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Riesa

Diebe zerstören Buswartehäuschen 

Um die Vandalismus-Schäden zu verringern, war die Gemeinde auf Kunststoff-Scheiben umgestiegen. Nun hat sie ein neues Problem.

Auf den ersten Blick dürfte es vielen Betrachtern gar nicht auffallen: Doch an der Bushaltestelle Abzweig Naundörfchen wurden vor Wochen die wetterfesten Seitenscheiben gestohlen. Die hatte die Gemeinde nach anhaltendem Vandalismus installieren lassen.
Auf den ersten Blick dürfte es vielen Betrachtern gar nicht auffallen: Doch an der Bushaltestelle Abzweig Naundörfchen wurden vor Wochen die wetterfesten Seitenscheiben gestohlen. Die hatte die Gemeinde nach anhaltendem Vandalismus installieren lassen. ©  Sebastian Schultz

Nünchritz. Eigentlich sollte mit den neuen, schwerer zu zerstörenden Kunststoffplatten alles besser werden. Denn anders als die Scheiben aus Sicherheitsglas gehen die Kunststoffplatten laut Angaben diverser Hersteller sogar bei kräftigen Hieben mit einem Baseballschläger nicht kaputt. 

Für die Gemeinde Nünchritz schien der Kauf solcher sogenannter wetterfester Platten für die Seitenwände ihre Buswartehäuschen demnach genau richtig zu sein. Denn die Scheiben aus Sicherheitsglas hatte man in der Vergangenheit regelmäßig ersetzen müssen, immer wieder waren sie Vandalismus zum Opfer gefallen. Die Kunststoffplatten sollten diesem Treiben nun Einhalt gebieten. 

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Doch stattdessen sind die Scheiben nun zum Ziel von Dieben geworden. Seit Mitte Juli sind die Platten am Buswartehäuschen am Abzweig Naundörfchen verschwunden. Wer nun dort Platz nimmt, sitzt nicht abgeschirmt, sondern völlig ungeschützt vor Regen und Wind.

In ihrem Amtsblatt betitelt die Gemeinde den Vorfall als „neue Qualität des kriminellen Handelns“. Auch der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) zeigt sich von der Entwicklung genervt. „Auf die Idee, dass jemand diese Platten auch noch ausbauen und mitnehmen könnte, sind wir nicht gekommen“, so Barthold.

Anblicke wie am „Merzdorfer Ring“ in Riesa will die Gemeinde vermeiden.
Anblicke wie am „Merzdorfer Ring“ in Riesa will die Gemeinde vermeiden. ©  Sebastian Schultz

Begonnen hatte die Gemeinde den Umstieg von Glasscheiben auf die wetterfesten, robusten und mit Graffiti besprühbaren Platten am Haltepunkt in Nünchritz. „Hier sind und waren die Glasplatten ständig kaputt“, berichtet der Bürgermeister. „Als dann die Glasplatten auch außerhalb von Nünchritz zerstört wurden, haben wir uns entschlossen, diese genauso durch Platten zu ersetzen. Bisher in Grödel und in Merschwitz am Abzweig Goltzscha.“ Und eben am Buswartehäuschen am Abzweig Naundörfchen.

Wie und wann genau die Platten dort weggekommen sind, ist bisher noch unklar. Laut Auskunft der Pressestelle der Polizei müssen die Platten zwischen dem 1. und dem 17. Juli gestohlen worden sein. Hinweise zu möglichen Tatverdächtigen lägen bislang aber nicht vor, teilt ein Sprecher auf Anfrage der SZ mit. Nach wie vor werden Zeugen des Vorfalls gesucht.

Die Gemeinde Nünchritz hat indes das, was sie durch den Umstieg auf die Platten vermeiden wollte: einen finanziellen Schaden und ein kaputtes Buswartehäuschen. Zwar kosten die Kunststoffplatten nur ein Drittel des Preises der Glasscheiben. Dennoch rechnet die Gemeinde mit einem Schaden von rund 600 Euro. Zudem muss jetzt Ersatz beschafft werden. Nicht immer gibt der Haushalt solche außerplanmäßigen Belastungen her.

„Generell ist für den Ersatz zerstörter Anlagen, Bauteile oder Bauwerke die Grundvoraussetzung, dass dafür auch die Finanzmittel im Haushalt der Kommune vorhanden sind“, erklärt Bürgermeister Barthold. „Ein sofortiges Reagieren auf Zerstörungen und Vandalismus, außer wenn davon eine Gefahr ausgeht, ist deshalb nicht selbstverständlich und erforderlich.“

Im konkreten Fall aber seien die finanziellen Mittel für eine Reparatur vorhanden. Dass diese noch nicht durchgeführt worden sei, liege daran, dass die Platten erst auf Maß geschnitten werden müssten. Danach kann das Buswartehäuschen am Abzweig Naundörfchen repariert werden – und hoffentlich lange unversehrt bleiben.

Die Polizei bittet alle Personen, die Angaben zur Tat oder zum Verbleib der Platten machen können, sich telefonisch unter 0351 4832233 zu melden.

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