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Klimawandel-Forscher ab Januar in Görlitz

Das deutsch-polnische Casus-Institut startet nächstes Jahr richtig. Bis zu 100 Wissenschaftler soll es einmal haben. Doch braucht es ein größeres Domizil. Dafür gibt es einen Favoriten.

So wie in diesem Modell könnte das neue Forschungszentrum Casus im Görlitzer Kondensatorenwerk einmal aussehen - mit einem Steg über die Neiße.
So wie in diesem Modell könnte das neue Forschungszentrum Casus im Görlitzer Kondensatorenwerk einmal aussehen - mit einem Steg über die Neiße. © Nikolai Schmidt

Die Gerüchteküche brodelt mal wieder. Noch vor Weihnachten, so heißt es, könnte der Kaufvertrag fürs alte Kondensatorenwerk unterschrieben werden. Danach könnte der Freistaat die Ruinen sanieren, damit in wenigen Jahren das neue Forschungsinstitut Casus einziehen kann. OB Octavian Ursu bestätigt lediglich, dass Verhandlungen zum Kondensatorenwerk laufen: „Über die Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart.“ Einen unterschriebenen Kaufvertrag gebe es noch nicht.

Bei Casus selbst ist auch nicht mehr bekannt: „Da müssen Sie beim Freistaat nachfragen“, sagt Gründungsdirektor Michael Bussmann vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Dort äußert sich Sandra Jäschke, Pressesprecherin im Finanzministerium.

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Der Freistaat Sachsen bemühe sich aktuell um einen geeigneten Standort für das Forschungszentrum und stehe dabei in engem Kontakt zur Stadt Görlitz, erklärt sie. Und weiter: „Das ehemalige Kondensatorenwerk am Neißeufer ist eine mögliche Option.“ Zu den Grundstückskaufverhandlungen sei aber Stillschweigen vereinbart worden. Nur eines ist schon mal klar: Die Stadt Görlitz wird das Kondensatorenwerk nicht kaufen. „Wenn, dann ist der Freistaat der Käufer“, sagt Sandra Jäschke.

Es geht um neuartige Rechenmodelle

Was sich hinter dem Namen Casus verbirgt, ist ein Wortungetüm: Center for Advanced Systems Understanding. Was indes in diesem Software-Institut gemacht wird, das lässt sich etwas verständlicher in etwa so erklären: Es geht um neuartige Rechenmodelle und Software für einige der drängendsten Fragen unserer Zeit: Klima, Krebs und Künstliche Intelligenz. Hier werden bisher nicht lösbare Gleichungen und Rechenmodelle entwickelt, die neuartige Prognosen ermöglichen, sagt Bussmann.

Und er hat gute Nachrichten für Görlitz: Nachdem es in dieser Woche schon einen dreitägigen Casus-Workshop in Görlitz gab, werde das Institut „Mitte Januar mit Sicherheit nach Görlitz ziehen“. Das Gebäude Untermarkt 20 sei so gut wie fertig renoviert. Viel sei nicht zu tun gewesen: „Wir haben die Fußböden und die Datennetzverkabelung erneuern lassen, jetzt sind noch Maler im Haus.“ Allerdings sei für die Arbeiten eine öffentliche Ausschreibung nötig gewesen.

„Die lokale Konjunktur in Görlitz ist so gut, dass es schwer war, Handwerker zu finden“, sagt Bussmann. Vor Weihnachten sollen sie fertig werden, anschließend sind Möbel aufzubauen und die IT zusammenzustecken. Am 13. Januar gibt es ein Treffen mit Vertretern aus Polen: „Denen wollen wir das Gebäude schon zeigen.“

Drei Mitarbeiter sind aus Görlitz

Innerhalb des ersten Monats werden zehn bis zwölf Mitarbeiter das Gebäude beziehen, darunter sechs bis acht Wissenschaftler sowie vier administrative Angestellte – also Leute, die wissenschaftliche und öffentliche Veranstaltungen organisieren, sich um die Öffentlichkeitsarbeit und um die Wissenschaftler kümmern. „Drei der vier haben wir schon eingestellt“, sagt Bussmann. Alle drei sind Görlitzer.

Die bisher gefundenen Wissenschaftler kommen zumeist aus Deutschland und aus den USA. Polnische Wissenschaftler sind noch nicht dabei. „Es ist ein Mix aus Gästen und Leuten, die dauerhaft in Görlitz arbeiten werden“, sagt Bussmann. Die Gäste bleiben für ein paar Monate, vielleicht auch mal für ein ganzes Jahr. „Das sind relativ hochrangige Wissenschaftler auf Professoren-Ebene“, erklärt Bussmann.

In den kommenden Monaten soll die Zahl der Wissenschaftler kontinuierlich wachsen, im Mai sollen es zehn oder mehr sein: „Da werden auch Doktoranden und Postdocs dabei sein.“ Die Einstellungen seien schon fest, aber noch nicht alle für Januar.

Qualität steht über der Quantität

Am 30. November war Bewerbungsschluss für 2019“, sagt Bussmann. Es habe eine gute Anzahl an Bewerbungen für Görlitz gegeben: „Uns interessiert aber nicht die Anzahl, sondern die Qualität.“ Die werde gerade geprüft. Gleichzeitig macht Casus jetzt schon die Ausschreibung für 2020 fertig, denn dann sollen weitere Wissenschaftler eingestellt werden.

Casus ist von vornherein als interdisziplinäres Forschungsinstitut konzipiert. „Es lebt davon, dass wir uns über die Themen hinweg austauschen“, sagt Bussmann. Das scheine ein Konzept zu sein, das vielen Wissenschaftlern gefällt. Die, die schon eingestellt sind, werden sich unter anderem mit Planetenforschung im Labor beschäftigen, aber auch mit Klimawandelfolgen-Forschung. Dabei soll es darum gehen, zu verstehen, welche lokalen Folgen der globale Wandel haben kann.

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Diese Themen werden im Frühling den Schwerpunkt bilden, so Bussmann: „Aber sie werden sich sicher schon im Laufe des ersten Jahres deutlich erweitern.“ Insgesamt sollen in einigen Jahren 100 Wissenschaftler hier arbeiten. Im Untermarkt 20 ist aber nur Platz für etwa 30 Forscher. Deshalb werden bald weitere Räume benötigt. Sollte die Gerüchteküche recht behalten, dann entstehen diese im Kondensatorenwerk.

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