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Görlitz

Carolus wird Pilotprojekt für Demenzkranke

Im Malteser-Krankenhaus soll künftig jeder Mitarbeiter mit diesen Patienten umgehen können. Dafür gibt’s Geld vom Land.

Gesundheitsminister Jens Spahn und Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer kamen am Freitag bei ihrem Besuch im Görlitzer Carolus-Krankenhaus auch mit zwei Ordensschwestern ins Gespräch.
Gesundheitsminister Jens Spahn und Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer kamen am Freitag bei ihrem Besuch im Görlitzer Carolus-Krankenhaus auch mit zwei Ordensschwestern ins Gespräch. © Nikolai Schmidt

Am Montag geht es los. Die Mitarbeiter des Malteser Krankenhauses St. Carolus begeben sich auf einen ganz neuen Weg. Modellkrankenhaus für Demenzpatienten sind sie jetzt und bundesweites Vorzeigebeispiel. Dafür, wie ein Krankenhaus beispielhaft mit Demenzpatienten umgehen kann. Und zwar auf allen Stationen, nicht nur in der Geriatrie, wo Demenzpatienten überwiegend landen.

Denn Demenzkranke kommen häufig nicht oder nicht nur wegen ihrer Demenz ins Krankenhaus, sondern genau wie jeder andere Patient wegen Knochenbrüchen, Infektionen, Herzproblemen. Entsprechend sollen sich im Carolus künftig alle Mitarbeiter auf allen Stationen darauf einstellen. Sie werden bis Ende 2020 lernen, wie sie mit Demenzkranken umgehen sollen. Daniela Kleeberg, die ab Montag Standortleiterin von Görlitz und Personalchefin der Malteser-Krankenhäuser in Görlitz und Kamenz sein wird, sagt: „Wir werden ab Montag zunächst ein kleines Team ausbilden, das sich aus allen Abteilungen zusammensetzt. Danach werden Stück für Stück alle Mitarbeiter geschult.“

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Vorbild ist dabei die Silvia Hemmet-Stiftung, benannt nach der schwedischen Königin Silvia, die sich beispielhaft für einen guten Umgang mit Demenzkranken einsetzt. Bereits 1996 hatte sie die Stiftung – zu deutsch Silvias Heim – ins Leben gerufen. Heimisch sollen sich Demenzkranke künftig auch im Carolus fühlen. Sie sollen ankommen können, ohne sich dem sonst üblichen schnelllebigen Krankenhausalltag unterordnen zu müssen.

Dazu gehört auch, dass sie sich gut orientieren können. „In einem zweiten Schritt wollen wir das Milieu verändern“, so Daniela Kleeberg. Neue Beschilderungen, andere Zimmereinrichtungen. Finanziert wird all das mit Hilfe des Freistaates. Ministerpräsident Michael Kretschmer übergab am Freitag feierlich einen Fördermittelbescheid über 650 000 Euro. Zusammen mit den Malteser-Eigenmitteln werden 735 000 Euro investiert.

Die Herausforderung ist groß. Aber die Erleichterung im Carolus ebenfalls. Stand noch vor nicht mal einem Jahr die Zukunft des Hauses auf Messers Schneide, macht das Carolus jetzt als Modellkrankenhaus ganz andere Schlagzeilen.

Und so sei auch der Besuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Michael Kretschmer diese Woche im Wahlkampf unterstützte und eigentlich nur in dieser Funktion am Freitag dabei war, als ein Bekenntnis zum Standort Görlitz zu werten, so der Ministerpräsident. Wenn er nun schon einmal da sei, sollte er doch einige Worte sagen, wünschten sich Kretschmer und die versammelte Malteser-Führung und Chefärzteschaft am Freitag. So würdigte Spahn das „Demenzsensible Krankenhaus“ als besonderes Zukunftsprojekt für den Bund, das er verfolgen werde. Bei zwei Millionen Demenzkranken in Deutschland und jährlich rund 300 000 neu dazukommenden Patienten bestehe absolut die Notwendigkeit, mit dem Thema umzugehen – für alle Menschen, aber umso mehr für die Krankenhäuser. Die Malteser wollen, wenn die Zertifizierung des Carolus-Krankenhauses als „Demenzsensibles Krankenhaus“ geschafft ist – voraussichtlich Ende 2020 – auch ihre weiteren neun Häuser danach ausrichten. Grundsätzlich befassen sie sich bereits seit Längerem damit, haben spezielle Stationen in Köln und Flensburg sowie integrative Geriatrien in Bonn und Duisburg. Aber ein komplettes Krankenhaus, das auf Demente spezialisiert ist, gibt es noch nicht.

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