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Döbeln

Burgbrunnen gibt Geheimnis nicht preis

Auch in 66 Metern Tiefe sind keine Hinweise darauf gefunden worden, in welchem Jahr der Brunnen angelegt wurde. Jetzt kann nur noch der Zufall helfen.

Burgchefin Susanne Tiesler und der technischer Leiter Jörg Nollau weihen den neuen, alten Burgbrunnen von Mildenstein mit einem Schluck Sekt ein.
Burgchefin Susanne Tiesler und der technischer Leiter Jörg Nollau weihen den neuen, alten Burgbrunnen von Mildenstein mit einem Schluck Sekt ein. © Dietmar Thomas

Leisnig. Wer in Höhlen forscht, der rechnet bisweilen mit Überraschungen. Doch die kann es auch auf einer Burg wie Mildenstein geben. Das haben die Mitglieder des Vereins Höhlen- und Karstforschung Dresden in den vergangenen Jahren in Leisnig erfahren. Am Dienstag nun war Bernd Wutzig von diesem Verein beim Abschluss der „Expedition Burgbrunnen“ dabei.

Der Technische Leiter der Burg Mildenstein Jörg Nollau ließ es sich bei dieser Gelegenheit nicht nehmen, Baubeteiligte wie Arbeiter, Planer und Vertreter des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (Sib) noch für ein paar Minuten an der Erstbefahrung nach 191 Jahren teilzunehmen zu lassen.

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 So lange hatte niemand mehr in den alten Burgbrunnen geschaut. Der wurde, so die Aufzeichnungen, 1810 mit einer Abdeckung versehen, vorher mit Material wie Bauschutt verfüllt. 

Das Protokoll der Erstbefahrung vom 23. Februar 2001 in damals 42 Meter Tiefe liest sich recht abenteuerlich. Das winterliche Wetter mit Schnee und Kälte machte den Höhlenforschern zu schaffen. Trotzdem wollen sie unbedingt nach unten. Als Nollau die Aufzeichnungen vorliest, scheint sich Forscher Wutzig noch an jeden einzelnen Moment zu erinnern.

Unerwartetes ist eingetreten

Für Burgleiterin Susanne Tiesler ist es ein schöner Moment, den freigelegten und mit einer ansehnlichen Krone versehenen Burgbrunnen wieder einzuweihen. „Er gehört einfach hierher und macht auch ein Stück der Entwicklung deutlich“, sagte sie. Besucher und Schüler können sich bei Projekttagen mit Blick in den Brunnen nun sicher noch viel besser vorstellen, wie mühselig es war, Trinkwasser für die Burgbewohner zu gewinnen. 

Als Brauchwasser hielt auch Regenwasser her, das in Zisternen aufgefangen wurde, erklärte Sabrina Wittka vom Landesamt für Archäologie. Sie hat die Freiräumung des Brunnens im Winter begleitet und ihren Abschlussbericht so gut wie fertig. 

Sie wartet lediglich noch auf das Ergebnis, wie alt im Brunnen gefundenes Holz ist. Dann kann sie sich vorstellen, zusammen mit der Museologin von Mildenstein eine kleine Ausstellung mit dem Material zu gestalten, das der Brunnen „hergegeben“ hat.

Für Sabrina Wittka war es nicht überraschend, die Endtäufe in 66,15 Metern – und damit elf Meter unter Muldenniveau – vorzufinden. Das sei abzuschätzen gewesen, sagte sie. Keine neuen Erkenntnisse habe es dazu gegeben, wann genau der Brunnen angelegt oder genauer gesagt fast lotrecht in den Felsen gehauen worden ist. Darauf hatten alle Beteiligten ein wenig gehofft.

Bleibt der Brunnenbau nun ein ewiges Geheimnis? „Das muss nicht sein“, so die Archäologin. In alten Papieren könne irgendwann ein Nachweis darüber gefunden werden, wer den Auftrag ausgelöst, wer wann was dafür bezahlt hat. Allerdings dürfte das Zuordnen schon knifflig sein. Denn häufig sei von „Borne“ die Rede. 

Dabei müsse es sich aber nicht zwangsläufig um diesen großen Brunnen handeln. Auch andere Wasserfassungen wie Zisternen seien zeitweise so bezeichnet worden.

Eines steht aber fest. Das jetzige Wiederherstellen des Brunnens hat rund 370 000 Euro gekostet – einschließlich der Kosten, die das Landesamt für Archäologie für die Grabungen berechnet hat. Das teilt Alwin-Rainer Zipfl, Pressesprecher des Sib, auf Anfrage mit.

Dass sich das Hoffen auf weitere Erkenntnisse über den Brunnen auf jeden Fall lohnt, hat die bisher abenteuerliche Erkundung mehr als deutlich gezeigt. In einem Protokoll der Karstforscher von 2001 heißt es: „Unsere Arbeitsbühne haben wir im Brunnen belassen – falls es wider Erwarten zu einer Brunnenrestaurierung kommen kann...“

Daran haben Brigitte Riese, ehemalige Direktorin von Burg Mildenstein, und Bernd Wippert, späterer Burgchef, schon in den 1990er-Jahren fest geglaubt. „Schön ist er geworden“, schwärmte Bernd Wippert am Dienstag, als er den restaurierten Brunnen bewunderte. 

Bis dahin war es ein weiter Weg, die Erstbefahrung 2001 nur eine erste Etappe. 2008 gab es für die Brunnenöffnung die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde. 2015 liefen die Planungen an, der Bau begann 2016. Im Februar 2019 wurde die Brunnensohle erreicht.