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Wie teuer wird das Busfahren noch?

Zum 1. August kosten die Fahrkarten mehr. Laut VGM wird eine einzige Preisanhebung nicht reichen. Und auch Fahrplankürzungen stehen zur Debatte.

Noch kostet die Einzelfahrt 2,40 Euro, doch bald steigen beim VVO die Preise.
Noch kostet die Einzelfahrt 2,40 Euro, doch bald steigen beim VVO die Preise. © Sebastian Schultz

Landkreis. 2,50 Euro statt 2,40 Euro für eine Einzelfahrt, 6,50 Euro statt 6 Euro für eine Tageskarte: Zum 1. August werden die Tickets im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) teurer. Nachdem die Preise 2019 stabil geblieben waren, dürfte die Preisanhebung 2020 aber nicht die Letzte bleiben.

Die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM), das Unternehmen lässt im Landkreis die meisten Busse für den VVO fahren, wünscht sich eine "regelmäßige Anpassung des Oberelbetarifs an die allgemeine Kostenentwicklung". So heißt es im aktuellen Lagebericht für die Kreisräte. 

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Teurer dürfte es aber nicht nur für die Fahrgäste selbst werden, sondern auch für den Landkreis: Nachdem der bereits Ende 2019 1,6 Millionen Euro zusätzlich an die VGM bezahlt hatte, sollen es dieses Jahr bereits knapp 3,5 Millionen Euro zusätzlich sein.

Der Kreis will das zusätzlich nötige Geld an anderer Stelle einsparen. Die CDU-Fraktion hatte vorgeschlagen, dafür Geld zu verwenden, das man durch den Verzicht auf den Neubau des Landratsamts spare.

"Extrem hohe Tarifabschlüsse"

Aber warum kommt die VGM mit dem Geld nicht aus? Einerseits sinken die Einnahmen: Weil die Zahl der Einwohner auf dem Land leicht sinkt, in Dresden aber steigt, verteilt der VVO die Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen nach einem neuen Schlüssel auf die beteiligten Busunternehmen - zum Nachteil der VGM. Andererseits seien die Kosten der VGM stark gestiegen, vor allem für das Personal. Die Beschlussvorlage für die  Kreisräte spricht von "extrem hohen Tarifabschlüssen", die 2019 durch mehrere Streiks erkämpft worden waren. 

Diese erhebliche Kostensteigerung relativiere sich aber mit Blick auf Sachsen-Anhalt: Dort erhalten Busfahrer bereits "seit Jahren" ein vergleichbares Lohnniveau. Auch müsse man den starken Fachkräftemangel bedenken, so der Landkreis.

Was das angeht, hat der neue Tarif offenbar bereits geholfen: Die VGM werde nun als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen, die Zahl der Bewerberanfragen sei gestiegen, teilt das Unternehmen mit. Zu schaffen mache aber weiterhin ein permanent überdurchschnittlich hoher Krankenstand.

Außerdem befürchtet man bei der VGM, dass die Kosten auch künftig weiter steigen werden: durch mögliche weitere Tarifabschlüsse, tarifliche Änderungen zur Arbeitszeit und Urlaubsanspruch, höhere Kraftstoffkosten, steigende Ersatzteilkosten, erhöhte Umweltanforderungen an Busse. 

Es sei auch davon auszugehen, dass die Kosten für die von der VGM beauftragten Vertragsunternehmen ebenfalls steigen: Da die VGM ihren Busfahrern jetzt mehr zahlt, geraten auch die kleineren Unternehmen in Zugzwang - um ihre Fahrer zu halten.

VGM darf fünf Prozent der Fahrten streichen

Die Konsequenz daraus müssten regelmäßige Fahrpreiserhöhungen sein, prognostiziert die VGM. Das alleine werde aber nicht reichen, nötig seien auch jährlich höhere Zuschüsse.

Bei der Kreisverwaltung akzeptiert man das. Gemeinsam habe man das renommierte Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers mit einer Bewertung der wirtschaftlichen Aspekte und dem Entwurf des Änderungsvertrages beauftragt. Das Ergebnis: Trotz der erheblichen Erhöhung arbeite die VGM besonders effizient - "mit Kosten am unteren Ende der Preisskala".

Und weil die VGM schon jetzt effizient wirtschafte, seien weitere Kosteneinsparungen kaum möglich. Durch die Einwohnerentwicklung des Landkreises sei es aber auch unwahrscheinlich, künftig deutlich mehr Fahrscheine zu verkaufen. Die einzige Möglichkeit zu sparen, könne es deshalb sein, das Angebot auf wenig nachgefragten Linien zu verringern. Sprich: weniger Busse fahren zu lassen. "Dies betrifft insbesondere die ländlichen Regionen des Kreises", heißt es in der Vorlage für die Kreisräte.

Mit Bussen aus Dresden waren im September 2019 im Shuttleverkehr Gäste zum Tag der Sachsen in die Riesaer Innenstadt transportiert worden. Das hatte der VGM zwar einmalige Extra-Einnahmen verschafft - die Kosten für die höheren Gehälter aber nicht aufgewo
Mit Bussen aus Dresden waren im September 2019 im Shuttleverkehr Gäste zum Tag der Sachsen in die Riesaer Innenstadt transportiert worden. Das hatte der VGM zwar einmalige Extra-Einnahmen verschafft - die Kosten für die höheren Gehälter aber nicht aufgewo © Sebastian Schultz (Symbolbild)

Der neue Dienstleistungsvertrag sieht vor, dass die VGM ihr Fahrplanangebot pro Jahr um fünf Prozent verringern darf. Dieser Wert sei aus Sicht der Verwaltung vertretbar. "Um tatsächlich Einsparungen zu erzielen, müssten in der Fläche und zeitlich komplex mehrere Fahrten gestrichen, ggf. Linien gekürzt oder eingestellt werden", heißt es. Kürzungen von mehr als fünf Prozent könnten dagegen zu Problemen beim Schülerverkehr führen.

Welche Linien die VGM kürzen will, steht noch nicht fest. Die Streichliste würde dem Kreistag im September 2020 vorgelegt, so dass sie mit dem neuen Fahrplan zum 13. Dezember 2020 gelten würde. Fünf Prozent Fahrten würden laut Plan gut 330.000 Euro weniger Kosten verursachen. Gegebenenfalls würden im Jahr drauf weitere fünf Prozent gekürzt.

Corona-Ausfälle noch gar nicht eingepreist

Die Corona-Folgen sind bei den Berechnungen übrigens gar nicht enthalten: Die konkreten Verluste der VGM seien derzeit noch nicht bezifferbar, weil sie erst im Nachhinein über die Aufteilung der VVO-Einnahmen ermittelt werden. "Mit deutlich mehr als einer Million Euro ist zu rechnen", heißt es in der Kreistagsvorlage.

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Weil die Fahrgastzahlen durch die Pandemie extrem gesunken seien, rechne man mit einem starken Rückgang der Fahrgeldeinnahmen. Für 2020 ohnehin, eventuell aber auch für die folgenden Jahre. "Wie sich die Fahrgastnachfrage in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln wird, ist nicht abschätzbar", heißt es. Der Landkreis sieht sowohl den Bund als auch das Land in der Pflicht, der VGM und den anderen Verkehrsunternehmen die Einnahmeausfälle als "unmittelbare Pandemie-Folgen" auszugleichen.

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