merken
PLUS Dresden

Neuer Caravanpark am Kiessee?

Hans-Peter Fritsch will in Dresden 170 Stellplätze für Wohnmobile schaffen. Wie seine Pläne aussehen und warum sie bisher nicht umgesetzt wurden.

Zwischen Leubener Straße und Kiessee will Investor Hans-Peter Fritsch Platz für 170 Wohnmobile schaffen. Ein langer Steg trennt Wasserski- und Badebereich.
Zwischen Leubener Straße und Kiessee will Investor Hans-Peter Fritsch Platz für 170 Wohnmobile schaffen. Ein langer Steg trennt Wasserski- und Badebereich. © PR

Dresden. Urlaub im Wohnmobil - diese Art des Reisens wird immer beliebter und erfährt im Jahr der Corona-Pandemie einen regelrechten Boom. Einer, der selbst gern mit seinem Camper unterwegs ist, will in Dresden einen Caravan-Stellplatz bauen. Hans-Peter Fritsch, 74, Dresdner Immobilienunternehmer, hat einen Traum. An der östlichen Seite des Kiessees in Leuben plant er den Caravan Beach Dresden, auf dem bis zu 170 Wohnmobile Platz hätten. Die Pläne dafür gibt es schon seit 2016 - wann er sie umsetzen kann, weiß der gebürtige Rheinländer nicht.

Hans-Peter Fritsch ist selbst gern mit dem Wohnmobil auf Tour und weiß, wie wichtig ein gut ausgestatteter Stellplatz für den Camper ist.
Hans-Peter Fritsch ist selbst gern mit dem Wohnmobil auf Tour und weiß, wie wichtig ein gut ausgestatteter Stellplatz für den Camper ist. © Archiv: Sven Ellger

Denn die Stadt ist alles andere als angetan von Fritschs Idee. Das Problem: Am Kiessee und im Landschaftsschutzgebiet des alten Elbarms trifft der Traum einer touristischen Nutzung auf den Natur- und Hochwasserschutz. Ein Konflikt, mit dem auch der Betreiber der Wasserskianlage seit Jahren konfrontiert ist. Martin Riedel ist mit seinen Wakeboards auf dem See bestenfalls geduldet, wird aber regelmäßig zum Lebensretter, wenn wieder mal ein Schwimmer in Not gerät. Riedel fordert seit Jahren, dass am Kiessee - in dem das Baden eigentlich verboten ist - eine offizielle Badestelle mit Rettungsschwimmern eingerichtet wird. Auch das ist Teil von Fritschs Konzept.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Doch die Stadt verweist im Bereich des Altelbarms, in dem sich auch der Kiessee und der geplante Caravanpark befinden, unter anderem auf die mögliche Hochwassergefahr. Das geht aus einem Schreiben vom Juni 2018 von Dresdens damaligen Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) an den Investor hervor. Seitdem habe Fritsch nichts mehr von der Stadt gehört. Der Unternehmer ließ nicht locker, versuchte, Mitstreiter für sein Projekt zu gewinnen, stellte es unter anderem einigen Stadtratsfraktionen vor. Und erklärte dabei auch, dass der Caravanpark im Falle einer Flut kein Hindernis für abfließendes Wasser sei: Er will keine festen Gebäude errichten, sondern drei Sanitärcontainer, die innerhalb von 24 Stunden abgebaut und transportiert werden könnten. Er habe bereits ein Angebot eines niederländischen Unternehmens. Dauercamper und Zelte sollen nicht erlaubt sein.

Station mit Rettungsschwimmern geplant

Vor vier Jahren hat Fritsch etliche Flächen östlich des Sees gekauft, die sich beidseitig der Leubener Straße befinden. Auf dem Areal direkt am See will er neben den 170 Stellplätzen Sanitärgebäude, zwei Beachvolleyballplätze, einen Spiel- und einen Minigolfplatz sowie eine Station der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) errichten. Die DLRG hatte bereits 2016 signalisiert, dass sie  das Projekt gern begleiten würde. So könnten Bademeister künftig sofort zur Stelle sein, wenn ein Schwimmer Probleme hat. Sieben Menschen sind in den vergangenen Jahren im See ertrunken. Ein weiterer Punkt für mehr Sicherheit: Ein langer Steg, der sich vom Ostufer aus in den Kiessee erstreckt, soll den Wasserski- vom Badebereich trennen. 

Die Todesfälle hatten zuletzt auch die Politik auf den Plan gerufen. Auf einen Antrag der SPD hin wurde Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) Ende 2019 vom Stadtrat beauftragt, den Kiessee als sichere Badestelle zu entwickeln. Hilbert hatte bereits im April 2019 signalisiert, dass es auch ihm ein Anliegen sei, das Baden im Kiessee endlich zu erlauben, was rechtlich aber nicht möglich ist. Ein Fachgutachten soll nun klären, wie die Gefahrenstellen im See - dazu zählt etwa die sehr steil abfallende Uferböschung im südlichen Bereich - beseitigt werden könnten. Corona habe das Gutachten verzögert, teilte das Rathaus jetzt mit, die Stadt rechnet aber noch in diesem Jahr damit. Sollte die rechtliche Seite geklärt sein, müsse ein externer Betreiber mit einem entsprechenden Konzept für die Badestelle gefunden werden, so Hilbert weiter. 

Mehr Stellplätze - aber ohne Strom und Wasser

In Bezug auf die Caravanstellplätze sieht sich die Landeshauptstadt indes bestens vorbereitet auf die gestiegene Nachfrage. So wurde das Angebot kürzlich um 40 Plätze auf einem Parkplatz an der Pieschener Allee im Ostragehege erweitert, die bis Ende Oktober genutzt werden können. Allerdings gibt es dort weder Strom noch Wasser. Und genau darin sieht Fritsch ein Manko. Um Wohnmobilisten länger in der Stadt zu halten, müssten für sie ordentliche Sanitäranlagen zur Verfügung stehen. 

OB Hilbert ist dennoch zufrieden: "Wir haben bereits vor Jahren die Weichen für das Camping- beziehungsweise speziell auch das Wohnmobilsegment gestellt", sagt er in der vergangenen Woche. Und auch Corinne Miseer, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH (DMG) schaut optimistisch in die Caravan-Zukunft Dresdens. "Wir schauen uns natürlich an, wie das in diesem Jahr läuft. Dann werden wir das evaluieren, um zu sehen, wie wir der Nachfrage, sofern die so bestehen bleibt, auch für die nächsten Jahre durch entsprechend geschaffene Möglichkeiten decken können." 

Eine SZ-Anfrage konkret zur Caravanpark-Idee von Hans-Peter Fritsch wollen Stadt und DMG erst an diesem Mittwoch beantworten.

Weiterführende Artikel

Dresden: Bleibt Baden im Kiessee verboten?

Dresden: Bleibt Baden im Kiessee verboten?

Die Stadt hat zum Kiessee in Leuben ein Gutachten beauftragt, das auch vorliegt. Ginge es nach vielen Dresdnern bekämen sie eine neue und legale Badestelle.

Dresdner Ideen für schöneren Kiessee

Dresdner Ideen für schöneren Kiessee

Die Stadt will das Gebiet im Südosten zur Freizeitlandschaft umgestalten. Dazu wurden 700 Dresdner befragt. Was sie derzeit stört und was sie sich wünschen.

Absage für den Caravanpark am Kiessee

Absage für den Caravanpark am Kiessee

Im Dresdner Osten sollen 170 Stellplätze für Wohnmobile entstehen. Nun äußert sich die Stadt erneut zu der Idee.

Wohnmobile sind so gefragt wie nie

Wohnmobile sind so gefragt wie nie

Volle Auftragsbücher, ausgebuchte Leihfahrzeuge: Anbieter von Campervans im Landkreis Bautzen erleben einen Boom. Das hat vor allem einen Grund.

Insgesamt gibt es in Dresden und Umgebung derzeit rund 1.000 städtische und private Caravan-Parkplätze mit unterschiedlichem Service. Darunter auch auf den Campingplätzen in Mockritz und am Freibad Wostra in Kleinzschachwitz. Fritsch rechnet damit, dass dieses Angebot langfristig nicht ausreicht. Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass der Trend zum Urlaub mit dem Wohnmobil, der schon in den vergangenen Jahren immer beliebter wurde, weiter wächst: So sind die Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen von 25,1 Millionen im Jahr 2009 auf 35,8 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen. Das ist ein Zuwachs von rund 40 Prozent. In diesem Jahr sorgen die Corona-Pandemie und Reisebeschränkungen für einen zusätzlichen Boom. Das zeigen auch die Neuzulassungen der Fahrzeuge in der Wohnmobilbranche, die um 16 Prozent gestiegen sind.

Weitere Infos zu den Stellplätzen in und um Dresden gibt es unter www.dresden.de/caravan

Mehr zum Thema Dresden