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„Bürgerwehr ist keine schlechte Sache“

Pethaus Ortschef Andreas Nietsch verteidigt die Idee von Anwohner-Streifen, denkt aber, dass sich nicht genügend Freiwillige finden.

© Jan Lange

Von Jan Lange

Die gesunde Drittelstunde

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Pethau. In Pethau will sich eine Bürgerwehr gründen – so hieß es vor Kurzem. Die SZ sprach mit Pethaus Ortsbürgermeister Andreas Nietsch über das Ansinnen.

Herr Nietsch, warum braucht es in Pethau eine Bürgerwehr?

Die Kriminalität hat auch in Pethau zugenommen. Im Autohaus Strauß gab es im November einen Einbruch in die Waschanlage. Und mir haben Einbrecher eine Weihnachtsüberraschung bereitet, sie sind in der Nacht zum 24. Dezember in die Garage eingestiegen. Zählt man alle Garageneinbrüche dazu, die vor allem an der Blumenstraße häufig vorkommen, ist es mehr geworden als früher. Deshalb kann ich das Ansinnen, eine Bürgerwehr zu gründen, verstehen. Aus meiner Sicht ist es keine schlechte Sache, um mehr Sicherheit zu gewährleisten.

Die Polizei ist von der Gründung von Bürgerwehren nicht begeistert.

Wenn jemanden zweimal das Auto gestohlen wird, ist das nicht einfach. Ich kann dann verstehen, dass man auf diese Gedanken kommt. Materielle Dinge lassen sich über die Versicherung ersetzen, aber das Sicherheitsgefühl nimmt dadurch deutlich ab. Ob sich die Pethauer durch eine Bürgerwehr sicherer fühlen, da käme es auf einen Versuch an. Eine solche Truppe könnte Diebe vielleicht abschrecken. Natürlich kann eine Bürgerwehr auch nach hinten losgehen, wenn sich irgendwelche Truppenteile zusammentun, die mehr Schaden anrichten, als sie Nutzen bringen.

Die Polizei hat auch den eigenen Schutz der Leute im Blick.

Der Eigenschutz hat Vorrang. Man weiß nie, was die Diebe in den Taschen haben. Ein Messer würde ausreichen.

Begibt man sich mit einer Bürgerwehr nicht auf rechtlich unsicheres Gebiet?

Nach deutschem Recht, so sehe ich das, kann man Täter festsetzen, wenn man eine Straftat beobachtet. Um die Täter festzuhalten, können auch mehrere Personen eingreifen.

Eine Bürgerwehr müsste rund um die Uhr unterwegs sein, um Einbrüche zu verhindern.

Die Einbrecher kundschaften tagsüber die Orte aus, das hat auch jüngst die Festnahme von zwei Ukrainern in Hörnitz gezeigt. Sie hatten auf ihrem Handy mehrere Einfamilienhäuser fotografiert. Wenn sie sehen, dass im Ort eine Streife unterwegs ist, schreckt das vielleicht ab.

Um eine Bürgerwehr zu gründen, braucht es auch genügend Mitstreiter. Gibt es die überhaupt in Pethau?

Angesprochen wurde ich von Feuerwehrleuten. Wenn sich genügend Leute finden, dann habe ich nichts gegen die Gründung einer Bürgerwehr. Aber ich denke, dass es an ausreichend Freiwilligen fehlt und die Sache deshalb im Sande verlaufen wird.

Sie wollten mit der Polizei sprechen. Was ist dabei herausgekommen?

Da es in den vergangenen Wochen keine weiteren Bestrebungen gab, die Idee einer Bürgerwehr umzusetzen, habe ich auch nichts mehr unternommen.

Von Pethauern ist zu hören, dass seit der Meldung in der SZ, dass eine Bürgerwehr gegründet werden soll, mehr Polizei im Ort unterwegs ist. Haben Sie das auch festgestellt?

Ich habe das auch gehört, dass die Polizei verstärkt durch den Ort fährt. Aber leider ist das nur tagsüber der Fall.

Was wäre denn aus Ihrer Sicht eine Alternative zu einer Bürgerwehr?

Die Leute müssten selber für mehr Sicherheit sorgen. Das ist auch schon geschehen. Einige Eigentümer haben ihre Grundstücke mit Sicherheitstechnik aufgerüstet. Wir haben zum Beispiel die Kellerfenster vergittert. Dafür braucht es jedoch Eigeninitiative und die Leute müssen erst mal Geld ausgeben. Aber diese Investition kann sich schon lohnen.

Sie haben mehrere Einbrüche in Pethau erwähnt, darunter einen in der eigenen Gärtnerei. Sind in diesen Fällen schon Täter gefunden worden?

Soweit ich weiß, sind bis jetzt noch keine Täter ermittelt.