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19 Angriffe auf Bahntechnik in fünf Jahren

Die Neiße-Brücke in Hirschfelde ist ein beliebtes Ziel für Diebe. Warum die Kriminellen zuletzt weniger aktiv waren, hat einen Grund.

Eines der mehradrigen Kabel, das Diebe an der Hirschfelder Neißebrücke abgeschnitten haben.
Eines der mehradrigen Kabel, das Diebe an der Hirschfelder Neißebrücke abgeschnitten haben. © Bundespolizei

Solange es die kupferhaltigen Signalkabel an der zwischen deutschem und polnischem Gebiet wechselnden Bahnstrecke Zittau-Görlitz gibt, ist sie Ziel von Dieben. Wie die für die Bahnsicherheit zuständige Bundespolizei auf SZ-Anfrage jetzt mitteilt, hat sie allein seit 2016 19 Diebstähle oder versuchte Diebstähle an, auf oder in der Nähe der Hirschfelder Neiße-Brücke mit einem geschätzten Gesamtschaden von über 100.000 Euro registriert. Das Kupfer der Kabel wird von den Dieben sehr wahrscheinlich bei Buntmetallhändlern zu Geld gemacht.

Der jüngste Fall passierte im Januar 2020. Unbekannte Täter hatten am Bahnhaltepunkt in Hirschfelde versucht, Kabel zu stehlen. "Dazu öffneten sie mehrere Kanalabdeckungen und legten dadurch die Kabel frei", so die Bundespolizei. Gestohlen wurde aber nichts.

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2019 wurden bei zwei Taten 570 Meter hochwertiges, mehradriges Bahnsignal- und -Telefonkabel gestohlen. "Besonders dreist", so die Bundespolizei, gingen Verbrecher Mitte Dezember bei einem weiteren Fall an der Neiße-Brücke vor: Sie versuchten mit einer fast fünf Meter langen Birke einen rund 400 Kilogramm schweren Betondeckel eines Kabelschachtes aufzuhebeln. Der Baum "ragte mit dem anderen Ende in das Gleis", heißt es zu dem Vorfall. Zum Glück wurde das noch bemerkt, bevor ein Zug die Stelle passierte. 

Generell ist durch die Diebstähle bisher niemand zu Schaden kommen. "Bei einem Durchtrennen des Signalkabels geht beim Fahrdienstleiter sofort ein Warnsignal ein, woraufhin der Zugverkehr informiert und auf langsamere Ersatzsignalfahrt umgestellt wird", so Bundespolizei-Sprecher Alfred Klaner.

2018 war seit Langem das schlimmste Jahr

2018 war seit Langem das Jahr mit den meisten Diebstählen: sechs Mal wurden hochwertige Bahnsignalkabel, einmal ein Ersatzkabel gestohlen und drei Mal scheiterten Versuche. Außerdem wurde in einem Fall ein Ersatzkabel von Unbekannten auf Gleise gelegt und durch einen darüberrollenden Zug zerstört. 

2018 war auch das Jahr, in dem ein Augenzeuge auf polnischer Seite eine Stelle entdeckte, an der die Isolierung von Kabeln abgebrannt wurde. Die Diebe müssen in der Regel das Diebesgut auf offenen Feuerstellen abbrennen, weil sonst die Herkunft der Kabel durch Aufschriften oder Ähnliches beim Ankauf durch den Schrotthändler erkennbar wäre.

2016 wurde beim Versuch, Kabel zu stehlen, eine Schrankenanlage in Mitleideschaft gezogen. 2017 wurden einmal sogenannte Gleishaltespangen und zweimal Signalkabel gestohlen. 

Bahn und Bundespolizei reagieren

Die Kriminalität an und um die Hirschfelder Brücke ist der Bahn vor zwei Jahren zu viel geworden. "Die Deutsche Bahn Netz AG hat kurz vor und auf der Neiße-Bahnbrücke statt dem mehradrigen teuren Spezialkabel aus Kupfer im 2. HJ 2018 einfacheres dünnes Kabel verlegt", teilte Klaner mit. Oberirdisch. "Dieses wurde in der Folge nicht mehr gestohlen", so Klaner weiter. "Es kam lediglich zu zwei bis drei Fällen, in denen das recht dünne Kupferkabel ein Stück auf die Gleise gelegt wurde und dies durch  die Zugüberfahrt zerstört wurde." In einem Fall seien Kinder erwischt worden, die ins polnische Inland flüchteten. Im Gleisbereich zwischen Hirschfelde und der Brücke verläuft das Bahnsignalkabel unterirdisch in Kabelschächten. 

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Die Bundespolizei selber hat insbesondere 2018 die Neiße-Brücke als Schwerpunkt erkannt und häufiger Streifen vorbeigeschickt. "Die vermutlich polnischen Diebe können aufgrund der Grenznähe im polnischen Inland fliehen", so Klaner. Dementsprechend brachten Zeugenaufrufe auf deutscher Seite keine Ergebnisses. Trotz der wirksamen baulichen Veränderung der Deutschen Bahn AG und der danach rückläufigen Zahl von Diebstählen schauen die Bundespolizisten auch heute noch regelmäßig an der Bahnbrücke vorbei. 

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