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Bürgermeister vor und nach der Wende

Eberhard Menzel saß insgesamt 17 Jahre lang im Bernsdorfer Rathaus auf dem Chefsessel.

© Archivfoto: Ralf Grunert

Bernsdorf. Als seinerzeit dienstältester Bürgermeister im ehemaligen Kreis Hoyerswerda hat sich Eberhard Menzel in Bernsdorf im August 2005 in den Ruhestand verabschiedet. Von 1984 an immerhin 17 Jahre lang – mit einer vierjährigen Unterbrechung Anfang der 1990er-Jahre – fungierte er als Bernsdorfer Stadtoberhaupt. Dieses Amt gab er aus Altersgründen ab.

Geboren in Neupetershain führte ihn sein Weg über Cottbus und das Pädagogikstudium in Leipzig nach Bernsdorf, wo seine Großeltern lebten und wo er als Fachlehrer für Geschichte und Deutsch in der „Karl-Liebknecht-Oberschule“, der heutigen Freien Oberschule, einen Job bekam. Später wurde er Schulinspektor beim Rat des Kreises. Nach dem entsprechenden Studium war er als Kinder- und Jugendpsychologe im Kreis Hoyerswerda tätig.

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Anfang der 1980er-Jahre begann die kommunalpolitische Laufbahn von Eberhard Menzel. Die Stadtverordnetenversammlung wählte das SED-Mitglied 1984 zum Bürgermeister. Seine Hauptaufgabe sah er in dieser Zeit in der Lösung des Wohnungsproblems für die Einwohner der Stadt. „Es ging vor allem um den Aufbau des Fritz-Kube-Rings und die Errichtung eines zentralen Heizhauses“, wurde er vor einigen Jahren in dieser Zeitung zitiert. Auch die Schaffung und der Erhalt von Krippen- und Kindergartenplätzen war ein Schwerpunkt seines Wirkens.

Nach der Wende musste Eberhard Menzel bei den ersten freien Kommunalwahlen das Bürgermeister-Amt an den CDU-Kandidaten Jochen Ermer abgeben. Plötzlich sah sich Eberhard Menzel als „Blitzableiter für den Frust der Leute“. Viele haben ihn auf der Straße nicht mehr gegrüßt, bedauerte er einmal. Die Stimmung kippte aber wieder. Vier Jahre später kandidierte er als Parteiloser mit dem Mandat der PDS und kehrte ins Rathaus zurück. Vieles wurde in seiner Amtszeit geschaffen. Der Ausbau von Straßen, die Errichtung eines Altenpflegeheimes sowie der Erhalt von Waldbad und Tiergehege ist da zu nennen.

Nach seinem Abschied aus dem Rathaus lebte Eberhard Menzel eher zurückgezogen. Worauf er aber nicht verzichtete, war die Teilnahme an den regelmäßigen Treffen mit seinen ehemaligen Bürgermeister-Kollegen, die gewöhnlich zu runden Geburtstagen stattfanden und stattfinden (TAGEBLATT berichtete). Seinen eigenen 80. Geburtstag am Montag konnte er nicht mehr feiern. Eberhard Menzel ist in der vergangenen Woche verstorben. (rgr)

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