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Bürgermeister auf Werbetour

Ralf Hänsel will weitere sieben Jahre die Gemeinde Zeithain lenken. Dafür war er 90 Kilometer zu Fuß unterwegs – obwohl er gar keinen Konkurrenten hat.

Postbote statt Bürgermeister: Um für seine PWiederwahl zu werben, hat sich Zeithains Gemeindeoberhaupt Ralf Hänsel (parteilos) kurzerhand die Sportschuhe angezogen und Flyer verteilt. Auch im Nikopol war der Gemeindechef dieser Tage unterwegs.
Postbote statt Bürgermeister: Um für seine PWiederwahl zu werben, hat sich Zeithains Gemeindeoberhaupt Ralf Hänsel (parteilos) kurzerhand die Sportschuhe angezogen und Flyer verteilt. Auch im Nikopol war der Gemeindechef dieser Tage unterwegs. ©  Sebastian Schultz

Zeithain. Ob beim Fischerfest in Zeithain, beim Weihnachtsmarkt in Kreinitz oder bei der Ziergeflügel-Ausstellung in Röderau – Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) ist überall zu finden. Auch wenn das den Umfang eines klassischen Acht-Stunden-Jobs weit übersteigt. „Ich versuche, immer präsent und ansprechbar zu sein“, sagt Hänsel. Um das zu schaffen, müsse er aber gelegentlich das Dienstliche mit dem Privaten verbinden und seine Frau und seine vier Töchter mit auf die Feste in der Gemeinde nehmen.

Für den Bürgermeister und seine Familie bedeutet das immer auch eine Anfahrt von rund einer halben Stunde. Denn der 48-Jährige lebt nach wie vor in Niederau. Auf seinen Job hat das laut Hänsel aber keinen Einfluss: „Die Qualität eines Bürgermeisters hängt meines Erachtens nicht von seinem Wohnort ab“, so der Gemeindechef. Außerdem bringe seine Lebenssituation den Vorteil, verschiedenen Diskussionen aus dem Weg gehen zu können. „Wenn ich beispielsweise in Moritz leben würde und dort nun ein neuer Gehweg gebaut würde, heißt es schnell mal, dass das nur passiert, weil der Bürgermeister da wohnt. Insofern bin ich als Bürgermeister unabhängiger“, meint Ralf Hänsel.

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Besonders die Unabhängigkeit ist dem 48-Jährigen wichtig. Schließlich sei der ländliche Raum der falsche Ort für Parteipolitik. Stattdessen gehe es um Sachentscheidungen. Und die will Hänsel immer auch mit den Bürgern treffen. In seiner Amtszeit sind vor allem die Sitzungen des Gemeinderats und der Ausschüsse transparenter geworden, fast alles wird öffentlich beschlossen. Auch darüber hinaus setzt Hänsel auf die Beteiligung der Bürger. „Meine Tür im Rathaus steht immer offen“, sagt der Gemeindechef. Jeder könne zu ihm kommen und Kritik äußern. „Im persönlichen Gespräch lassen sich oft Dinge klären, bevor sie emotional hochkochen.“

3.200 Flyer, elf Ortsteile

Für Ralf Hänsel, der vor seiner Wahl als Zeithainer Bürgermeister als Leiter des Kreisentwicklungsamtes im Landratsamt Meißen arbeitete, bedeuten diese Angebote auch eine ständige Verfügbarkeit. „Nach acht Stunden einfach das Handy ausmachen, geht nicht. Ich bin 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche Bürgermeister“, so der 48-Jährige.

Obwohl Hänsel bei der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag ohne Gegenkandidat antritt, hat er rund 3.200 Flyer drucken lassen, in denen er seine erste Amtszeit bilanziert und einen Ausblick auf seine weiteren Vorhaben gibt. Besonders der Straßen- und Wegebau sowie die bessere Vermarktung der Gemeinde sollen in den kommenden Jahren im Mittelpunkt stehen. Auch den Vereinen soll verstärkt unter die Arme gegriffen werden. Ralf Hänsel hat die Flyer aber nicht verschickt oder verteilen lassen, sondern allesamt persönlich in die Briefkästen geworfen. Rund 90 Kilometer hat er auf diese Weise zurückgelegt – zu Fuß. „Die Flyer sind für mich auch ein Ausdruck der Dankbarkeit. Ich will den Wählern zeigen, dass sie mir wichtig sind“, erklärt der Bürgermeister seine Aktion. „Dennoch glaube ich nicht, dass zwei Wochen Wahlkampf reichen, um wiedergewählt zu werden. Darüber entscheiden die sieben Jahre zuvor.“

In denen hat Hänsel die Gemeinde vor allem finanziell stabilisiert. Am Horizont winken Zeiten, die wieder etwas größere Sprünge erlauben werden. Doch zuerst steht die Wahl an. Auch wenn die auf dem Papier eintönig wirkt, hofft der Bürgermeister auf eine rege Beteiligung. „Ich wünsche mir, dass möglichst viele Zeithainer zur Wahl gehen“, so Hänsel. Und die sollen ihn möglichst in seinem Amt bestätigen. Denn: „Die Kandidatur für das Bürgermeisteramt vor sieben Jahren war die beste Entscheidung meines beruflichen Lebens.“