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Caravan-Skopp kann wieder lachen

Wegen Corona durfte der Glaubitzer André Skopp erst kein Fahrzeug vermieten. Jetzt kann er sich vor Anfragen kaum retten. Euphorisch ist er dennoch nicht.

André Skopp hat im Reisemobil Platz genommen. Es ist das einzige, das noch frei ist.
André Skopp hat im Reisemobil Platz genommen. Es ist das einzige, das noch frei ist. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Das Gelände von Caravan-Skopp ist fast leer. Nur ein paar wenige Anhänger und ein einziges Reisemobil stehen zur Auswahl. Sonst ist alles auf Achse quer durch Deutschland. Firmenchef André Skopp freut es, dass das Sommergeschäft nicht ausfällt. Dabei sah es im Frühjahr noch ganz anders aus. "Zu Ostern und Pfingsten stand der Hof noch voll. Da ging gar nichts", erinnert er sich.

Corona verunsicherte die Menschen. Private Reisen waren nicht erlaubt. Das bekamen auch die Caravan-Händler zu spüren. Der Markt brach ein. Laut Informationen des Caravaning Industrie Verbands Deutschland (CIVD) ging allein im Mai die Anzahl der Zulassungen für Reiseanhänger um 15,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. 

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"Die Hersteller hatten ihre Produktion heruntergefahren", erzählt Skopp. Wie viele andere Mittelständler machte auch er sich zu diesem Zeitpunkt große Sorgen, ob seine Firma die Corona-Krise überleben würde. 

Auf engstem Raum kochen, duschen und schlafen - das muss man schon mögen, um mit einem Reisemobil die Welt zu erkunden. Aber es geht auch größer.
Auf engstem Raum kochen, duschen und schlafen - das muss man schon mögen, um mit einem Reisemobil die Welt zu erkunden. Aber es geht auch größer. © Sebastian Schultz

Doch dann kamen die Lockerungen im Umgang mit der Pandemie. Reisen wurden wieder möglich. Die Hoffnung, in den Sommerferien doch noch in den Urlaub fahren zu können, stieg von Tag zu Tag. Und plötzlich war die Nachfrage nach Caravans und Reisemobilen so groß wie nie. 

"Im Juni erlebte die Caravaningbranche einen regelrechten Run auf ihre Produkte", sagt CIVD-Pressesprecher Marc Dreckmeier. Insgesamt kamen 12.726 Freizeitfahrzeuge erstmals in den Verkehr – ein neuer Bestwert für den Monat Juni. Das entspricht einem satten Plus von 49,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Neuzulassungen von Reisemobilen legten um herausragende 65,4 Prozent zu. "Mit 9.154 Erstzulassungen war es der beste Juni in der Geschichte dieses Fahrzeugsegments", so Dreckmeier. 

André Skopp backt kleinere Brötchen. Er vermietet zehn Caravans und sechs Wohnmobile. Den Aufwärtstrend nach der Zwangspause habe er zum ersten Mal richtig gemerkt, als Ende Juni in Brandenburg die Sommerferien begannen. Da hätten viele, die sonst mit Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff in den Urlaub fahren, realisiert, dass das in diesem Jahr schwierig werden könnte.  

Bis jetzt keine Kratzer und Beulen

Mehr als sonst habe es viele Anfragen von Kurzentschlossenen gegeben. Auch von Leuten, die vorher nie mit einem Reisemobil oder einem Caravan in den Urlaub gefahren waren. Das gab ihm auch zu bedenken, ob die Fahrzeuge heil blieben. Denn nicht jeder ist es gewöhnt, mit einem Transporter oder gar einem Anhänger zu fahren. Aber diese Sorgen haben sich zum Glück nicht bestätigt. "Bis jetzt sind sie alle ohne Kratzer und Beulen nach Hause gekommen", sagt Skopp. 

"Corona hat unserer Branche einen Extra-Schub gegeben - das ist die einzige Reiseform, mit der man autark ist", hat CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso in dieser Woche in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur (dpa) gesagt. "Mit der Senkung der Mehrwertsteuer gibt es in der zweiten Jahreshälfte einen zusätzlichen Anreiz, ein Freizeitfahrzeug zu erwerben. Wir sind optimistisch für die kommenden sechs Monate."

Ganz so euphorisch ist André Skopp nicht. Neue Caravans und Reisemobile schnell mal nachbestellen, um sie zu verkaufen oder zu vermieten, das funktioniere nicht. "So schnell können die Hersteller nicht reagieren, sagt er. "Dafür ist der Markt zu träge." 

Jedes Jahr im September werden auf dem Caravan Salon in Düsseldorf die Modelle für die kommende Saison vorgestellt.
Jedes Jahr im September werden auf dem Caravan Salon in Düsseldorf die Modelle für die kommende Saison vorgestellt. © dpa

Das bestätigt auch der CIVD. Die Pandemie habe in der Reisefahrzeug-Industrie Spuren hinterlassen. Wegen Werksschließungen und Engpässen bei den Lieferketten fehlen laut Onggowinarso rund 10.000 bis 15.000 Fahrzeuge, so dass die steigende Nachfrage nicht überall bedient werden kann.

Skopp geht davon aus, dass Corona uns noch eine Weile begleiten wird und das Reiseverhalten auch im nächsten Jahr beeinflusst. Er vergleicht die Corona-Pandemie mit einem Flugzeugabsturz. "Wenn sowas passiert, wollen viele erst mal für eine Weile nicht mehr fliegen. Das wirkt lange nach", sagt er. Und so sei es auch mit Corona. Der Glaubitzer hofft, dass dieser Trend zum Caravaning auch nach der Pandemie anhält.

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