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Carolus-Krankenhaus betritt Neuland

Die Klinik hat ein Lungenzentrum. Verschiedene Fachärzte arbeiten da zusammen. Und ersparen Patienten das Reisen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

Bis vor Kurzem mussten Lungenkranke aus Görlitz und Region, denen nur noch eine Operation helfen konnte, in die Lungenheilanstalt Coswig überwiesen werden. Das ist nun nicht mehr notwendig. Denn das Görlitzer Malteserkrankenhaus St. Carolus hat gestern ein eigenes Lungenzentrum eröffnet.

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Hatte die Klinik zwar auch vorher schon einen Schwerpunkt auf die Lungenheilkunde gelegt, können jetzt alle Erkrankungen von der chronischen Bronchitis über Lungenentzündung bis hin zum Lungenkrebs sowohl diagnostiziert als auch therapiert werden. „Vorher ging das hier nur bis zu einem bestimmten Punkt“, sagt Andreas Müller, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin. Gemeinsam mit Nils Walther, dem Chef der Chirurgie, hat er im vergangenen Jahr die Idee entwickelt und vorangebracht, im Bereich der Lungenerkrankungen stärker zusammenzuarbeiten. Dafür hat das Krankenhaus eine neue Station eingerichtet, insgesamt 180 000 Euro in moderne Technik investiert und damit die Möglichkeit geschaffen, 18 Lungenpatienten gleichzeitig beobachten und behandeln zu können. Und zwar von einem Team aus Fachärzten der Lungenheilkunde, der Schlafmedizin und der Thoraxchirurgie. Erstere haben vorher schon im Carolus-Krankenhaus gearbeitet, den erfahrenen Thoraxchirurgen John Mantas hat die Klinik zum 1. März extra neu eingestellt. Er war vorher im Coswiger Lungenzentrum Oberarzt und ist das nun in Görlitz. Die minimalinvasive „Schlüsselloch“-Chirurgie, die das Krankenhaus in anderen Bereichen schon vielfach anwendet, wird er nun auch auf sein Gebiet ausweiten.

Dass überhaupt verschiedene Fachärzte Patienten gemeinsam untersuchen und auch gemeinsam über Therapieform oder die Hinzuziehung weiterer Ärzte entscheiden, ist laut Chefchirurg Nils Walther etwas, „dass es vorher so bei uns noch nie gegeben hat“. Einen Monat nach der internen Inbetriebnahme der Station, dem ersten „Probelauf“, sagt er aber auch, manchmal sei es gar nicht so einfach, die unterschiedlichen Ansichten von Internisten und Chirurgen zu vereinbaren. „Aber wir diskutieren jetzt über Sachen, die wir früher nicht besprochen haben.“ Genauso bestehe zu den niedergelassenen Ärzten auf dem Gelände des Krankenhauses ein sehr enger Kontakt. Radiologen, Nuklearmediziner, Onkologen und Strahlentherapeuten etwa seien wichtige Partner.

Für Patienten hat diese interdisziplinäre Betreuung viele Vorteile. Sind Gewebeentnahmen erforderlich, Brustkorbspiegelungen oder sofortige Operationen, vergeht keine unnötige Zeit durch Transporte oder Terminvereinbarungen. Patienten können nahe an ihrem Wohnort betreut werden, die Klinikärzte sind in direktem Kontakt mit den weiterbehandelnden niedergelassenen, und die Angehörigen sind näher dran. Vor allem aber ist die Qualität der medizinischen Versorgung höher, wenn alle ärztlichen Entscheidungen genau ineinandergreifen und konkret aufeinander abgestimmt sind.

Zwar arbeitet das Carolus-Krankenhaus auch in der Krebsbehandlung, der Gefäß- und der Bauchchirurgie schon sehr interdisziplinär, doch das Lungenzentrum ist die erste fächerübergreifende Station des Hauses. Nils Walther sagt: „Interdisziplinäre Zentren, das ist etwas für die Zukunft.“ Und es klingt so, als solle das Lungenzentrum nicht die einzige Station bleiben, auf der verschiedene Fachärzte miteinander im Team arbeiten.

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