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Dem Trubel entronnen

Familie Breu aus Göppingen macht mit dem Caravan in Großenhain Station. Warum sie Schwarzbier und Bautzner Senf im Gepäck hat.

Detlev Breu ist mit seiner Frau und Hund Fenno aus Göppingen mit dem Caravan auf Urlaubsreise. Eine Station war jetzt auch Großenhain.
Detlev Breu ist mit seiner Frau und Hund Fenno aus Göppingen mit dem Caravan auf Urlaubsreise. Eine Station war jetzt auch Großenhain. © Kristin Richter

Großenhain. Fenno schaut vorsichtig und erstaunt in die Kamera. Detlef Breu streichelt ihn fürsorglich, versucht, ihn zu beruhigen. Das Stromkabel zum Wohnmobil ist gezogen. Das Autokennzeichen GP für Göppingen lässt auf eine lange Anfahrt schließen. Der 57-Jährige Detlev Breu lächelt. "Nein, nein. Heute sind wir nur von Bautzen nach Großenhain gefahren", sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau und eben Fenno ist er auf Caravaning-Tour. Wie immer in den letzten Jahren. Waren es zuletzt Caravan- und Campingplätze in Norddeutschland, so führt die Breus ihr Urlaub in diesem Jahr über den Odenwald und Hessen nach Ostdeutschland. Zurück geht die Reise dann durch Oberfranken wieder in die Heimat.

"Im Durchschnitt bleiben wir an jedem Ort einen Tag", erzählt Detlev Breu. Großenhain ist zum zweiten oder dritten Mal Station. "Wir haben hier bislang immer Platz gefunden", sagt der Göppinger mit Blick auf zwei von vier belegten Stellplätzen nahe des Naturerlebnisbades. Für Großenhain spreche, dass der Caravanplatz in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum liege. "Das ist ideal hier", sagt Detlev Breu. 

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Denn seine Frau und er sind nicht von jenem Schlag, der mit dem Wohnmobil aufbricht und für mehrere Wochen Verpflegung dabei hat. Auch einen grünen Teppich oder Palmen vor dem Caravan oder gar einen Zaun sucht man hier vergebens. "Wir fahren immer mit einem leeren Kühlschrank los", sagt Detlev Breu. Denn wenn das Paar unterwegs ist, wolle man ja auch mal etwas anderes als zu Hause essen. 

Was typisch Sächsisches zum Beispiel. Weil es in Süddeutschland kein dunkles Bier gibt, hat er sich unter anderem mit Schwarzbier eingedeckt. Auch ein Vorrat an Senf aus Bautzen ist bereits verstaut. Was Breus aus Großenhain mitnehmen - das wissen sie noch nicht. Vielleicht mal eine Kesselwurst probieren? Oder einen Kesselgulasch bei "Suppenmuppe"? Der Camper mit Herz lächelt erneut. "Essen ist doch nicht so wichtig", sagt er dann. "Hauptsache, wir sind im Grünen. Den Trubel in Großstädten mögen wir nicht so."

Das typische Image von Caravanern erfüllen Detlev Breu und seine Frau nicht. Sicherlich haben sie einen Fernseher und eine Sat-Anlage an Bord, können bei Bedarf auch eigenen Strom nutzen. Doch der Grill vorm Mobil fehlt. "Grillen hasse ich wie die Pest", gesteht der 57-Jährige schmunzelnd. Aber ja, ein bissel Komfort brauche man trotzdem. "Doch mehr als Standard haben wir nicht zu bieten."

Mit den vier Caravan-Stellplätzen am Parkplatz Carl-Maria-von-Weber-Allee ist Großenhain nicht unbedingt als Hochburg zu bezeichnen. "Besucher schätzen die kurzen Wege. In den Jahren seit Bestehen des Platzes wurde dieser zwar gut genutzt, aber es gab keinen dringenden Handlungsbedarf für eine Erweiterung", sagt Rathaussprecherin Diana Schulze. 

Gut genutzt und oft genug ausgelastet ist der Standort dennoch. Vor allem in diesem Jahr. Denn unter anderem wegen Corona sind wesentlich mehr Urlauber mit ihren Wohnmobilen in Deutschland unterwegs. "Die Stadtverwaltung konnte dieses Jahr bisher 35 Prozent mehr bezahlte Übernachtungen registrieren als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres", so Diana Schulze. Die Steigerung der Übernachtungen sei bemerkenswert, da das benachbarte Naturerlebnisbad dieses Jahr erst am 1. Juni öffnete, nicht wie in den Vorjahren bereits zum 15. Mai. "Vor dem Hintergrund, dass für den anteiligen Mai keine Gebühren eingenommen wurden, ist der Anstieg der bezahlten Übernachtungen besonders auffällig", sagt die Sprecherin.

Ein Grund, mehr Stellplätze zur Verfügung zu stellen, wäre das allemal. Aber: "Eine Erweiterung des Caravanplatzes am vorhandenen Standort wäre nur mit einem sehr hohen baulichen Aufwand und hohem Mitteleinsatz möglich", so Diana Schulze. Eine Reduzierung der vorhandenen Pkw-Stellplätze des Parkplatzes zugunsten von mehr Wohnmobilstellplätzen sei nicht möglich, da diese Parkplätze auch den Stellplatznachweis für das Kulturschloss abdecken und dringend benötigt würden. Eine andere Fläche für Wohnmobile sei derzeit nicht in Planung und von der Ausstattung her (Stromanschluss/Wasser/Abwasseranschluss) nicht vorhanden. Aufgrund der hohen Investitionen für derartige Erschließungen sei, trotz Einnahmen aus Standgebühren, ein (weiterer) Caravanplatz für die Stadtverwaltung nicht wirtschaftlich zu betreiben. "Hinzu kamen in den letzten Jahren am vorhandenen Caravanstellplatz auch immer wieder unplanmäßige Ausgaben für Reparaturen, die ihren Ursprung im Vandalismus hatten", so Diana Schulze.

Doch die Stadtsprecherin räumt ein, dass bei anhaltendem Trend von "Urlaub in ,Caravanien'" das Thema durchaus in der Verwaltung zur Sprache kommen könnte. Also die Suche nach Alternativen, gegebenenfalls ohne jegliche Erschließung. "Derzeit bekennt sich die Stadt jedoch klar zum aktuellen Standort. Geprüft wird augenblicklich, ob an diesem Optimierungen vorgenommen werden könnten", sagt Diana Schulze.

Detlef Breu ist mit den Angeboten in Großenhain zufrieden. Sieben Euro Standgebühr, "das ist angemessen", sagt er. Da habe er anderswo mehr bezahlt und weniger bekommen. Fenno ist inzwischen wieder aufgeregt. "Der Hund muss raus", sagt Detlev Breu. Und wappnet sich gemeinsam mit seiner Frau für einen Spaziergang durch die Innenstadt.

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