merken
PLUS

BuS steht vor dem Verkauf

Ein niederländischer Konzern will Riesas größten Arbeitgeber kaufen. Was aus den 900 Jobs wird, ist zurzeit noch offen.

Von Jens Ostrowski

Wäre es nach Dr. Werner Maiwald gegangen, hätte sein Unternehmen derzeit noch Stillschweigen bewahrt. Da die Neways Electronics International N.V.. als börsennotiertes Unternehmen zur Bekanntmachung verpflichtet ist, blieb aber auch der BuS Elektronik GmbH nichts anderes übrig, als gestern die Belegschaft darüber zu informieren, dass die BuS-Gruppe kurz vor der Übernahme durch den niederländischen Konzern steht. Laut einer von beiden Seiten unterschriebenen Absichtserklärung wird Neways noch in diesem Jahr die Anteile zu einhundert Prozent übernehmen. Das teilte BuS gestern mit.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Derzeit befindet sich das Riesaer Unternehmen in den Händen der Familien Maiwald und Kiel. Werner Maiwald persönlich hatte die BuS Elektronik in Riesa gegründet und ist bis heute Hauptgesellschafter. Damals rettete er ein fast schon zerstörtes Robotronwerk vor dem Niedergang und baute einen modernen Elektronik-Hersteller auf, machte aus einst vier bis heute 900 Angestellte an mehreren Standorten. Bei der ersten Preisverleihung überhaupt kürte ihn die SZ deshalb 2006 zum „Unternehmer des Jahres“. Nun sind die Tage des Machers bei BuS gezählt – auch, wenn er für eine Übergangszeit unter dem neuen Eigentümer noch erhalten bleiben soll. „Ich mache mir bereits seit geraumer Zeit Gedanken darüber, wie es weitergehen könnte“, sagt Maiwald, der mit 75 Jahren auch an die Zeit nach ihm denken und die Weichen für die Zukunft seines Lebenswerks noch selbst stellen möchte. Unter Druck gesetzt habe er sich dabei nicht. „Aber mit Neways passt jetzt eben alles“, sagt er.

Neways ist ein internationaler Anbieter auf dem Elektronikmarkt. Die 13 Tochtergesellschaften beschäftigen in den Niederlanden, Deutschland, Osteuropa und China über 1 900 Mitarbeiter. Der Konzern entwickelt und stellt elektronische Bauteile unter anderem für Luftfahrt, Automobilbranche, Medizin- und Militärtechnik und Telekommunikation her. Der Umsatz ist mit 265 Millionen Euro mehr als doppelt so groß wie der von BuS, das die Hälfte aller Geschäfte in der Automobilbranche tätigt. Nach einem Brand im deutschen Neways-Werk in Kassel im November letzten Jahres hat das Unternehmen den Standort aufgegeben und steht nun auf dem deutschen Markt unter Zugzwang. „Aus diesem Grund ist Neways mit einem konkreten Kaufinteresse an uns herangetreten“, erklärt Maiwald, der durch die Übernahme auch große Chancen für BuS sehe.

„Wir sind stolz auf BuS“

„Wir suchen seit langem nach Lösungen, mit denen wir dem Wunsch unserer Kunden in China erfüllen können, in Asien mit unserer Produktion und unserem Service präsenter zu sein. Das ist über die Standorte von Neways problemlos möglich.“Laut Werner Maiwald nicht der einzige Vorteil für BuS. Demnach gebe es keine Überschneidungen zwischen den Kunden beider Unternehmen, sodass von einer optimalen Erweiterung der Kundenbasis ausgegangen werden könne. Das biete auch neue Wachstumschancen. Zudem könnten beide Unternehmen von unterschiedlichen Synergieeffekten profitieren. Ob damit auch Stellenreduzierungen gemeint sein könnten? „Ich gehe davon aus, dass Neways mit dem Personal weiterarbeitet, das BuS derzeit besitzt“, sagt Maiwald. „Allerdings hing die Anzahl unserer Mitarbeiter auch in der Vergangenheit schon immer mal wieder von Marktschwankungen ab. Da spielt es keine Rolle, wer Eigentümer eines Werks ist.“ Von Neways Electronics International war auf die Frage nach möglicherweise geplanten Kündigungen gestern keine Antwort zu bekommen.

„Im Detail steht der Verkauf auch noch gar nicht fest“, sagt Maiwald. Erst im Juni würden die Verträge unterschriftsreif ausgearbeitet werden. Alles Weitere entscheide sich danach.

Riesas Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer (CDU) sagte gestern auf SZ-Anfrage, sie könne verstehen, dass die Ungewissheit beim Personal jetzt groß sei. Sie hoffe deshalb, dass die BuS-Erfolgsgeschichte künftig weitergeschrieben werde. „Denn die Stadt ist auf die Entwicklung dieses Unternehmens besonders stolz.“