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Campingzelte statt Müllhaufen

Seit einem reichlichen Jahr gehört zum Kühlhaus in Weinhübel ein weiteres Gelände. Mit Wald, zwei Lagerhallen und drei Baracken. Jetzt tut sich dort was.

© Nikolai Schmidt

Von Susanne Sodan

Görlitz. Leider ist in dem großen Haufen nichts dabei, das man bedenkenlos verbrennen könnte. Sonst hätten die Macher vom Kühlhaus gleich Material für ihr großes Hexenfeuer am 30. April. Aber in dem Haufen auf dem Gelände neben dem Kühlhaus liegen nur Autoreifen, schwer definierbarer Schrott – und eine Trabi-Karosserie. Alles Sachen, die die Kühlhäusler in den vergangenen Wochen vom Gelände hinter der Maschinenhalle gesammelt haben. Dieses Grundstück nebenan gehört schon seit über einem Jahr zum Kühlhaus. Jetzt entwickeln sich die Pläne, was daraus werden soll. Fünf Studenten aus Dresden und Berlin sind derzeit zu Gast und erarbeiten Ideen für eine künftige Nutzung. Eines steht schon so gut wie fest: Aus einem Teil des Geländes soll ein Campingplatz werden.

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Müll füllte sechs Container

Das Grundstück neben dem Kühlhaus misst 1,7 Hektar, die Hälfte ist Wald, die andere Hälfte war einst Gewerbefläche mit fünf Gebäuden: zwei Lagerhallen, zwei einstöckige Baracken, ein zweistöckiger Bau. „Die Baracken wurden in den 80er Jahren für polnische Gastarbeiter gebaut“, erzählt Danilo Kuscher, Vorsitzender vom Kühlhaus-Verein. Direkt nach der politischen Wende ging das gesamte Nachbargelände neben dem Kühlhaus an ein Unternehmen aus der Nähe von Köln, „ich glaube, für die symbolische Mark“, sagt Kuscher. Seitdem ist nichts mehr passiert. Außer, dass das Grundstück vor ein paar Jahren auf der Verkaufsplattform Ebay für rund 175 000 Euro angeboten wurde, erinnert sich Kuscher. Für den Kühlhaus-Verein ergab sich eine bessere Gelegenheit. 2016 wurde das Grundstück zwangsversteigert und der holländische Eigentümer des Kühlhauses bot mit. Die ersten Maßnahmen für den Verein waren nun: aufräumen und entkernen.

Von den zwei Baracken und dem zweistöckigen Gebäude steht im Grunde nur noch die Grundkonstruktion. Für den Schrotthaufen stehen schon ein Bagger und ein Container bereit. „Es war noch viel mehr, was wir vor allem aus dem Waldstück geholt haben“, erzählt Danilo Kuscher. „Es war unheimlich viel Restmüll dabei, den die Leute dort illegal abgeladen haben.“ Fünf oder sechs Container mit Müll hat der Bagger in den vergangenen Wochen bereits gefüllt. Was nun mit dem Gelände und den Gebäuden werden soll, dazu wollen sich die Kühlhäusler noch nicht endgültig festlegen. Um ein machbares Konzept auf die Beine zu stellen, sind jetzt zunächst die fünf Studenten da: künftige Freiraumgestalter, Architekten und Designer, die ihr Studienpraktikum beim Kühlhaus-Verein absolvieren. Bis September werden sie an einer Konzeption arbeiten.

Erste Ideen haben die Leute vom Kühlhaus aber auch schon selbst. Die eine der beiden Lagerhallen könnte zu einer Produktionsstätte für Holzhandwerk werden. Das Holzwerk Björn Enders gehört schon seit Jahren zum Kühlhaus dazu, hat sich dort in Räume eingemietet und würde gerne größer werden. Die zweite Lagerhalle könnte Lagerhalle bleiben, unter anderem für Filmkulissen. „Wir wissen von unserem Nachbarn, dass Bedarf da ist“, erzählt Danilo Kuscher. Neben dem Kühlhaus liegt der Chemiehandel Weinhübel, der schon mehrfach Lager-Anfragen von Filmleuten bekommen habe. In dem einen Flachbau, könnten vielleicht Büros für die Kreativwirtschaft entstehen. „Wir könnten uns vorstellen, Büros für Grafikdesigner und andere Selbstständige in kreativen Berufen einzurichten“, erklärt Danilo Kuscher. Der zweite Flachbau könnte zu einer Gemeinschaftsküche werden. Und für das zweistöckige Haus wären vielleicht Atelierräume möglich. „Wir müssen aber sehen, was sich umsetzen lässt“, so Kuscher. „Es soll schon wirtschaftlich werden.“ Auch, um die kulturellen Veranstaltungen, das Herzstück vom Kühlhaus, querzufinanzieren.

Was schon recht sicher ist: Auf einem Teil der jetzigen Waldfläche soll ein Campingplatz entstehen, ein alternativer Campingplatz. „Es gibt ja mittlerweile Campingplätze mit englischem Rasen und auf den Zentimeter genau abgetrennten Parzellen“, sagt Kuscher. „Das wollen wir nicht.“ Strom und Wasser sollen anliegen, „aber wir werden nicht jede Bodenwelle begradigen.“ Auch fürs Camping habe der Verein schon oft Anfragen gehabt. Zum Beispiel von Konzert-Gästen und auch von Familien, die einfach ein paar Tage Urlaub machen wollen. „Der Berzdorfer See ist von hier aus mit dem Fahrrad in zehn Minuten zu erreichen, es bietet sich an.“

Alte Baracken bringen neue Arbeit

Auf der einen Seite hat das Kühlhaus gerade einen guten Lauf. Das Konzert von Martin Kohlstedt vergangenes Wochenende war lange vorher schon ausverkauft. Vergangenes Jahr hat der Adrenalin-Verein eine Halle im Parterre vom Kühlhaus zu einer Skate-Halle ausgebaut. Und dieses Jahr sind die Kühlhäusler beim Innovationspreis Tourismus weit gekommen, mit ihrem alternativen Stadtplan und der neuen Görlitzer Ausleih-Radflotte. Auf der anderen Seite stehen die Kühlhäusler jetzt auch vor Herausforderungen, auch wegen des Nachbargeländes. Die baulichen Gegebenheiten, gerade bei dem zweistöckigen Plattenbau seien nicht die besten, sagt der Vereinsvorsitzende. Gut möglich, dass dort nur Sommerbetrieb möglich ist, weil der Einbau einer Heizung zu aufwendig werden würde. Gedanken macht sich Kuscher auch wegen der Zughaltestelle am Weinhübler Bahnhof, die es in nächster Zukunft nicht mehr geben soll. Dafür sollen zwar Busse fahren, „aber wir müssen sehen, wie sich das bewähren wird.“