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Bus mit Hänger kehrt zurück

Der neue Bus im Detail

Von Robert Reuther

Das monotone Motorgeräusch fehlt. Das ist das Erste, was auffällt, wenn man in den Sitz sinkt und draußen die Riesaer Innenstadt an einem vorbeizieht. Wo sonst der leise Busantrieb zu hören ist, erklingt maximal das Laufen der Räder. Ansonsten ist der Unterschied von außen größer, als von innen. Ein Bus mit Passagieranhänger, das hat es in Riesa seit 50 Jahren nicht mehr gegeben. Damals fuhren schon die alten Skoda-Busse mit Hänger durch den Ort. An den Anblick müssen sich die Riesaer in den kommenden zwei Wochen erst wieder gewöhnen. Die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) testet in dieser Zeit in der Elbestadt ein völlig neues Buskonzept. Anstelle eines teuren Gelenkbusses fährt zu bestimmten Zeiten der Bus mit Hänger durch den Landkreis.

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Eine direkte Kommunikation zwischen den Fahrgästen im Anhänger und dem Fahrer ist natürlich nicht möglich. Dafür gibt es aber einen Notrufknopf, über den gesprochen werden kann. Es ertönt aber kein akustisches Signal in der Fahrerkabine, es leuchtet nur e
Eine direkte Kommunikation zwischen den Fahrgästen im Anhänger und dem Fahrer ist natürlich nicht möglich. Dafür gibt es aber einen Notrufknopf, über den gesprochen werden kann. Es ertönt aber kein akustisches Signal in der Fahrerkabine, es leuchtet nur e
Die Anhängekupplung ist ein Wunderwerk der Hydraulik. Sie fängt Stöße so ab, dass der Fahrgast im Hänger keinen Unterschied zwischen dem Anfahren im normalen Bus oder im Anhänger merkt. Dasselbe gilt für das Abbremsen. Der Hänger verläuft zudem identisch
Die Anhängekupplung ist ein Wunderwerk der Hydraulik. Sie fängt Stöße so ab, dass der Fahrgast im Hänger keinen Unterschied zwischen dem Anfahren im normalen Bus oder im Anhänger merkt. Dasselbe gilt für das Abbremsen. Der Hänger verläuft zudem identisch
Der Bus mit Anhänger ist mehr als 20 Meter lang. Für die Nutzung im Straßenverkehr braucht es eine Sondergenehmigung, weil der Bus Überlänge hat. Und es geht sogar noch länger. Es gibt eine zweite Version, bei der das Gespann fast 23 Meter lang ist. Im et
Der Bus mit Anhänger ist mehr als 20 Meter lang. Für die Nutzung im Straßenverkehr braucht es eine Sondergenehmigung, weil der Bus Überlänge hat. Und es geht sogar noch länger. Es gibt eine zweite Version, bei der das Gespann fast 23 Meter lang ist. Im et
Ulrich Liebisch ist seit 34 Jahren Busfahrer. Er hat in seinem Leben schon viele Busse gelenkt. Von dem alten neuen Bus mit Anhänger ist er begeistert. Trotz seiner Überlänge sei das Gespann extrem wendig und auch in engen Straßen leicht zu steuern. Fotos
Ulrich Liebisch ist seit 34 Jahren Busfahrer. Er hat in seinem Leben schon viele Busse gelenkt. Von dem alten neuen Bus mit Anhänger ist er begeistert. Trotz seiner Überlänge sei das Gespann extrem wendig und auch in engen Straßen leicht zu steuern. Fotos

So will VGM-Geschäftsführer Rolf Baum herausfinden, ob die Busse, die im Kreis Mittweida bereits erfolgreich eingesetzt werden, künftig auch im Landkreis Meißen unterwegs sein können. Und zwar vor allem im Schülerverkehr, in denen die VGM wegen des großen Fahrgastaufkommens auf seine größten Busse zurückgreifen muss. „Jetzt werden entweder ein Gelenkbus oder zwei Standardbusse eingesetzt. Der Nachteil besteht ganz klar darin, dass auch in der Nebenverkehrszeit die hohen Verbrauchskosten eines Gelenkzuges erhalten bleiben, beziehungsweise der zweite Bus Personal- und Betriebskosten verursacht“, sagt Rolf Baum.

Mit dem Personenanhänger könne die VGM hingegen flexibel auf das jeweilige Passagieraufkommen reagieren, da dieser bei Bedarf an- oder abgehängt werden könne. Das spare letztlich vor allem Kraftstoff. Wie ein Gelenkbus verbrauche der Bus mit Anhänger zwischen 40 und 50 Litern auf 100 Kilometer. Ohne Hänger sinke der Verbrauch auf rund 30 Liter. „Das macht schon eine Menge aus“, sagt Rolf Baum. Außerdem sei die Anschaffung eines Gelenkbusses mit 450 000 Euro immerhin rund 50 000 Euro teurer, als die eines Busses mit Anhänger.

Leicht steuerbar trotz Überlänge

Dass das neue Gespann dabei ausgerechnet in Riesa zum Einsatz kommt, hat einen einfachen Grund. Da der Bus mit Hänger ausschließlich von MAN gefertigt wird und die VGM-Experten für diesen Hersteller in Riesa arbeiten, hat sich Rolf Baum für diesen Standort entschieden.

Fahrer Ulrich Liebisch brauchte nur eine kurze Eingewöhnungsphase, um mit dem neuen Bus zurechtzukommen. Er zeigte sich vom Fahrverhalten begeistert. Obwohl das Gespann mit 20,30 Metern mehr als zwei Meter länger ist als ein Gelenkbus, lasse es sich viel leichter steuern. „Der Anhänger ist im Kurvenverlauf identisch mit dem Zugfahrzeug. Dadurch ist der Bus auch in engen Kurven extrem wendig. Beim Gelenkbus kann sich der hintere Teil hingegen bis zu 1,50 Meter versetzen“, sagt Liebisch. Der Anhänger würde zudem weder beim Anfahren noch beim Bremsen ruckeln. „Der Hänger drückt auch nicht nach, wenn ich bremse. Das ist hydraulisch alles abgestimmt“, sagt Ulrich Liebisch.

Bis die Busse mit Hänger täglich über die Straßen des Kreises rollen, dürften aber noch zwei Jahre vergehen. Vorher, räumt Rolf Baum ein, werde es vom Freistaat keine Förderung für die Anschaffung geben. „Es gibt nur Fördergelder, wenn die Fahrzeugflotte im Durchschnitt älter als acht Jahre ist“, so Baum. Da die VGM dieses Jahr erst 15 neue Busse gekauft hat, liegt das durchschnittliche Fahrzeugalter nun unter dem Schwellenwert. Vor 2015 wäre deshalb nicht mit Neuanschaffungen zu rechnen. Wenn es aber dann Geld gibt, dann sollen anstatt neuer Gelenkbusse die Busse mit Anhänger gekauft werden.