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Bürgerarbeit vor dem Aus

In Sachsen sind 2.800 Beschäftigte betroffen – und Senioren, Jugendliche oder Behinderte, die von ihnen betreut werden.

© dpa

Von Thilo Alexe

Chemnitz. Sie helfen beim Behindertentransport, besuchen Senioren im Altenheim oder arbeiten im Jugendzentrum: Bürgerarbeiter. Doch das bundesweite Projekt für ehemals Langzeitarbeitslose läuft Ende 2014 aus. In Sachsen sind derzeit rund 2.800 Männer und Frauen als Bürgerarbeiter beschäftigt, deutschlandweit sind es etwa 28.000.

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Wie die sächsische Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mitteilte, werden die Arbeitsplätze durch den Bund noch bis Dezember 2014 gefördert. „Unser Ziel ist, die Menschen aus der Grundsicherung in reguläre Arbeit zu bringen“, sagte Sachsens Arbeitsagenturchefin Jutta Cordt. Als Mittel dazu nannte sie unter anderem Eingliederungszuschüsse, Qualifizierungsmaßnahmen sowie die Bürgerarbeit.

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Teilnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Als Bürgerarbeiter gelten vormals Langzeitarbeitslose, die in gemeinnützigen Bereichen tätig sind. Arbeitgeber in Sachsen – dazu zählen Fortbildungsgesellschaften, Vereine und soziale Initiativen – erhalten dafür nach Angaben der Regionaldirektion monatlich 1.080 Euro pro Beschäftigtem.

Die Arbeitszeit umfasst dabei 30 Stunden pro Woche. Vergütet wird die Bürgerarbeit mit 900 Euro brutto pro Monat. Die Pauschale für die Sozialversicherung beträgt 180 Euro. Finanziert wird die Arbeit aus Mitteln des Bundes und des europäischen Sozialfonds.

In Sachsen haben seit dem Start 2011 knapp 4.800 Männer und Frauen einen Job als Bürgerarbeiter angetreten. Das ist dann möglich, wenn zuvor eine mindestens halbjährige sogenannte Aktivierungsphase nicht mit der Vermittlung in den regulären Arbeitsmarkt endete. „In dieser Zeit werden die Frauen und Männer besonders intensiv betreut“, teilte die Regionaldirektion weiter mit. Die Arbeitsagentur finanziere Weiterbildungen und weise Arbeitgeber auf Zuschussmöglichkeiten bei der Einstellung Langzeitarbeitsloser hin. Im Freistaat haben etwa 10.000 Arbeitsuchende die Aktivierungsphase durchlaufen.

In Dresden sind sachsenweit die meisten Bürgerarbeiter aktiv, rund 800. Jeweils rund 500 arbeiten im Kreis Bautzen und in Leipzig. Das Instrument, für das insgesamt 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, ist auf Bundesebene allerdings umstritten. Kammern etwa warnen vor der Verdrängung regulärer Beschäftigung.

Befürworter verweisen auf den gemeinnützigen Kern der Arbeit beispielsweise in Heimen oder bei der Obdachlosenhilfe. Die meisten Kommunen bejahen die Bürgerarbeit. Ihnen fehlt häufig das Geld für soziale Arbeit außerhalb der gesetzlich verankerten Pflichtaufgaben.