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Bürgermeister sagt Motocross-Rennen ab

Anders als geplant, wird es in diesem Jahr keinen Wettkampf geben. Der Bannewitzer Rathauschef führt zwei Gründe dafür an.

Im September 2018 fand das erste Motocross-Rennen auf der neuen Strecke an der B 170 statt. Wird es auch das letzte gewesen sein?
Im September 2018 fand das erste Motocross-Rennen auf der neuen Strecke an der B 170 statt. Wird es auch das letzte gewesen sein? © Karl-Ludwig Oberthür

In diesem Jahr wird es kein Motocross-Rennen in Bannewitz geben. Das hat Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend verkündet. Demnach wird die neu geschaffene Strecke an der Bundesstraße B 170 entgegen den ursprünglichen Plänen im September nicht befahren. Bis dahin soll es definitiv auch keine Trainingsfahrten dort geben. „Wir wollen vorbeugen, dass es Ärger gibt“, sagte Fröse im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung am Donnerstag.

Der Rathauschef verwies auf das noch laufende Verfahren für einen Bebauungsplan. Dieses hatten die Bannewitzer Gemeinderäte im Juni des vergangenen Jahres angeschoben. In diesem Rahmen soll unter anderem geprüft werden, ob die Lage der Strecke für regelmäßiges Motocross-Training und das einmal jährlich stattfindende Rennen geeignet sind. Fröse geht davon aus, dass der Bebauungsplan bis September noch nicht fertig sein wird. Man werde auch keinen Antrag auf Sondergenehmigung stellen. Auf die Frage, warum dann im vergangenen Jahr dort ein Rennen stattfand – ebenfalls ohne fertigen Bebauungsplan – wollte Fröse nicht antworten. „Damals gab es andere Voraussetzungen“, sagte er nur.

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Der Trainingsbetrieb und das Rennen auf dem etwa 30 000 Quadratmeter großen Areal nördlich des Bannewitzer Gewerbegebietes sind umstritten. Es hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die gegen den Motocross mobil macht. Sie besteht vor allem aus Anwohnern aus dem nicht weit entfernten Ortsteil Nöthnitz. Die Motocross-Gegner befürchten eine dauerhafte Lärmbelastung durch die Motorengeräusche der Motorräder.

Um herauszufinden, ob diese tatsächlich gesundheitsschädlich sind, hatte die Stadt im Rahmen des Bebaungsplan-Verfahrens ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis dieser Untersuchung trug Bürgermeister Fröse am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung vor. Demnach kann auf dem Gelände theoretisch Motocross stattfinden.

Regelmäßiges Training mit großen Maschinen sei werktags für maximal zwei Stunden außerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten möglich, zitierte Fröse aus der Studie. Vier Motorräder dürften dabei gleichzeitig auf der Strecke unterwegs sein. Ein Kindertraining mit kleineren und damit leiseren Maschinen könne maximal sechs Stunden werktags außerhalb der Ruhezeiten mit maximal sieben Fahrzeugen gleichzeitig durchgeführt werden. Zudem könne an zwei Tagen im Jahr ein Wettkampf stattfinden. Darüber hinaus ist es nach dem Gutachten möglich, an acht weiteren Tagen im Jahr Trainings für Erwachsene und Kinder mit mehr Fahrzeugen und für längere Zeiträume zu veranstalten.

Endgültiges Aus für Strecke?

Fröse betonte, dass dieses Lärmgutachten nur ein Teil des Bebauungsplanes sei. Damit stehe noch nicht fest, dass Motocross auf der Strecke stattfinden dürfe. Als weiteren Grund dafür, das Rennen in diesem Jahr abzusagen, führte er die Baustelle auf der B 170 an. Die Bundesstraße wird derzeit ausgebaut. Zu der Zeit des Rennens im September bewege sich die Baustelle genau im Bereich der Motocross-Strecke. „Wir wollen dem vorbeugen, dass es zu Schwierigkeiten kommt“, so Fröse.

Ob das Motocross-Rennen dann 2020 stattfinden kann, ist ebenfalls mehr als fraglich – und das liegt nicht nur an dem noch offenen Ergebnis des Bebauungsplanes. Wie Fröse am Donnerstag sagte, soll noch der jetzige Gemeinderat über die Aufhebung des Bebauungsplan-Verfahrens abstimmen. Dafür gibt es nur noch eine Chance. Am 26. Mai ist Kommunalwahl. Bevor sich danach der neue Gemeinderat zum ersten Mal konstituiert, tagt der alte Gemeinderat am 28. Mai zum letzten Mal.

Dem Vernehmen nach soll Karls Erlebnis-Dorf, der unter diesem Namen mehrere Freizeitparks in Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern betreibt, Interesse an einer Expansion nach Bannewitz haben. Sollte die Freizeit-Institution Interesse an einem Neubau im Dresdner Süden haben, braucht es dafür einen neuen Bebauungsplan.

Beim Motocross-Club Bannewitz, dem Organisator des Rennens und dem potenziellen Betreiber der Strecke, ist die Enttäuschung über die neue Situation groß. „Wir sind traurig darüber, klar“, sagte der Vize-Vereinschef Daniel Reichel am Donnerstag. Zur Zukunft äußert er sich pessimistisch. „Mein Bauchgefühl sagt, dass auf der Strecke auch in den nächsten Jahren kein Rennen stattfinden wird.“

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