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Bürger über Badschließung fassungslos

Zu teuer und zu wenige Gäste – der Gröditzer Stadtrat besiegelte das Ende. Warum die Schwimmhalle baden geht.

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Von Nicole Czerwinka

Elf Stimmen dafür, sieben dagegen – so sah die Abstimmung des Gröditzer Stadtrates zur Stilllegung der Schwimmhalle am Montagabend aus. Bitter sei die Entscheidung, die sich alle Stadträte nicht leicht gemacht hätten, so die Beteuerungen des Bürgermeisters Jochen Reinicke (parteilos) und seiner Räte. Doch letztendlich fehle es an Besuchern, und damit vor allem auch am Geld.

Rund sieben Millionen Euro habe die Stadt in den vergangenen zehn Jahren in die Halle gesteckt. Etwa 430 000 Euro betragen die Ausgaben für die Schwimmhalle derzeit jährlich. Dies sei zu viel für das Gröditzer Stadtsäckel. Und da helfe auch die große Anteilnahme der Bürger nichts – gut 60 Bürger kamen zur Sondersitzung in die Mittelschule Siegfried Richter. „Ich sehe an dem zahlreichen Erscheinen der Gäste, dass das Interesse an der Halle da ist, aber ohne Badegäste können wir nicht wirtschaften“, sagte Jochen Reinicke zur Eröffnung der Tagesordnung.

Anschließend kamen die Stadträte zu Wort. Einer nach dem anderen. Der einhellige Tenor der Schwimmhallen-Gegner: Es sei eine schwere Entscheidung, aber wenn man die Zahlen sehe, die einzig richtige. Konkrete Zahlen waren in der Beschlussvorlage jedoch nicht zu finden. Diese lieferte am Montag allein Stadtrat Hagen Görsch (SPD), der sich, neben anderen Schwimmhallenanhängern, deutlich für die Halle aussprach. In einer digitalen Präsentation versuchte er nicht nur die verheerenden Folgen der Stilllegung für den Schulsport aufzuzeigen, sondern auch klarzumachen, dass man die Schwimmhalle durchaus auch rechnerisch retten könne, wenn man nur wolle. Zahlen, die im Eifer der Diskussion schnell untergingen und in der Schnelligkeit des Vortrages nur schwer prüfbar schienen, aber dennoch als einziges Rechenexempel des Abends gewürdigt werden müssen.

Der Tenor im Plenum hingegen raunte deutlich vernehmbar durch die Reihen: Gröditz brauche die Schwimmhalle mehr als einen millionenschweren Dreiseithof, die Entscheidung sei unverantwortlich für die Stadt und könne nur zu einer Verschlechterung der Lebensqualität beitragen. „Es geht doch immer nur um Fußball“, flüsterte eine betagte Dame auf den hinteren Plätzen.

Laut sagte jedoch keiner etwas. Schließlich war eine Bürgerfragestunde von vornherein in der Tagesordnung dieser Ratssitzung ausgeschlossen. Widerspruch unerwünscht. Den Applaus für die Plädoyers der Befürworter der Schwimmhalle ließen sich die Gröditzer jedoch nicht verbieten.

Gut ein halbes Jahr bleibt nun noch bis zur endgültigen Schließung im Juli 2013. Die Hoffnung auf den Erhalt der Halle verlischt angesichts dieser Tatsache zu einem bloßen Funken.

Dennoch hatte Stadtrat Ulrich Keil (DIE LINKE), der Vorsitzende des Freundeskreises der Gröditzer Sport- und Schwimmhalle, bereits vor der Abstimmung angekündigt, dass er im Falle des Beschlusses der Stilllegung mithilfe des Freundeskreises ein Bürgerbegehren beantragen würde. „Die Bürger sollen entscheiden, was mit der Halle passiert“, so Keil nach der Sitzung.