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Bürgerstiftung gewinnt Kapital und Kraft

Kreis. Die Bürgerstiftung „Zivita“ feiert heute ihren ersten Geburtstag. Hervorgegangen ist sie aus dem Zukunftsprogramm des Landkreises.

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Von Sebastian Beutler

Das Ziel ist weit. 500 Stifter und ein Kapital von 100 000 Euro will die Bürgerstiftung „Zivita“ bis Ende nächsten Jahres gewonnen haben. Doch der Zwischenstand, den heute Abend Stiftungsratsvorsitzende Jeannette Gosteli bekannt geben wird, stimmt zuversichtlich. Innerhalb eines Jahres entschlossen sich weitere 17 Bürger zu stiften. Dadurch verdoppelte sich das Kapital der Stiftung auf 42 000 Euro. „Wir sind zufrieden damit“, sagt Frau Gosteli, „selbst wenn die Zustiftungen keine Massenbewegung ausgelöst haben.“ Mindestens genauso wichtig ist der Chefin der „Zivita“ aber die Einbindung der Bürger in die Arbeit der Stiftung. Stiftertreffen, Ehrenamtsmesse, Ehrenamtsbörse, Bürgerpreis und in diesem Jahr erstmals ein Förderpreis lauten die Stichworte für das erste Jahr der Stiftung. Sie war vor Jahresfrist aus dem Zukunftsprogramm des Landkreises hervorgegangen. Die damals acht so genannten Schirmprojekte haben sich unterschiedlich entwickelt, wie die nachfolgende Übersicht zeigt.

Umgebindeland

Die Verantwortung für das Projekt liegt beim Landratsamt, nachdem anfangs die Kreisentwicklungsgesellschaft (Kegl) den Hut aufhatte. Doch mit der Rückkehr von Jeannette Gosteli von der Kegl-Geschäftsführerposition ins Büro des Landrats nahm sie auch diese Aufgabe mit. Inhaltlich wurde eine Umgebindehaus-Stiftung unter Beteiligung der Kreise Löbau-Zittau und Bautzen sowie der Sparkassen beider Landkreise gegründet, ein sehr erfolgreicher Tag des offenen Umgebindehauses in diesem Jahr veranstaltet. Bis Ende 2005 soll auch ein Entwicklungskonzept für die Region vorliegen, das zwischen Deutschland, Tschechien und Polen abgestimmt ist. Vorangetrieben wird auch der Antrag bei der Unesco, das Umgebindeland als Weltkulturerbe zu deklarieren.

Sternstunden

Hieß anfangs nur die EU-Fete im Mai 2004 so, laufen nun Kulturveranstaltungen unter diesem Thema, die es auch zuvor bereits gegeben hat: das Neißefilmfestival und der Mandaujazz. Ein für dieses Jahr geplantes Laientheatertreffen kam nicht zu Stande. Zuständig hier ist das Multikulturelle Zentrum Zittau.

Nachbarsprache

Hier geschieht viel Unspektakuläres in Arbeitsgruppen oder in Zusammenarbeit mit der Pontes-Agentur in Ostritz und mit der Volkshochschule. Bislang am bekanntesten geworden ist der Tschechisch-Unterricht für Erzieherinnen. In diesem Sommer ist noch die Sommerakademie „Lust, unsere Nachbarn zu verstehen“ im Holzhof Zittau geplant.

Familienbildung

Deutscher Kinderschutzbund und das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal haben sich diesem Projekt verschrieben. Erstmals erhält das Projekt in diesem Jahr eine Förderung des Kreises für zwei Stellen. Im kommenden Jahr sind aber Kürzungen auf nur noch 1,6 Stellen vorgesehen. Durch die Träger werden Familienbildungstage und -kurse angeboten. Ziel ist es, die Familie zu stärken und auch die Ausgaben des Kreises für die Jugend- und Sozialhilfe durch vorbeugende Arbeit zu senken.

Visionen machen Schule

Schüler im Alter zwischen 14 und 21 Jahren machen sich hier Gedanken über Lernumfeld, Unterrichtsführung, Lehrmethoden und Mitspracherechte und bauen ein Schulnetzwerk auf. Die Trägerschaft für dieses Projekt hat das Begegnungszentrum im Dreieck in Großhennersdorf. Wichtigste Aktion war bislang der Pädagogische Tag am Seifhennersdorfer Gymi, an dem 850 Schüler teilnahmen sowie die Volleyballnacht am Olbersdorfer See.

Erfinderzentrum

Ursprünglich zusammen mit dem Innovationszentrum vorgesehen, steht nun fest: Ein eigenes Erfinderzentrum wird es in Zittau nicht geben. Stattdessen hat sich die Kegl darauf konzentriert, mit Beratungstagen Tüftlern und Erfindern zu helfen. Regelmäßig findet auch der beliebte Erfinder-Stammtisch in Zittau statt.

Haus der Wirtschaft

Nachdem die IHK in Zittau den Namen für sich reklamiert und durch ein Schild nach außen sichtbar gemacht hat, wird die Kegl als Projektträger im September ins IHK-Seitenhaus in Zittau einziehen. Kegl-Geschäftsführer Jens Grunewald ist so zuversichtlich, dass er sagt: „Vielleicht sollte man überlegen, das Projekt aus dem Zukunftsprogramm freizugeben, denn es ist ein Selbstläufer.“ Das heißt nicht, dass es von alleine läuft. Für dieses Jahr beantragte die Kegl zu spät Mittel beim Landkreis. Daraufhin fragte Kreisrat Dietrich Schulte (FDP) im Verwaltungsausschuss: „Wäre das Haus der Wirtschaft bei der IHK besser aufgehoben?“

Die Bürgerstiftung feiert heute Abend, ab 19 Uhr, in der Löbauer Johanniskirche. Zu Beginn hält Thomas Kegel aus Berlin einen Vortrag darüber, wie Menschen fürs Ehrenamt angesprochen werden können. Anmeldungen unter 03583/5 86 57 33.