merken
PLUS Sebnitz

Daher wird um Burg Hohnstein gebangt

Die Öffnung der Herberge nach Corona war die Rettung für die historische Anlage. Aber nur die vorläufige.

Burg-Gäste Maria Roth und Dirk Gabel aus Bautzen. Die Hohnsteiner Herberge harrt der Sanierung.
Burg-Gäste Maria Roth und Dirk Gabel aus Bautzen. Die Hohnsteiner Herberge harrt der Sanierung. © Steffen Unger

Die Touristen Maria Roth und Dirk Gabel haben es sich in ihrem Zimmer auf Burg Hohnstein gemütlich gemacht. Beide waren die letzten Tage auf dem Malerweg unterwegs. Eine Station zum Übernachten war die Burg Hohnstein. Und beide waren froh, sich auf der Burg von der Wandertour wieder erholen zu können. 

Für die Burg selbst war die Wiedereröffnung am 18. Mai die Rettung, nicht zuletzt finanziell. "Mit Übernachtungen und Halbpension und dem personaloptimierten Einsatz über die Kurzarbeiterregelung kann nun wieder Liquidität aufgebaut werden", sagt Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD). Heißt: Es kommt wieder Geld in die Kasse und das, ohne die kompletten Kosten zu haben. Das kann Tourismuschef André Häntzschel, zugleich auch Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, nur bestätigen. 

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnenschutz
Sommer, Sonne, Sonnenschutz

Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Man fahre derzeit auf der Burg mit einem kleineren Beherbergungsbetrieb, also Hotel und Herberge mit der erlaubten Belegung. Damit kommen täglich immerhin wieder 60 bis 70 Gäste zusammen, die der Burg Leben einhauchen. Die Nachfrage im Wander- und Ausflugsbereich sei einfach sehr gut. Ansonsten gibt es keine Gruppen, keine Veranstaltungen und keine Feiern. Deshalb wird es auch weiter Kurzarbeit geben. "Für den Ausgleich der Corona-Verluste warten wir zum Zeitpunkt auf die Bestätigung des Zuschusses für soziale Organisationen. Aus eigener Kraft kann der Betrieb sich unter diesen Bedingungen nicht selbstständig retten", sagt der Geschäftsführer.

Das dicke Ende kommt noch

Während sich die Burg Hohnstein wieder mit Leben füllt, taucht aber ein ganz anderes noch viel größeres Problem auf. Und das könnte alle bisherigen Bemühungen komplett zunichte machen. Das Planungsverfahren ist zwar in vollem Gange und im September beziehungsweise Oktober sollen dann die Beschlüsse gefasst werden, um die Bauarbeiten an Firmen zu vergeben.

Doch selbst für die Planungsleistungen benötigt die Stadt Hohnstein die Fördermittelzusage für die Stadtsanierung durch den Freistaat. Diese hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer am 4. August letzten Jahres bei seinem Besuch auf Burg Hohnstein in Aussicht gestellt. Doch mehr ist bislang nicht passiert. Fast ein Jahr ist das nun her und in Hohnstein sitzt man wie auf glühenden Kohlen. In den Sommermonaten müsse es dringend ein Signal aus Dresden geben, sagt der Bürgermeister. Ansonsten ist alles andere in Gefahr. Aus diesem Grund hatte Daniel Brade alle beteiligten sächsischen Ministerien am 11. Mai zum Sachverhalt angeschrieben. Auf eine Antwort wartet er bis heute.

Landrat Michael Geisler (CDU) informierte zwischenzeitlich, dass die Sächsische Aufbaubank eine Aufnahme des Vorhabens in ein Programm der Städtebauförderung im Jahr 2020 nicht in Aussicht stellen kann. Die Planungsleistungen, die ursprünglich schon im Stadtrat am 24. Juni vergeben werden sollten, wären also nicht förderfähig. Sollte es nun tatsächliche keine Wende geben und Hohnstein in diesem Jahr trotz Zusage des Ministerpräsidenten keine Stadtsanierungsmittel erhalten, käme nur noch in Betracht, dass die Stadt die Planungsleistungen vollständig aus Eigenmitteln bezahlen müsste. Das wären satte 1,3 Millionen Euro. Laut Landrat  Michael Geisler könnte das Geld auch aus der Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Landkreis über 1,6 Millionen Euro kommen. "Angesichts der im Weiteren erforderlichen Eigenmittel ist dies eine unrealistische Variante", schätzt der Landrat ein. Denn der Stadt Hohnstein blieben dann aus der Landkreisvereinbarung nur noch 300.000 Euro übrig. Mit der Summe könne niemand mehr agieren. 

Bundesmittel in der Warteschleife

Bereits sicher sind die die 2,7 Millionen Euro Fördermittel vom Bund aus dem Bereich Kultur und Medien. Um diese nutzen zu können, benötigt die Stadt ebenfalls die Kofinanzierung des Freistaates. Für Daniel Brade drängt die Zeit. Wenn nicht spätestens im Herbst die Planungsaufträge vergeben werden, könnten die Bewerber sogar die Stadt verklagen wegen Verzögerung des Verfahrens. Letztlich wäre das wohl das endgültige Aus für Hohnsteins Pläne, die Burg weiter für die Öffentlichkeit zu erhalten. Damit schwebt dann wieder der Verkauf des Anwesens über der Stadt. 

Der Landkreis arbeitet unterdessen das Instandhaltungsprogramm weiter ab. So wurde in den Monaten Februar und März die Heizungsanlage repariert.  In den Häusern eins und drei wurden die Brandmeldeanlagen erneuert. Damit ist dort die Betriebssicherheit wieder hergestellt. Und die Stadt Hohnstein bereitet eine Spendenaktion vor, aus dessen Erlös ein zweiter Rettungsweg finanziert werden soll.  

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Sebnitz