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Buntes Wandbild für grauen Plattenbau

Ein Block an der Schäferstraße wurde bemalt. Jens Besser verschönert freie Flächen. Die Suche danach wird schwieriger.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Lars Kühl

Die Fahrer riskieren schon mal einen Blick aus dem Seitenfenster, wenn sie auf der Schäferstraße durch die Friedrichstadt rollen. Fußgänger bleiben stehen und schauen nach oben: Was macht der Mann da auf der gelben Arbeitsbühne an der Häuserwand? Jens Besser ist wieder am Werk. Der freischaffende Künstler bemalt Wände. Je größer, umso besser.

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Ganz legal, denn er wird damit beauftragt. Doch dieses Mal ist die Arbeit etwas Besonderes. Denn der 32-Jährige macht sich an einem Plattenbau zu schaffen. Ein privater Eigentümer, dem der Wohnblock zwischen Löbtauer und Behringstraße gehört, hat ihn darum gebeten. „So etwas gibt es leider viel zu selten“, sagt Besser. Geeignete Flächen zu finden, sei wirklich schwer. Der Auftraggeber ist durch frühere Werke auf den Wandmaler aufmerksam geworden. Um die Ecke hatte Besser vor zwei Jahren bereits die Giebel von zwei Häuserblöcken verschönert. Das helle und das dunkle Bild bedeuten „Tag und Nacht“ und haben einen Bezug zur Friedrichstadt. Für sein neues Werk hat der gebürtige Freiberger noch keinen Namen, obwohl es seit Donnerstag fertig ist.

Am Montag hatte Besser mit der Grundierung begonnen. Das war ziemlich schwierig, weil er die Farbe auf Platten auftrug, die zu DDR-Zeiten typischerweise mit Unmengen von Kieselsteinen verziert worden waren. Deshalb nutzte Besser eine Fassadensprühpistole. Schnell leuchteten die rund 50 Quadratmeter über fünf Geschosse in sattem Dunkelgrün. Nach und nach trug der ehemalige Student der Hochschule für bildende Künste danach mit der Spraydose seine Linien und Motive auf. „Das Bild ist sehr grafisch“, findet Besser. Er hat fast nur Grün verwendet – in hellem und in dunklem Ton. Die Motive sind sehr fantasievoll: Es gibt Häuser in Form eines Tetrapacks oder einer alten Kaffeemaschine, dazwischen Details wie ein kleines Klavier.

Mit Bessers neuestem Werk zieren die Friedrichstadt in verschiedenen Straßen nun dreizehn Wandbilder. Nicht alle sind von ihm. 2011 und 2012 hatte er andere Muralisten – so nennen sich die Künstler in Anlehnung an das spanische „muro“ für Wand – eingeladen. Zwölf kamen aus Italien, Spanien, Kanada, den Niederlanden, Rumänien, Bulgarien, den USA und Deutschland. Meist arbeiteten zwei zusammen. In diesem Jahr sind noch weitere Aktionen von Muralisten geplant.