eine Grundsteuerreform vorbereitet. Wird Lommatzsch die Hebesätze senken, falls es zu höheren Belastungen für die Lommatzscher kommt?

Mein Bestreben ist es, die Leute nicht mehr zu belasten als bisher. Das heißt, wenn die Grundsteuern durch die Reform ansteigen würden, würde ich gern die Hebesätze senken. Entscheiden muss das aber der Stadtrat.

Wird es in den kommenden Wochen Wahlkampf Ihrerseits geben?

Ein Rededuell wie vor sieben Jahren im Schützenhaus kann es ja ohne Mitbewerber nicht geben. Ich werde dem Amtsblatt einen Flyer mit meinen Ergebnissen und Zielen beilegen. Ansonsten bin ich jederzeit ansprechbar, z. B. bei den Bürgerversammlungen oder im Rathaus.

Das Gespräch führte Jürgen Müller

Zur Person

Geboren am 8. Juli 1976 in Oschatz, verheiratet mit Wolfgang Maaß. Töchter Nathalie (19) und Fabienne (8)

1995 Abitur am Gymnasium Franziskaneum in Meißen. Die Familie wohnt in Lommatzsch. 

1995–2002 Studium der Rechtswissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Geschichte in Dresden, Berlin und Bordeaux; Abschluss: Magistra Artium

2002–2003 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte der TU Dresden

2003–2005 Doktorandin am Institut für Politikwissenschaft der TU Chemnitz

seit 2005 Bürgermeisterin der Stadt Lommatzsch

2007 Promotion zum Dr. phil. an der TU Chemnitz

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