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Hier sind Camper willkommen

Überall stehen Wohnmobile in der Sächsischen Schweiz - auch dort, wo sie nicht dürfen. Einige Städte reagieren darauf kulant. Teil 3 der Camping-Serie.

Ein Platz von vier, die Sebnitz Mitte Juli neu für eine Wohnmobil-Nacht freigegeben hat: der am Solivital.
Ein Platz von vier, die Sebnitz Mitte Juli neu für eine Wohnmobil-Nacht freigegeben hat: der am Solivital. © Daniel Schäfer

Es gibt drei Typen von Campern: Die, die ihre Stellplätze vorab buchen. Dann die, die auf gut Glück losfahren und wenn sie keinen Platz finden, sich irgendwohin stellen. Und schließlich die, die das aus Prinzip machen - zum Beispiel auf den Elbwiesen in Bad Schandau oder am Hohnsteiner Bad. Weil die zweite und dritte Gruppe wächst, wächst auch der Frust - bei den Campern und Rathäusern. Die Camper fühlen sich zum Buhmann gemacht; die Kommunen mit Müll, in öffentlichen Toiletten entsorgtem Wohnwagen-Abwasser und blockierten Pkw-Parkplätzen konfrontiert. Darüber kann man schimpfen oder man kann Alternativen suchen. Zuletzt taten das Bad Schandau und Sebnitz.

Bad Schandau: Wohnmobile statt Busse

Lange tat sich Bad Schandau schwer mit Stellplätzen für Wohnmobile. Schließlich gibt es einen Campingplatz im Ort und der reichte. Bisher. Mit dem aktuellen Ansturm aber änderte sich das, die Kapazitäten sind auch im Umfeld ausgeschöpft. Die Stadt Bad Schandau reagiert nun unkompliziert. Ab Freitag wird das als Busparkplatz gebaute und wenig genutzte Areal am Kiefricht auf der Sebnitzer Straße als Wohnmobilparkplatz ausgewiesen. Noch provisorisch und kostenfrei, aber als Angebot, die die Situation entschärfen wird, sagt Verwaltungskoordinatorin Andrea Wötzel. 

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Die Busse brauchen die für sie vorgesehenen 20 Parkplätze am Kiefricht in Bad Schandau nicht und stehen deshalb ab Freitag für Wohnmobile zur Verfügung.
Die Busse brauchen die für sie vorgesehenen 20 Parkplätze am Kiefricht in Bad Schandau nicht und stehen deshalb ab Freitag für Wohnmobile zur Verfügung. © Daniel Schäfer

Provisorisch heißt, es wird nur ein Müllcontainer aufgestellt. "Mehr können wir an der Stelle derzeit nicht bieten", heißt es. Ein funktionierender Wohnmobilstellplatz muss mehr sein als nur eine Abstellfläche. Wasserentnahme, Abwasser- und Müllentsorgung. "Das aber können wir jetzt kurztfristig nicht lösen", sagt Andrea Wötzel. Dennoch ist der Kiefricht eine Alternative zum Parken auf den Elbwiesen, am Rande des Nationalparkes und auf den öffentlichen Parkplätzen. Dort wird immer öfter Parken zum Campen. Kontrollierbar ist das für die Stadt nur eingeschränkt. Den Schaden haben viele. Die Campingplatzbetreiber, die ihre Plätzen mit vielen Auflagen betreiben und auch Gästetaxe erheben und an die Stadt abführen, die Stadt, der die Einnahmen fehlen und bei der sich Beschwerden häufen und die überstrapazierte Natur. 

Vom Kiefricht-Platz ist man in zehn Minuten nach Schandau gelaufen, der Panoramaweg Richtung Altenberg grenzt direkt an den Platz. Die 20 Plätze werden nun sicher nicht zum Geheimtipp, sind aber für eine Nacht eine Alternative, die niemanden stört.

Sebnitz: Zwölf Euro fürs Stehen

Sebnitz hat bereits Mitte Juli auf den neuen Ansturm der Campingfreunde reagiert. Auf vier Plätzen wurden Möglichkeiten für Wohnmobile ausgewiesen - ohne Wasser- und Stromanschlüsse. Die Plätze befinden sich in Altendorf am Gerätehaus, in Hinterhermsdorf in der Ortsmitte, in Lichtenhain auf dem Festplatz sowie am Solivital in Sebnitz. Das Übernachten ist vorerst nur bis Ende Oktober für jeweils eine Nacht vorgesehen, da hier wie auch in Bad Schandau die Infrastruktur für mehr nicht ausgebaut ist. Sebnitz verlangt jedoch pro Nacht und Wohnmobil zwölf Euro. 

Eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr hatte vor zwei Jahren einen Durchschnittspreis von 14 Euro ermittelt. In diesem Preis waren Strom und Trinkwasser schon enthalten. 

Ob Sebnitz die Plätze in Zukunft ausbaut, wird die Auswertung der diesjährigen Saison ergeben. Die Erfahrung der ersten knapp zwei Wochen lautet: Die Plätze werden gut angenommen. Damit das auch so bleibt, wird gleichzeitig mehr kontrolliert. Und das besonders auch in den Abendstunden. 

Wie sich der Deutsche Tourismusverband den idealen Wohnmobilstellplatz vorstellt

  • Sicher und ordentlich, umzäunt und mit Platzaufsicht.
  • Begrünt, beleuchtet und gut ausgeschildert.
  • Mindestgrößen für die Parzellen.
  • Trinkwasser- und Stromversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung, sanitäre Einrichtungen.
  • Barrierefreie Einrichtungen. 
  • Nähe zu Gastronomie, Geschäften, Bus und Zug sowie touristischen Zielen. 
  • Internet-Anschluss per WLAN.

Eine Nacht Parken fast überall möglich

Doch Wohnmobile dürfen nicht nur auf den speziellen Plätzen anhalten. Für eine Nacht darf ein solches Fahrzeug überall stehen, wo Parken erlaubt ist und Wohnmobile nicht verboten sind. Die Übernachtung ist zulässig zur Wiederherstellung der Fahrbereitschaft, in der Regel bis zu zehn Stunden, sagt der ADAC. Doch ohne Aufstellen von Tischen, Stühlen, Sonnenschirmen oder Markisen. Das nämlich ist dann Camping. Etwas strenger ist es laut ADAC auf P+R-Plätzen. Die Parkplatzordnungen verbieten in der Regel ein Übernachten mit Campingfahrzeugen.

95 Plätze in Sachsen

Klar ist, auf die Schnelle geschaffene provisorische Plätze wie in Bad Schandau und Sebnitz lösen das Problem nicht. Jedenfalls nicht auf Dauer. Denn ohne die notwendige Infrastruktur sind die nächsten Probleme nicht weit. Generell kann eine Kommune eine Parkfläche für Wohnmobile allein durch Beschilderung ausweisen, sagt der ADAC. Weitere Infrastruktur zur Ver- und Entsorgung ist möglich und sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben. 

Beim ADAC sind aktuell 95 Plätze mit Übernachtungsmöglichkeiten für Wohnmobile in Sachsen gelistet. Das sind drei weniger als voriges Jahr. "Das heißt aber nicht, dass es weniger gibt", sagt Pressesprecher Thomas Reimann. "Möglicherweise haben nicht alle Stellplätze ihre Angaben aktualisiert und bestätigt und wurden deshalb nicht berücksichtigt." Doch das könnte sich im nächsten Jahr ändern. 

Freital ist zwar nicht das Camper-Eldorado, dafür hat man hier am Freizeitzentrum Hains schon im vergangenen November sechs Stellplätze geschaffen. Sogar mit Säulen für Wasser und Strom sowie einer Abwasserentsorgungsstelle und Beleuchtung. Umso mehr erlaubte Stellplätze es gibt, umso mehr verteilen die Wohnmobile. Die wenigsten von ihnen stehen schließlich zwei oder drei Wochen an einer Stelle. 

Die große SZ-Campingserie

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