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CDU-Politikerin will Wechsel an Manu-Spitze

Die Landtagsabgeordnete Daniela Kuge aus Meißen wirft dem Management Untätigkeit vor. Doch in dem Betrieb ist viel passiert.

Schießt scharf gegen die Führungsspitze der Manufaktur: Die Meißner CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge möchte dort einen Personalwechsel.
Schießt scharf gegen die Führungsspitze der Manufaktur: Die Meißner CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge möchte dort einen Personalwechsel. © Claudia Hübschmann

Meißen. In den letzten Jahren habe sie einiges in der Manufaktur erlebt und kenne sich in dem Betrieb gut aus. Das schreibt die Meißner CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge in einer Reaktion zu den Antworten der Staatsregierung auf eine von ihr gestellte Kleine Anfrage zur Situation des Traditionshauses. Den seit 2014 an der Spitze des Unternehmens stehenden Geschäftsführer Tillmann Blaschke halte sie auf lange Sicht "für nicht tragbar".

Obwohl an entscheidender Stelle tätig, habe dieser das Unternehmen nicht positiv ausrichten können, teilt die 45-Jährige weiter aus. So würden neue Produkte im Druckverfahren beziehungsweise Schiebeverfahren hergestellt, die nichts mit der ursprünglichen Meissener Handwerkskunst zu tun haben.  Aufträge könnten nicht zeitnah abgearbeitet werden, trotzdem würden Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

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Konnte trotz Corona-Krise jüngst in Dresden ein neues Service präsentieren: Manufaktur-Chef Tillmann Blaschke verweist darauf, dass hinter den Kulissen von Meissen viel passiert ist, was bislang noch nicht sichtbar und fühlbar wurde.
Konnte trotz Corona-Krise jüngst in Dresden ein neues Service präsentieren: Manufaktur-Chef Tillmann Blaschke verweist darauf, dass hinter den Kulissen von Meissen viel passiert ist, was bislang noch nicht sichtbar und fühlbar wurde. © René Meinig

Geschäftsführer Tillmann Blaschke ist solchen Vorwürfen in jüngster Vergangenheit mit dem Verweis auf Fehleinschätzungen in den vergangenen drei Jahrzehnten nach der Wende entgegengetreten. Seit 1990 seien die Prognosen größtenteils zu optimistisch ausgefallen und wiederholt von der tatsächlichen Lage auf dem Porzellanmarkt überholt worden. Der Wandel der Esskultur, ein rasanter Zuwachs bei Importen aus China sowie das Sterben der Fachgeschäfte in den Innenstädten wurden aus Sicht des Manufakturchefs zu lange ignoriert.

Das Management sei dabei gerade in den letzten Jahren nicht untätig geblieben. Dem 57-Jährigen zufolge ist das Unternehmen beim Markenbild sowie im Vertrieb und Marketing einen großen Schritt vorangekommen, um eine jüngere Käuferschaft zu erschließen. Mithilfe der Mittel des Freistaates sei es gelungen, einen weit zurückreichenden Investitionsstau aufzuarbeiten. Sehr viel wurde in neue Anlagen investiert. Nadelöhre in der Produktion, welche zu einem Rückstau in vielen Bereichen führten, sind beseitigt. Die Quote an Ausschuss und Nacharbeiten sank nachhaltig. 

Erfolgreich entwickelt sich nach Angaben des Unternehmenschefs das Geschäft mit im Handdruck-Verfahren dekorierten Geschirren. Die Meinungen etwa über das Dekor Collage gingen auseinander, jedoch bilde die neue Linie eine Einstiegsmöglichkeit für jüngere Kunden und Verbraucher, welche nicht die hohen Preise für Handmalerei zahlen, aber trotzdem auf Meissen nicht verzichten möchten. 

Trotz Corona-Krise hat das Traditionshaus zudem mit Blue Treasures kürzlich ein neues Service auf den Markt gebracht, das sich mit Handmalerei, aber niedrigen Preisen von der Konkurrenz absetzt. Kurzarbeit bildet dabei in Zeiten der Pandemie für das Unternehmen ein unerlässliches Mittel, um die massiven Umsatzeinbußen auffangen zu können. Meissen fährt derzeit auf Sicht. Er hielte es für unangebracht, aus der aktuellen Ausnahmesituation strategische Schlüsse für die Zukunft abzuleiten, so Tillmann Blaschke.

Land sieht keinen Handlungsbedarf

Vom Freistaat erhält der Geschäftsführer Rückendeckung. Handlungsbedarf beim Staatsbetrieb im Hinblick auf Blaschke sehe Finanzminister Hartmut Vorjohann nicht, hieß es kürzlich in der Dresdner Morgenpost. 

Das Land unterstütze "den teilweise schmerzlichen Weg der Geschäftsführung, die Manufaktur zukunftssicher auszurichten und ist zuversichtlich, das Unternehmen gemeinsam mit der Geschäftsführung langfristig zu erhalten", zitiert die Mopo den Politiker. SZ-Informationen zufolge ist der Staatsminister wenig erbaut über die regelmäßigen Querschüsse der Meißner Landtagsabgeordneten.

Während Vorjohann nur dementiert, geht der Meißner AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste in die Offensive.  „Frau Kuge inszeniert sich selbst auf Kosten Blaschkes sowie der gesamten Manufaktur“, bewertet Kirste die Äußerungen seiner Kollegin. Blaschke, so der Parlamentarier weiter, habe von seinem Vorgänger Christian Kurtzke einen Scherbenhaufen übernehmen müssen, welchen es jetzt zu konsolidieren gilt.

 Für diesen schwierigen Arbeitsschritt seien nicht nur Zeit und frisches Kapital vonnöten, sondern speziell auch Vertrauen in die kaufmännischen Fähigkeiten und Ideen, mit denen sich der Chef des Traditionshauses in den vergangenen sechs Jahren zur Zufriedenheit des neuen Aufsichtsrats bewährt hatte. 

„Die Märkte für Porzellan sowie hochwertige Luxusgüter sind sowohl deutschlandweit als auch international hart umkämpft“, mahnt Kirste. Es seien die für das Unternehmen wichtigen Wiederverkäufer, welche von den dauernden Rücktrittsforderungen und der daraus resultierenden Negativpresse abgeschreckt würden.

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Trotz dieses Gegenwinds bleibt Daniela Kuge bei ihren Vorwürfen. "Ich habe lange versucht, mit Herrn Dr. Blaschke einen gemeinsamen Weg für die Manufaktur Meißen zu finden und zwischen den verschiedenen Fronten zu vermitteln", schreibt sie an ihre Fraktionskollegen. Doch dieser gelte in seinem Hause als schwierig und nicht umgänglich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien resigniert und verzagt.

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