merken
PLUS Weißwasser

Bundesbehörde expandiert in Weißwasser

Bisher arbeiten 50 Mitarbeiter in der Bafa-Außenstelle. Bald sind es 110. Dafür wird nicht nur in Büros investiert.

Noch laufen Einarbeitung, Bewerbergespräche, Bauarbeiten beim Bafa parallel.
Noch laufen Einarbeitung, Bewerbergespräche, Bauarbeiten beim Bafa parallel. © Sabine Larbig

Während im zweiten Obergeschoss im Sparkassengebäude in der Bodelschwinghstraße noch die Bauarbeiter tätig sind, werden anderswo im Gebäude bereits eingestellte Mitarbeiter für ihre künftigen Aufgaben fit gemacht. „Diese Kollegen sind in Zukunft für die Bearbeitung von Anträgen aus dem ganzen Bundesgebiet im Rahmen des Marktanreizprogrammes 2020 – Heizen mit erneuerbaren Energien zuständig“, erklärt Ina Bartmann, Leiterin der Außenstelle Weißwasser des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Dass es die Bundesbehörde in Weißwasser gibt, ist Folge von Forderung der Stadt und Landesregierung, im Zuge des Strukturwandels eine Bundesbehörde anzusiedeln. Als Maßnahme der Entwicklung und als gewissen Ausgleich für den Wegfall gut bezahlter Kohlearbeitsplätze in der Region.

Bewerbergespräche per Video

Erst im Mai wurde die Außenstelle der Bundesbehörde offiziell eröffnet – unter den Bedingungen durch Corona mit Livestream zu Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Weißwassers OB Torsten Pötzsch. Eingestellt worden sind bereits die ersten 50 Mitarbeiter. Sie kommen aus Weißwasser und direkter Umgebung, aus Spremberg, Bautzen, Görlitz oder Forst. Weitere 60 Mitarbeiter folgen ab 1. August 2020, um nach ihrer Einarbeitung ab Herbst im Energieinformationscenter, dem Servicebereich, tätig zu sein. Momentan laufen noch die Bewerbungsgespräche. Per Videokonferenz mit der Zentrale in Eschborn. „Damit halten wir Corona-Schutzmaßnahmen ein, werden Dienstreisen und lange Wege für Mitarbeiter der Zentrale und Bewerber vermieden, setzen wir moderne Bürowelt in die Praxis um “, begründet Bartmann das neu eingeführte Verfahren. Abgesehen davon leistet die Bundesbehörde, die mit Aufgaben innerhalb des Klimaschutzes und des damit verbundenen Strukturwandels beauftragt ist, natürlich eine Vorbildfunktion.

Anzeige
Ferientipps für Sachsen
Ferientipps für Sachsen

Da ist sie, die schönste Zeit des Jahres - die Sommerferien! Wir haben die Freizeittipps für Familienausflüge in Sachsen und Umgebung.

Vorbild ist die Behörde ebenfalls als Arbeitgeber. Büro-, Konferenz- und Aufenthaltsräume in Weißwasser werden unter Einbeziehung von Ideen und Vorschlägen der Mitarbeiter gestaltet. Viel Licht, Pflanzen und Farben, bequeme Sessel und Sitzecken in Aufenthaltsbereichen, gesundheitsfördernde Büroausstattung, von Mitarbeitern selbst angefertigte Fotos, Aquarelle und Regale in den Fluren gehören ebenso zur Ausstattung wie behindertengerechte Arbeitsplätze und Einrichtungen oder ein Eltern-Kind-Büro. Selbst das zwischen 6 und 20 Uhr festgelegte Arbeitszeitfenster ermöglicht Mitarbeitern, selbst zu bestimmen, wann sie arbeiten. „Uns ist Familienfreundlichkeit, Wohlfühlen, Teamarbeit, Kreativität und Motivation nicht nur wichtig. Es wird gelebt“, unterstreicht Ina Bartmann.

Derart attraktive Rahmenbedingungen sind regional noch immer eher selten anzutreffen. Doch wichtiger war und ist den meisten Bewerbern, einen gut bezahlten und zukunftssicheren Behördenjob in der von Struktur- und Demografiewandel sowie Arbeitsplatzverlust geprägten Region zu haben. Da wundert es nicht, dass es in der ersten Bewerbungsphase über 400 und aktuell 330 Bewerbungen gab: von Verkäuferinnen, Malern, Kfz-Schlossern, Bäckern; von jungen Menschen, Menschen mit Behinderung und 60-Jährigen; von Menschen mit, ohne oder bisher nur einem Minijob.

Außenstelle-Erweiterung anvisiert

„Wir haben keine Altersgrenze und bei der letzten Ausschreibung bewusst nur einen Berufsabschluss gefordert, damit sich gerade in der vom Strukturwandel betroffenen Region ganz viele Menschen bewerben können und eine Chance auf eine neue berufliche Perspektive erhalten“, sagt Bafa-Präsident Torsten Safarik. Geht es nach ihm, soll die Außenstelle Weißwasser im nächsten Jahr weiter wachsen, erneut eine offene Ausschreibung mit großer Bandbreite für interessierte Bewerber erfolgen. Momentan sieht es noch nicht danach aus. Doch das kann sich schnell ändern. „Als Universalbehörde des Bundes erhalten wir ständig neue und zusätzliche Aufgaben“, weiß Torsten Safarik.

Aktuell umfassen die Aufgabengebiete das Bundesförderprogramm „Heizen mit erneuerbaren Energien“ und das Servicecenter. „Innerhalb des Programms stieg das Antragsvolumen im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 191 Prozent. Wir brauchen als Behörde die neuen Kolleginnen und Kollegen in Weißwasser daher dringend“, so der Bafa-Präsident. Zudem komme bald auch die Bearbeitung und Auszahlung des sogenannten Anpassungsgeldes Braunkohle für Kohlekumpel ab 58 Jahren, die durch Arbeitsplatzverlust direkt vom Kohleausstieg betroffen sind, hinzu. Noch befindet sich der Bereich jedoch im Aufbau.

Bafa wird Mieter in der Gauß-Straße

Weil für die Aufgaben, die ab Herbst von 110 Mitarbeitern in der Bafa-Außenstelle Weißwasser bearbeitet werden müssen, der Platz in der Bodelschwingstraße nicht mehr ausreicht, ist bis zum 1. August zusätzlich eine bezugsfertige „Außenstelle“ der Außenstelle erforderlich. Ausgebaut und saniert im Auftrag des Bundesimmobilienamtes werden dafür bereits das zweite und dritte Obergeschoss in der Carl-Friedrich-Gauß-Straße 1. Die Landesimmobilien, in der sich ebenfalls das Grundbuchamt befindet, sei, laut Bafa-Präsident Torsten Safarik, eigentlich für eine andere Nutzung vorgesehen gewesen. Deshalb habe man sich im Vorfeld der Behördenansiedlung in Weißwasser parallel geeignete Objekte in Niesky angesehen. Letztlich seien die Ausweichpläne „dank des Engagements des sächsischen Ministerpräsidenten“ wieder fallengelassen worden.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser