merken
PLUS

Bye, bye, Bannewitz

Der Dresdner Maschinenbauer gibt seine Baupläne in Bannewitz auf. Dort sieht man sich aber nicht als Verlierer.

Von Verena Weiß

Lange drum herum zu reden brauchte er nicht. Er tat es auch nicht. „Theegarten-Pactec bleibt am Altstandort“, sagt Markus Rustler. Er klingt entschlossen. Und dennoch war der Geschäftsführer des Dresdner Maschinenbau-Unternehmens genau das lange nicht. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht“, sagt er.Mit der Alternative Bannewitz hätte man „gut leben können“. Doch diese Alternative gibt es nicht mehr. Die Firma Theegarten-Pactec gibt ihre rund 30 Millionen Euro teuren Baupläne in Bannewitz auf.

QF Passage Dresden
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert

Die QF-Passage am Neumarkt wird 15 Jahre alt. Grund genug für eine große Party - und jede Menge exklusive Geschenke.

Zwei Kriterien wären laut Rustler für die Entscheidung ausschlaggebend. Da es sich bei der geplanten Fläche an der B 170/ Boderitzer Straße um ein altes Bergbaugebiet handelt, könne es zu Setzungen im Erdboden kommen. Bei einer Firma, die, wie Markus Rustler erklärt, komplizierte Maschinen herstellt, die in ihrer Funktion Präzision erfordern, sei das ein K.-o.-Kriterium.

Aber auch ein weiterer Fakt brachte die Baupläne ins Wanken: Mit dem kürzlich erfolgten Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau der B 170 in Bannewitz würden die voraussichtlich ab 2014 beginnenden Arbeiten an der Bundesstraße die Neubaupläne des Maschinenbauers weiter hinauszögern. Der Grund: Für den Ausbau der Straße müssen zwischenzeitlich Teile des benachbarten Grundstückes genutzt werden. Genau dort wollte aber Theegarten-Pactec so schnell wie möglich mit dem Neubau des Gewerbekomplexes beginnen.

Das Engagement der Bürgerinitiative „Für ein modernes Bannewitz“ gegen die Ansiedlung der Firma nahe des Bannewitzer Ortskernes habe die Pläne hingegen nicht ernsthaft gefährdet, oder wie Markus Rustler formulierte: „Sie konnten keine sachlichen Gründe vorweisen.“ – Von dem K.-o.-Kriterium Bergbau wohl abgesehen.

Dies gelte auch für die insgesamt 43 Stellungnahmen, die zum ersten Vorentwurf des B-Planes vorlagen. Die Größe der Halle, die Nähe zu Ortszentrum und Friedhof sowie die mögliche Lärmbelästigung, die die Anwohner befürchteten, wären allesamt keine Argumente gegen den Neubau gewesen. Auch die rund 700 Unterschriften, mit denen die Bürgerinitiative zusätzlich Druck aufbauen wollte, hätten die Ansiedlung des Unternehmens nicht verhindert – vielleicht aber zusätzlich verzögert. Genau da liegt das Problem: Zeit scheint das zu sein, was die Chef-Etage von Theegarten-Pactec nicht hat.

Seit drei Jahren sucht die Geschäftsführung nach Möglichkeiten, das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 55 Millionen Euro zu erweitern und 50 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Lange bevor Bannewitz ins Spiel kam, gab es Gespräche mit der Dresdner Rathausspitze. Dort erhielt der Maschinenbauer aber zunächst nicht die gewünschte Unterstützung. Offenbar wurde man sich nicht über das Nachbargrundstück an der Breitscheidstraße einig, das Theegarten-Pactec für eine Erweiterung benötigt – bis Bannewitz Verhandlungspartner wurde. Von der Gemeindeverwaltung erhielt Theegarten-Pactec sofort die „beste Unterstützung“, wie Markus Rustler sagte. Im Gegensatz zu Dresden.

Torsten Schulz (Die Grünen), der sich für die Firma im Dresdner Stadtrat starkmachte, sagt: „Der Fall Pactec zeigt, dass Unternehmen in Dresden oft mit einer schwerfälligen Verwaltung zu tun haben.“ In der Vergangenheit habe das bereits zu Wegzügen geführt. Sah Dresden den sicher geglaubten Fang nun plötzlich gen Süden schwimmen? Möglich. Immerhin beschrieb Dirk Hilbert, erster Bürgermeister von Dresden, die schnelle Baugenehmigung für die Firma als „rekordverdächtig“. Zu verdanken habe er das nach eigener Aussage seinen engagierten Mitarbeitern – sicherlich aber auch Bannewitz.

Der Geschlagene nimmt die Niederlage unterdessen sportlich, spricht sogar von einem „fairen Wettkampf“. „Wir bedauern die Entscheidung. Ich sehe Bannewitz aber nicht als Verlierer“, sagt Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos). Vielmehr sei Dresden der Verlierer gewesen, wäre es nicht gelungen, ein so attraktives Unternehmen zu halten. Bannewitz habe es zumindest versucht.

Während Theegarten-Pactec voraussichtlich noch dieses Jahr mit dem Abriss der Brachen in der Nachbarschaft beginnen und anschließend dort die neuen Büroräume errichten will, muss sich Bannewitz neu ausrichten. Für die geplante Fläche an der B 170 wird die Suche nach einem neuen Investor starten. „Eine solche Firma werden wir kein zweites Mal gewinnen“, sagt Fröse. Er stünde künftig aber auch dem Bau von Eigenheimen nicht im Weg – dem Wunsch vieler Anwohner ringsum.