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Bürgermeister wirbt um Verständigung

Manfred Heine will Missstimmungen um die Phylak GmbH in Burgneudorf den Nachdruck nehmen.

Von Mirko Kolodziej
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Unter anderem Essenzen von verschiedenen Heilpflanzen werden bei der Phylak in Burgneudorf hergestellt.
Unter anderem Essenzen von verschiedenen Heilpflanzen werden bei der Phylak in Burgneudorf hergestellt. © Archivfoto: Gernot Menzel

Burgneudorf. Etwas geknirscht hat es im vergangenen Jahr zwischen dem Spreetaler Gemeinderat und der Phylak Sachsen GmbH, die in Burgneudorf Arzneimittel sowie Kosmetikprodukte herstellt. Die Räte wollten gern mit einem Firmenvertreter sprechen, das Unternehmen sagte kurzfristig ab. Vor dem Jahreswechsel hat Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) nun ein Gespräch mit Firmenchefin Barbara Gopalsamy gehabt. „Das Gros der Bürger freut sich, dass die Phylak hier ist“, so die Botschaft des Bürgermeisters dabei.

Diskussionen ab 2013

Er sei, sagt er, etwas erschrocken gewesen, feststellen zu müssen, dass die aus Hoyerswerda stammende Unternehmerin mit aktuellem Wohnsitz in der Schweiz sich nicht willkommen fühlt. Die Phylak ist immerhin seit mehr als zwanzig Jahren auf dem früheren Wasserwerksgelände von Burgneudorf ansässig. Nächstes Jahr wird es ein Vierteljahrhundert sein. Aus Heines Blickwinkel begannen Diskussionen, als das Unternehmen 2013 die Absicht zur Erweiterung öffentlich machte. Die unmittelbaren Nachbarn hätten das wenig sinnvoll gefunden und darauf verwiesen, dass es ja schließlich das Industriegebiet Schwarze Pumpe gibt. Man habe damals die diversen Bedenken aus Gemeindesicht so nicht kommen sehen. Schließlich, sagt Heine, habe die Firma schon um die 20 Mitarbeiter gehabt, die Hälfte davon aus Spreetal. „Mit vielen Gesprächen haben wir die Erweiterung umsetzen können“, so der Bürgermeister. Anwohner hätten während der Bauarbeiten dann über Probleme mit Lkw und mit dem Bauzaun geklagt: „Kleinigkeiten, die anders zu regeln gewesen wären.“

Seit Inbetriebnahme der Ergänzung ist das Thema in der direkten Nachbarschaft Geruch. Darüber wollte im vorigen Jahr auch der Gemeinderat gern bei dem letztlich missglückten Sitzungstermin sprechen. Strittig ist ein konkreter Verfahrensschritt, die Veraschung. An zwei Werktagen in der Woche, erklärt Unternehmens-Anwalt Dr. Jürgen Schöne auf TAGEBLATT-Nachfrage, könnten dabei tagsüber bis zu drei Stunden Gerüche entstehen. Man sei aber nicht sicher, ob das auch genau jene Gerüche seien, über die Einzelne sich beklagen würden. Ein Protokoll, sagt der Jurist, wäre da hilfreich.

Er ergänzt, alle Anlagen würden so arbeiten, wie vorgeschrieben. Der Schornsteinfeger würde das bestätigen und auch die für die Pharma-Herstellung festgelegten Überprüfungen durch die Landesdirektion hätten nichts Negatives ergeben. „Man kann der Phylak nicht vorwerfen, gegen Gesetze zu verstoßen“, erklärt auch Manfred Heine. Seines Wissens würden alle Parameter aus der Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz eingehalten. Andererseits gebe es eben objektiv diesen Geruch: „Wer die Empfindung hat und wen es gesundheitlich nervös macht, der empfindet, dass die Behörden zu handeln haben“, fasst er zusammen.

Die Phylak sei auch nicht untätig gewesen. Nur habe sich der geprüfte Bau einer Filteranlage als ziemlich teuer erwiesen. Der Unternehmens-Anwalt bestätigt, es wäre dabei um eine sechsstellige Summe gegangen: „Für etwas, von dem wir nicht hundertprozentig wissen, ob es wirklich der Stein des Anstoßes ist.“ Man arbeite an technischen Modifikationen. Manfred Heine sagt, die Firma sei optimistisch, etwas für eine fünfstellige Summe umsetzen zu können. Er sei überzeugt, dass die Phylak sich ehrlich bemühen würde. „Mein Ansinnen war immer, in Ruhe das Gespräch zu suchen“, erklärt der Gemeindechef.

Beitrag für das dörfliche Leben

Er habe Barbara Gopalsamy, die die Phylak gemeinsam mit ihrem Mann betreibt, bei dem Termin Ende vorigen Jahres gesagt, sie dürfe die Auseinandersetzung mit den direkten Nachbarn auch nicht mit der allgemeinen Stimmung in der Gemeinde verwechseln: „Was die Phylak für Spreetal bringt und leistet, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ Manfred Heine nennt etwa 50 Arbeitsplätze, Gewerbesteuern in fünfstelliger Höhe und Spenden an Vereine. Das Unternehmen leiste so einen wesentlichen Beitrag für das dörfliche Leben. Dem Gemeinderat sei das bewusst. Auch ihm sei die Phylak willkommen. Und für die Lösung von Schwierigkeiten müsse man miteinander im Austausch bleiben.

Das Unternehmen ist in Burgneudorf am Ortsausgang
in Richtung Neustadt/Spree
zu finden. Die
Produktion dort begann 1996. 
Das Unternehmen ist in Burgneudorf am Ortsausgang in Richtung Neustadt/Spree zu finden. Die Produktion dort begann 1996.  © Archivfoto: Mirko Kolodziej