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Campingplatz so voll wie noch nie

Im Waldbad Oberau mussten schon Camper abgewiesen werden. An anderer Stelle gibt es hohe Einbußen. Ein Teil der SZ-Serie "Die neue Lust auf Camping".

Arn Kreutzmann verbringt seine Ferien mit seinen Großeltern Angela und Matthias Broch auf dem Campingplatz im Waldbad Oberau.
Arn Kreutzmann verbringt seine Ferien mit seinen Großeltern Angela und Matthias Broch auf dem Campingplatz im Waldbad Oberau. © Claudia Hübschmann

Niederau. Angela Broch und ihr Mann Matthias haben schon viele Campingplätze gesehen. Die 58-Jährige und ihr 67 Jahre alter Ehemann sind von Kindesbeinen an Camper, beide sind als Kinder damit groß geworden. Zum vierten Mal machen sie mit dem zwölfjährigen Enkel Arn Campingurlaub im Waldbad Oberau. Das Kuriose daran: Im Grunde können sie von ihrer Wohnung bis zum Campingplatz fast zu Fuß gehen. Sie wohnen in Niederau.

 „Wir waren in Unna, auf Usedom. Doch nirgends ist es so schön und ruhig wie hier, der Wald, die Radwege, die gewisse Abgeschiedenheit“, schwärmt Matthias Broch. Zudem seien die Preise sehr moderat. „Hier gibt es noch Postkarten aus DDR-Zeiten, die haben inzwischen Sammlerwert. Und die Gemütlichkeit von damals findet man heute immer noch hier“, sagt er.

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Lias und Claudia Behrend spielen gemeinsam mit Tobias Siegel Karten auf dem Campingplatz in Oberau, wo die kleine Familie ihren diesjährigen Urlaub verbringt.
Lias und Claudia Behrend spielen gemeinsam mit Tobias Siegel Karten auf dem Campingplatz in Oberau, wo die kleine Familie ihren diesjährigen Urlaub verbringt. © Claudia Hübschmann
Der Sprung ins kühle Nass ist teuer erkauft.. Insgesamt 8.000 Kubikmeter Frischwasser musste in diesem Jahr in den Badeteich nachgefüllt werden. 
Der Sprung ins kühle Nass ist teuer erkauft.. Insgesamt 8.000 Kubikmeter Frischwasser musste in diesem Jahr in den Badeteich nachgefüllt werden.  © Claudia Hübschmann
Der Campingplatz in Oberau ist in diesem Jahr so gut besucht wie noch nie.  Es musste Interessenten auch schon abgesagt werden.   
Der Campingplatz in Oberau ist in diesem Jahr so gut besucht wie noch nie.  Es musste Interessenten auch schon abgesagt werden.    © Claudia Hübschmann

Überrascht, dass es so voll ist

Auch Enkel Arn, der in Aachen zu Hause ist, findet es hier klasse. „Am liebsten spiele ich mit Oma Tischtennis“, sagt er, der ein Zelt eigens für sein Spielzeug hat. „Wir lieben die Ruhe hier, brauchen im Urlaub kein Remmidemmi“, sagt Angela Broch. Sie ist begeistert von der Minigolf-Anlage. „Da muss man denken, seinen Kopf einschalten“, so die Niederauerin. Was sie nicht einschalten, ist ein Fernsehgerät. 

„Während andere Camper nichts anderes zu tun haben, als erst mal die Satellitenschüssel auszurichten, haben wir gar keinen Fernseher mit. Wir machen Urlaub auch von der Flimmerkiste und vermissen nichts“, sagt Matthias Broch und lacht. Er, seine Frau und sein Enkel schätzen es vor allem, morgens um sechs Uhr und abends zwischen 19 und 21 Uhr schwimmen zu gehen. 

„Da sind wir fast alleine im Wasser, stören nur die Fische ein bisschen“, sagt er. Und hat in diesem Jahr eine Erfahrung gemacht, die er bisher so nicht kannte. „Die ganzen Jahre war es hier auf dem Campingplatz relativ leer. Wir waren überrascht, dass es so voll ist“, so der Niederauer.

Campingplatz Oberau

Anfahrt/Adresse: Der Campingplatz befindet sich direkt im Gelände des Waldbades Oberau, Am Gemeindebad 2.

Ausstattung: Den Gästen steht ein komplett ausgestatteter Familiencampingplatz mit 30 Stellflächen zur Verfügung. In der Hauptsaison werden sie von 8 bis 20 Uhr vom Personal betreut. Das Benutzen des 9.000 Quadratmeter großen Badesees ist für die Camper kostenfrei. Während der Öffnungszeiten des Badesees ist der Rettungsdienst vor Ort.

Preise: Caravan 4,50 Euro, Motorcaravan 7,50 Euro, Pkw 2,50 Euro, Zelt 4 Euro, Kleinbus/Lkw 9 Euro, Krad/Moped 2,50 Euro; Erwachsene 5 Euro, Kinder ab drei Jahre 3 Euro. Strompauschale 2,50 Euro/Nacht (ab vier Nächte über Zähler 0,40 Euro/kWh, Müllgebühr ein Euro.

Vermietung: Bungalow (bis 5 Personen) zwei Personen 45 Euro/Nacht, jede weitere Person 10 Euro/Nacht.

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Es ist mehr als ein Gefühl, sagt Objektleiter Alexander Rajek. „Es gibt tatsächlich einen Boom. So einen vollen Campingplatz sind wir nicht gewöhnt“, sagt er. Nach zähem Beginn zu Himmelfahrt und zu Pfingsten ging es richtig ab. 

Bisher zählte man in Oberau 830 Camper mit rund 1.200 Übernachtungen. Das sind 150 Gäste mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Campen ist dieses Jahr nur nach Anmeldung möglich. „Wir mussten schon Camper abweisen, das ist für uns eine ganz neue Erfahrung“, so der Objektleiter. 

„Mittlerweile brauchten wir ein Campingbuchungsprogramm. Es gibt Gäste, die betteln regelrecht um einen Stellplatz“, so Rajek. Nicht nur die Brochs, sondern auch viele Camper, die den Platz von früher kennen, seien erstaunt darüber, dass er in diesem Jahr so voll sei. 

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Neben den Campern kamen dieses Jahr bisher 3.300 Badegäste. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 4.800. Was besonders schmerzt: Weitere 3.000 Gäste kamen im vergangenen Jahr, um in den Partyräumen zu feiern. In diesem Jahr: null. 

Jugendweihen, Schulabschlussfeiern, Geburtstage, alles abgesagt. Rajek schätzt die Verluste auf rund 15.000 Euro ein. Die sind auch mit mehr Campern nicht zu kompensieren. Erst vorige Woche kam die erste Schulklasse aus einer Werksschule in Dresden. „Selbst als Feiern wieder erlaubt waren, wurden sie von den Schulen selbst untersagt“, ärgert er sich.

Personal an der Belastungsgrenze

Hofft er, dass der Campingboom auch in den kommenden Jahren anhält? Alexander Rajek sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Einerseits ist es schön, dass sich so viele Leute bei uns wohlfühlen. Andererseits sind wir an der Belastungsgrenze“, sagt er. Es gibt zwei Festangestellte und drei Saisonkräfte. Wegen einer Krankheit ist einer langfristig ausgefallen.

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 „Das geht schon an die Substanz“, sagt Alexander Rajek. Wiederkommen will auch Familie Broch. „Wir waren schon in Portugal und in den Alpen, aber auf Camping in Oberau freuen wir uns das ganze Jahr“, sagt Angela Broch. Sie und ihr Mann haben noch zwei weitere Enkel, drei Jahre und fünf Monate alt. Dieses Jahr waren sie schon mal „schnuppern“ in Oberau. Da wächst wohl die nächste Campergeneration heran.

Weitere Informationen gibt es hier  oder unter Telefon: 035243 36012

 E-Mail: [email protected]

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